HILFE IN DER GRUPPE GESUCHT

Leben mit der Depression

Zwölf Frauen treffen sich regelmäßig in ihrer Selbsthilfegruppe. Was suchen sie, was finden sie?
Eine depressive Frau an ihrem Arbeitsplatz. Zunehmender Arbeitsdruck kann ein Auslöser der Krankheit sein. 
Eine depressive Frau an ihrem Arbeitsplatz. Zunehmender Arbeitsdruck kann ein Auslöser der Krankheit sein.  Oliver Berg dpa/lhe
Neubrandenburg.

Wenn sich jetzt zu Ostern die Familien treffen, sind sie allein: Frauen, die unter Depressionen leiden. Ihre Familien, ihre Ehen gingen durch die Krankheit kaputt. „Nach 30 Jahren geschieden, mein Mann hat das nicht verkraftet. Und nach 30 Jahren ist auch der Beruf weg“, erzählt Marga L.* leise und bedrückt. Sie ist eine der zwölf Frauen der Selbsthilfegruppe Depression, die sich regelmäßig treffen. Hilfe und einen Raum finden sie bei der Selbsthilfekontaktstelle des DRK Neubrandenburg.

Warum konnte die Krankheit Depression so bestimmend und bedrückend  für die Frauen werden? „Immer mehr arbeiten, der Druck im Beruf wird immer größer, in der Familie auch, ich steigerte mich rein in die ständige Angst, Fehler zu machen. Und dann mein Ehrgeiz, immer alles im Griff haben zu wollen“, denkt Sabine K. laut darüber nach.

Bittere Erfahrung mit dem Chef

„Warum bist du immerzu traurig, sagte meine Freundin, du hast Familie, ihr habt ein schönes Haus, du hast Arbeit, anderen geht es viel schlechter. Aber auch dieser Zuspruch hilft mir nicht“, ergänzt Anne M. aus ihrer Sicht. Und Veronika H. sagt: „Irgendwie bin ich froh, dass ich nicht mehr in der Tretmühle Arbeit drin bin. Aber es tut auch weh, dass ich das nicht mehr packe.“  Sabine K. hat versucht, wieder in den Beruf reinzukommen. „Aber mit meinem Chef ging kein Kompromiss, da war nur Abwehr, er hatte Angst, dass ich zu oft krank bin. Entweder, man funktioniert zu 120 Prozent oder man kann es lassen“, beschreibt sie ihre bittere Erfahrung.

Die Frauen der Selbsthilfegruppe haben in unterschiedlichsten Berufen gearbeitet: Sozialarbeiterin, Verkäuferin, gleich drei Krankenschwestern, Büroangestellte, Nachrichtentechnikerin, Lehrerin. Heute müssen sie zumeist von Erwerbsunfähigkeitsrente leben, also sparsam, sagt Anne M. Das gilt auch für das Leben in der Gruppe.

Gruppe wie eine Familie

Bei ihren Treffen in der Selbsthilfekontaktstelle gibt es zunächst die Entspannung. Und danach erzählt jede Frau in der „Befindlichkeitsrunde“, was sie in den vergangenen 14 Tagen erlebte, was sie freute, was sie runterholte. Und über Neuigkeiten wird geredet, ganz alltägliche Themen: Stromkosten, Kuren, Telefonieren...

„Unsere Gruppe ist also ein Stück Familie für uns“, beschreibt Sabine K. das. „Aber keine Therapie-Ersatz, keine professionelle Hilfe, kein Ersatz für den Arzt“, fügt Anne N. hinzu. Alle zwölf Frauen sind sich einig, dass für ihre Gruppe durch die Selbsthilfekontaktstelle in Neubrandenburg gute Bedingungen bestehen. „Wir haben hier den Raum, den wir nutzen dürfen, wir können immer mit der Leiterin Heike Rademacher sprechen“, erklärt Sabine K. An die Leiterin kann sich jeder wenden, der in ähnlicher Weise wie die Frauen der Gruppe Hilfe sucht.

*Namen von der Redaktion geändert

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