MORDPROZESS IN NEUBRANDENBURG

▶ Leonies leiblicher Vater bricht vor Gericht zusammen

Als am Freitag beim Prozess in Neubrandenburg die Verletzungen gezeigt werden, an denen die kleine Leonie aus Torgelow starb, ist ihr leiblicher Vater zusammengebrochen.
Leonies leiblicher Vater vor Beginn des Prozesstages am Freitag.
Leonies leiblicher Vater vor Beginn des Prozesstages am Freitag. Andreas Becker
Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12. Januar 2019 eine sechsjährige Leonie ums Leben k
Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Eingang des Hauses, wo am 12. Januar 2019 eine sechsjährige Leonie ums Leben kam. Stefan Sauer
Dem Stiefvater von Leonie wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen.
Dem Stiefvater von Leonie wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Die kleine Leonie aus Torgelow starb kurz bevor der Notarzt eintraf, den ihr mordverdächtiger Stiefvater David H. in der Todesnacht am 12. Januar 2019 gerufen hatte. Das bestätigte am Freitag Professorin Britta Bockholdt von der Rechtsmedizin in Greifswald. Sie sagte als Sachverständige am Landgericht Neubrandenburg aus, wo sich David H. wegen Mordes durch Unterlassen verantworten muss.

„Es kann heute sehr schmerzhaft für Sie werden, es kann blutig werden. Überlegen Sie sich bitte gut, ob Sie heute im Gerichtsaal bleiben wollen”, sagte der Vorsitzende Richter Jochen Unterlöhner bereits vor Beginn der Verhandlung zu Oliver E., bevor die Rechtsmedizinerin ihre Aussage begann.

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Viele Besucher sind im Gerichtssaal, wie im Video zu sehen ist. Es gibt eine Trennwand, damit nur die Prozessbeteiligten und nicht die Öffentlichkeit die Bilder sehen können, die gezeigt werden sollen. Oliver E. trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Leonie”, auf dem Rücken steht „Es gibt nur ein gerechtes Urteil.”:

[Video]

Der leibliche Vater der kleinen Leonie musste tief durchatmen – blieb aber sitzen. „Wenn ich einmal rausgehen muss, dann bleibe ich auch draußen”, sagte er. Als die Rechtsmedizinerin die Bilder von Leonies schweren Verletzungen zeigte und im Detail erklärte, war Oliver E. sichtlich um Fassung bemüht.

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Notarzt sprach von früherem Todeszeitpunkt

Ellbogen gebrochen, Rippen gebrochen, Daumen gebrochen, Ablösung der Mundschleimhaut, Ablösung der Gehirnhaut, Gehirnblutungen – die Liste an Verletzungen, die nach dem Tod des Mädchens festgestellt wurden, ist sehr lang.

Der Zeitpunkt des Todes sei nicht leicht feststellbar, Stunden vor dem Notruf kann er aber nicht eingetreten sein. Aber eben doch klar vor dem Notruf, sagte die 54-jährige Rechtsmedizinerin. Zehn bis zwölf Minuten bevor der Notarzt vor Ort eintraf, sei das Mädchen gestorben. Der Notarzt selbst war sich vor Gericht sicher, dass Leonie bereits viel länger tot war, er sprach von mehr als einer Stunde.

Leonies Vater brach im Gericht zusammen

Leonies Vater brach zusammen und musste in diesem Moment von mehreren Helfern aus dem Saal gebracht werden. Er war nicht mehr in der Lage selbst zu gehen. Der Todeszeitpunkt, den die Rechtsmedizinerin angab, deutet darauf hin, dass Leonie während des Notrufs keinesfalls geweint haben kann – was der angeklagte David H. jedoch behauptet. Die Aufzeichnung des Notrufs wurde vor Gericht abgespielt, auf der ein Kind zu hören war. H. sprach es darauf eindeutig mit dem Namen Leonie an.

Am Nachmittag des 12.Januar soll Leonie die Treppe in dem Wohnhaus in Torgelow heruntergefallen sein und sich dabei verletzt haben. Ihr Stiefvater David H. fand sie seinen Aussagen nach am Fuß der Treppe, nachdem er ein lautes Poltern gehört habe.

Am 9. Januar hat das Landgericht Neubrandenburg ein Urteil in dem Mordprozess um die kleine Leonie gefällt. Sie starb am 12. Januar 2019 in der Wohnung ihrer Mutter und ihres Stiefvaters in Torgelow. 

Er habe das Mädchen in die Wohnung gebracht und sie ins Bett gelegt. Dann sei es ihr besser gegangen. Erst gegen Abend habe Leonie geröchelt, sie habe sich so schlecht gefühlt, dass David H. den Notruf wählte. Um 19.32 Uhr waren der Notarzt und die Rettungssanitäter in der Wohnung. 47 Minuten lang kämpften sie um das Leben der Sechsjährigen, bis ihr Tod festgestellt wurde.

Dass der Notarzt so lange versucht hatte, die Sechsjährige wiederzubeleben, war richtig, sagte Rechtsmedizinerin Bockholdt. Bei dem normalerweise gesunden Kreislauf eines Kindes seien die Chancen dafür in der Regel gut, zumal der Notarzt zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, wie schwer Leonie tatsächlich verletzt war.

Video: Trauer um Leonie in Torgelow im Januar 2019

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Kommentare (3)

Hätte sich der Vater schon früher für seine Tochter interessiert, wäre dieses Unglück vielleicht vermeidbar gewesen. Beide Kinder hatten schon vorher erhebliche Verletzungen. Eine Kita wurde monatelang nicht besucht. So etwas fällt einen treusorgende Vater eigentlich auf.

Hier gebe ich Ihnen vollkommen Recht.
Trotzdem nehme ich ihm den Schmerz und die Trauer ab.
Ein extrem bitteres Beispiel für die Redewendung: "Hinterher ist man immer schlauer"

Sobald sie auch ein Mädchen kennen, dass vom Muselmann vergewaltigt und zum sterben in den Fluss geschmissen wurde, werden sie mir in weit mehr Punkten zustimmen!