Galgenfrist bleibt

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Landwirtschaftsschule am See muss schließen

Gibt es einen schöneren Blick über Lieps und Tollensesee? Wohl kaum. Die Landwirtschaftsschule wurde am See gebaut, aber es fehlt ein direkter Seezugang.
Gibt es einen schöneren Blick über Lieps und Tollensesee? Wohl kaum. Die Landwirtschaftsschule wurde am See gebaut, aber es fehlt ein direkter Seezugang.
Anett Seidel

Eine Ära geht zu Ende. Das Aus der Fachschule für Landwirtschaft in Tollenseheim ist besiegelt. Das Landwirtschaftsministerium führt wirtschaftliche Gründe für diesen Schritt an.

Disko, Knutschen und natürlich Lernen – es ist für jeden vorstellbar, was sich in der kleinen Welt Tollenseheim direkt am See zu DDR-Zeiten abgespielt hat. Mehr als 200 angehende Agraringenieure absolvierten ihre Ausbildung auf dem Gelände, wohnten dort und genossen ein Stück ihrer Jugend in vollen Zügen. Heute sind insgesamt 26 Fachschüler an der Schule. Hinzu kommen zwar noch die Teilnehmer der Fortbildungslehrgänge, aber es ist ruhig geworden in Tollenseheim. Zu ruhig. Denn jetzt steht fest: Das Aus für die Fachschule für Landwirtschaft in Tollenseheim am Toillensesee ist beschlossen. Das Landwirtschaftsministerium aus Schwerin gibt der Schule nur noch eine Galgenfrist: „Tollenseheim wird jedoch nicht vor dem Schuljahr 2016/17 geschlossen“, heißt es.

Zu wenig Schüler

„Die Größe des Objektes im Verhältnis zur Schülerzahl lässt ein wirtschaftliches Betreiben des Standortes nicht mehr zu“, begründet das Ministeriums den Schritt. Hinzu komme, dass andere Mieter im Haus ihren Auszug verkündet haben. „Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht des Gebots eines sparsamen Umgangs mit Haushaltsmitteln wurde die Entscheidung zur Schließung getroffen.“ Sind die Türen zu, wird es die fachschulische Ausbildung im Agrarbereich künftig nur noch in Güstrow geben. Seit 2004 ist Tollenseheim ohnehin nur eine Außenstelle der Fachschule für Agrarwirtschaft des Landes in Güstrow.

Aus und vorbei – eine Ära geht zur Ende. Den fünf bis sechs Lehrern bleibt eine Galgenfrist. „Aber wir gehen davon aus, dass es verträgliche Lösungen gibt und niemand arbeitslos wird“, sagt Schulleiter Waldemar Ryll. 

Alles passte zusammen

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Peter Schmidtbauer. Der Lehrer für Pflanzenproduktion und Sozialkunde spricht aus, was die meisten in dem Haus wohl denken. Schmidtbauer ist seit 1977 dabei. Die ideale Konstellation von damals hätte auch heute Chancen gehabt, sagt er. In einer landwirtschaftlich geprägten Region hätte in Tollenseheim ein ausgedehntes landwirtschaftliches Zentrum entstehen können. Kreisbauernverband, Pflanzenschutzamt und Saatenanerkennungsstelle waren oder sind bis jetzt noch vor Ort. Alles passte. Doch die geburtenschwachen Jahrgänge sorgen in Tollenseheim für viele leere Stühle. „Unsere Klassen sind relativ schwach mit jeweils noch zehn Schülern“, sagt Waldemar Ryll. Die beiden Pädagogen wollen nicht schwarzmalen. Aber wenn sie an das riesige Haus denken, dürfte die Prognose düster ausfallen.

Die Entscheidung zur künftigen Nutzung des Schulhauses obliegt dem Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) des Landes. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist noch unklar. Ein Konzept für die Nachnutzung gibt es noch nicht, teilt der BBL mit. Der Schulbetrieb geht dort zunächst unverändert weiter.