VORWURF IM MORDPROZESS

Leonies Mutter soll verletztes Kind getreten haben

Aus der Familie von David H. kamen im Mordfall Leonie am Freitag schwere Vorwürfe. Sie richten sich an die Mutter des toten Mädchens.
Im Prozess um den Tod der kleinen Leonie wurden am Freitag Angehörige des Angeklagten David H. befragt.
Im Prozess um den Tod der kleinen Leonie wurden am Freitag Angehörige des Angeklagten David H. befragt. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

„Wer kann mir denn garantieren, dass mir nachher nichts passiert, wenn ich aussage?”, fragte Randy R. noch bevor er vor dem Landgericht Neubrandenburg im Mordprozess aussagte. Er werde vom leiblichen Vater der getöteten Leonie (6) bedroht, dieser habe „Leute angeheuert”, sagte der 26-Jährige am Freitag. Randy R. ist der Verlobte von Maria H., deren Bruder David H. wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt ist.

Ein wichtiger Aspekt im Mordfall Leonie ist die spektakuläre Flucht von David H. vor der Polizei in Pasewalk. Als ihm eröffnet wurde, dass er verdächtigt werde, floh David H. aus dem Verhörzimmer. Er sei zu Fuß nach Torgelow gegangen zu Randy R. und seiner Schwester Maria H. Erst nach mehreren Tagen auf der Flucht wurde der mordverdächtige David H. gefasst. Er beharrt darauf, dass die Sechsjährige durch einen Treppensturz am 12. Januar dieses Jahres gestorben sein soll.

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Das Mädchen hatte schwere Verletzungen, unter anderem Rippenbrüche. Zu Randy R. habe David H. gesagt, dass diese Rippenbrüche von ihrer Mutter, Janine Z., verursacht wurden. R. zufolge habe David H. wohl gesagt, dass die Mutter die von der Treppe gestürzte Leonie getreten haben soll. Das wurde im polizeilichen Vernehmungsprotokoll so vermerkt. Doch vor Gericht gab R. an, doch nicht mehr so sicher von H. gehört zu haben, dass Janine Z. das verletzte Mädchen getreten haben soll. Da sprach er nur noch davon, dass die Mutter gegen Leonie „gestoßen” sei, weil die Sechsjährige ja direkt unten im Hausflur vor der Treppe gelegen habe. Der Vorsitzende Richter Jochen Unterlöhner fragte mehrmals nach, was denn nun richtig sei. Eine klare Antwort gab es nicht.

Wie ging David H. mit Noah-Joel um?

Glücklicher wurde das Gericht mit den Antworten im Weiteren auch nicht. Es ging um Farbe: David H. und Janine Z. wollten eine Wand streichen – einen Tag, nachdem Leonie gestorben war. An die Farbe – es war „Schweinchenrosa” – erinnerte sich R. noch. Doch der Grund, warum gestrichen wurde, blieb nebulös. Denn in der polizeilichen Vernehmung gab er an, dass es wohl um Blutflecken an einer Wand ging. Dann ging es aber darum, dass damit Leonies Zimmer gestrichen werden sollte, da dort David H. und Janine Z. alles an das tote Mädchen erinnere.

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Randy R. beschuldigte zudem Oliver E., den leiblichen Vater von Leonie, „Leute engagiert zu haben”, die auch „David kaltmachen” sollen, damit er selbst wieder mit Janine Z. zusammen sein könne.

„In der Hoffnung, dass wie hier endliche mal eine klare Antwort bekommen”, fing Richter Unterlöhner an, „wie ging David H. mit Leonie und ihrem Bruder Noah-Joel um?” „Streng”, antwortete R. auf die Frage. Aber eigentlich habe H. ein gutes Verhältnis zu den Kindern gehabt. „Aber manchmal muss man auch ein strenges Regiment haben, ansonsten tanzen die einem ja auf dem Kopf herum”, sagte er über Erziehung im Allgemeinen. David H. habe in der Familie zwar das Zepter in der Hand gehabt, sei aber auch derjenige gewesen, der da gewesen sei, wenn die Kinder etwas brauchten, so R. Leonies Mutter Janine Z. habe das nicht getan. „Ich kenne ihn nicht so gut, aber er hat früher wohl viel Scheiße gebaut”, sagte R. Eifersüchtig sei er auch schnell geworden.

Keine klaren Antworten zu Verletzungen

Wurden die Kinder geschlagen, konnte man Verletzungen sehen? Klare Antworten: Fehlanzeige. Noah-Joel hatte ebenfalls Verletzungen, die nach Leonies Tod festgestellt wurden. Schon zuvor wurde das bemerkt, unter anderem bei einer Kinderärztin. Doch R. habe nichts bemerkt. Erst als er auf ein Familienfoto hingewiesen wurde, dass es auch den kleinen Bruder von Leonie zeigt, sprach er von einem blauen Auge bei Noah-Joel. Doch dann war die Erinnerung wieder unklar. Keine klare Antwort. „Wissen sie was, da stirbt ein Mensch, und sie können sich an so wenige Dinge erinnern?”, wunderte der Anwalt von Oliver E. Der leibliche Vater ist Nebenkläger im Mordprozess.

Von der Verteidigung des mordverdächtigen David H. wurde die Befragung von Randy R. nach einem kurzen Streit abgebrochen. Viel zu oft würde er „Weiß nicht” antworten, nicht nachdenken, was passiert sei, was er über die Beziehung von David H. und Janine Z. wusste, ob sie sich von dem Stiefvater trennen wollte. "Das ist kein Spiel, da ist ein kleines Mädchen gestorben. Geben Sie sich Mühe”, kam es frustriert von der Verteidigung. Wieder gab es keine klaren Antworten. „Keine weiteren Fragen”, hieß es abschließend.

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