Krankenhaus

Lautstarker Protest für die Frühchenstation in Neubrandenburg

Die geplante Herabstufung der Neubrandenburger Frühchenstation könnte erst der Anfang sein. Klinik-Mitarbeiter wollen ihren Unmut darüber auf die Straße tragen.
Dieses frühgeborene Kind wog bei der Geburt weniger als 1000 Gramm. Es wird auf der Neubrandenburger Frühchenstation
Dieses frühgeborene Kind wog bei der Geburt weniger als 1000 Gramm. Es wird auf der Neubrandenburger Frühchenstation in einem Inkubator versorgt. Ab 2024 könnte das am Klinikum nicht mehr möglich sein. DBK/Elke Brauns
Neubrandenburg

In der Neubrandenburger Innenstadt könnte es am Sonnabend eng zugehen. Auf Initiative der Mitarbeitervertretung des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums findet von 10 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz eine Aktion zum Erhalt der Neubrandenburger Frühchenstation statt, wie das Krankenhaus in einer Pressemitteilung angekündigte. Neben dem Infostand sind in der City laut Stadtverwaltung noch sechs weitere Sondernutzungen genehmigt, unter anderem der Auto-Markt auf dem Marktplatz sowie der Flohmarkt NB-Kinderkram in der Turmstraße. Angemeldet hätten sich zur Unterstützung der Klinik-Mitarbeiter auch Rocker um den Neustrelitzer Andreas Meyer, sagte Stadtsprecherin Anett Seidel. Er organisiert regelmäßig Spendenfahrten zugunsten des Klinikums. Die vielen Sondernutzungen können den Organisatoren zusätzliche Aufmerksamkeit bringen, gab die Stadtsprecherin zu bedenken.

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Videoaufruf der Stadt in den sozialen Netzwerken

Die Mitarbeitervertretung des Klinikums will auf dem Marktplatz informieren und auch Unterschriften für den Erhalt des Perinatalzentrums in seiner jetzigen Form sammeln, die an die Landes- und Bundesregierung geschickt werden sollen, teilt Kliniksprecherin Anke Brauns mit. Politische Parteien haben vorab eine Unterstützung des Protests angekündigt, ebenso Stadtvertretung und Stadtverwaltung sowie Kreistag und die Kreisverwaltung. An der Aktion zum Erhalt der „Frühchenstation“ nehme seitens des Landkreises der Beigeordnete und Dezernent Michael Löffler teil, teilte Kreissprecherin Haidrun Pergande mit.

Für die Stadt Neubrandenburg wird laut Verwaltung Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann zur Versammlung kommen. Die Stadt werde ab Freitag zudem in sozialen Netzwerken mit einem Video zur Teilnahme aufrufen, sagte Anett Seidel. Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) ruft die Menschen in der Filmsequenz dazu auf, sich an Protest und Unterschriftenaktion zu beteiligten. Die Pläne zur teilweisen Schließung der Frühchenstation könnten „katastrophale Auswirkungen“ wie weitere Schließungen von Stationen nach sich ziehen, befürchtet er. „Wir hoffen, dass wir die Situation dadurch noch mal umlenken können.“

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Kreis und Stadt wollen Ausnahmegenehmigung

Kliniksprecherin Anke Brauns warnte ebenfalls, künftig sollten für immer mehr Leistungen in Krankenhäusern Mindestmengen festgelegt werden, davon werde der ländliche Raum besonders betroffen sein. Hintergrund des breiten Protestes in der Region für den Erhalt des Level-1-Perinatalzentrums in Neubrandenburg ist eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wonach diese ab 2024 nur noch betrieben werden sollen, wenn es mindestens 25 Fälle pro Jahr gibt.

Als solche zu früh Geborenen gelten Neugeborene unter 1250 Gramm Gewicht. Diese Mindestfallzahl könnte das Bonhoeffer-Klinikum wahrscheinlich nicht erreichen, weshalb eine Teilschließung befürchtet wird. Das geänderte Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) sieht aber die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen vor. Diese sind allerdings auf jeweils ein Jahr befristet und bedürfen der Zustimmung der Kranken- und der Ersatzkassen. Hierauf wollen Kreis und Stadt hinwirken.

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Kommentare (2)

Sparen am verkehrten Ende. War schon immer so. Unfähige regieren egal seit 1933 bis zur Gegenwart ist Deutschland nur noch ein Witz.

Wenn ich für die Frühchenstation demonstriere und die Ausnahmereglung greift, muß ich dann jedes Jahr wieder neu demonstrieren, bis der (welcher) Gesetzgeber begreift, daß es so nicht von mir gewollt ist? WER bestimmt denn für die Herabstufung, wenn alle dagegen sind?