VERTEIDIGER VON JANINE Z.

"Leonies Mutter hat Teilschuld auf sich geladen"

Bald fällt das erste Urteil im Leonie-Prozess in Neubrandenburg. Der gewaltsame Tod des Mädchens ist damit juristisch nicht abgeschlossen. Noch ist die Rolle der Mutter ungeklärt.
Der Prozess in Neubrandenburg gegen den Stiefvater von Leonie aus Torgelow geht am Donnerstag zu Ende (Archivbild).
Der Prozess in Neubrandenburg gegen den Stiefvater von Leonie aus Torgelow geht am Donnerstag zu Ende (Archivbild). Stefan Sauer
Der angeklagte Stiefvater im Gerichtssaal (Archivbild).
Der angeklagte Stiefvater im Gerichtssaal (Archivbild). Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Am 9. Januar hat das Landgericht Neubrandenburg ein Urteil in dem Mordprozess um die kleine Leonie gefällt. Sie starb am 12. Januar 2019 in der Wohnung ihrer Mutter und ihres Stiefvaters in Torgelow. 

Misshandlung? Körperverletzung mit Todesfolge? Mord? Oder vielleicht sogar Freispruch? Noch ist völlig ungewiss, welches Urteil das Landgericht Neubrandenburg gegenüber dem Angeklagten David H. sprechen wird.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstafe für den Stiefvater von Leonie. Er soll laut Staatsanwalt Bernd Bethke das Mädchen bis in den Tod geprügelt – und gleichzeitig verhindert haben, dass die leibliche Mutter rechtzeitig ärztliche Hilfe holen konnte.

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Die Verteidigung hält die Argumentation der Staatsanwaltschaft für äußerst wacklig, da sie ausschließlich auf widersprüchlichen und unglaubwürdigen Aussagen der Kindsmutter basiere. Janine Z. hatte im Prozess, der am Donnerstag zu Ende geht, viermal unter Ausschluss der Öffentlichkeit als Zeugin ausgesagt – und ihren ehemaligen Lebensgefährten schwer belastet.

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Leonie wollte ihren leiblichen Vater sehen

Doch mit dem Abschluss des juristischen Verfahrens gegen den Stiefvater verschwindet der gewaltsame Tod der kleinen Leonie noch lange nicht in den Aktenschränken. Denn gegen Janine Z. ermittelt die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg seit Monaten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Hat sie bei den Misshandlungen an ihrer leiblichen Tochter weggeschaut? Hat sie bei Schlägen und Tritten aktiv mitgeholfen? Laut Verteidigung war Janine Z. sauer auf ihre Tochter, weil diese immer wieder inständig gefordert habe, doch bitte endlich mal ihren leiblichen Vater Oliver E. sehen zu können. Das aber habe Janine Z. rigoros abgelehnt. Sie wollte den Kontakt zum Vater ihrer Tochter radikal abbrechen.

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„Spirale von Gewalt, Bedrohung und Einschüchterung”

Axel Vogt, Anwalt von Janine Z., betont, dass Leonie nicht durch die Hand der Mutter gestorben sei. In der Wohnung der Familie in Torgelow habe eine Spirale der Gewalt, Bedrohung und Einschüchterung geherrscht”, so Vogt. Der Mutter sei es trotz mehrmaliger Versuche nicht gelungen, sich aus dieser häuslichen Situation zu befreien.

„Sie war einfach nicht stark genug”, macht Vogt deutlich. Ob der Mutter jetzt strafrechtliche Konsequenzen drohen, möchte der Anwalt aus Lubmin noch nicht beurteilen. Wenn das Verfahren gegen David H. abgeschlossen und rechtskräftig sei, werde er Akteneinsicht beantragen und sich mit Staatsanwalt Bernd Bethke austauschen. Dann müsse man sehen, ob es zu einer Anklage komme.

Janine Z. mache sich selbst die größten Vorwürfe und suche bis heute eine Erklärung, warum sie es nicht geschafft habe, Hilfe zu holen, schildert der Anwalt und spricht von einer extrem belastenden Situation. „Sicherlich hat Janine Z. eine Teilschuld auf sich geladen”, räumt Axel Vogt ein.

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