MORDPROZESS

Leonies Mutter wollte Angeklagten verlassen

Am Nachmittag des achten Verhandlungstages im Mordprozess Leonie sagten Freundinnen der Mutter aus. Sie berichteten von Streitigkeiten und Drogen.
David H. ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt und soll für den Tod der sechs Jahre alten Leonie am 12. Januar ver
David H. ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt und soll für den Tod der sechs Jahre alten Leonie am 12. Januar verantwortlich sein. Er behauptet, das Mädchen sei durch einen Treppensturz gestorben. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Michelle K. kennt Leonies Mutter schon seit Jahren. Sie waren Nachbarn in Wolgast, schon, als Janine Z. noch nicht mit David H. zusammen war. Er ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt und soll für den Tod der sechs Jahre alten Leonie am 12. Januar verantwortlich sein. Er behauptet, das Mädchen sei durch einen Treppensturz gestorben.

Zuvor, als Z. noch mit dem leiblichen Vater der Kinder, Oliver E., zusammenlebte, war alles noch gut, sagte Michelle K. am Dienstag vor Gericht. Die ehemalige Nachbarin kannte auch Leonie und ihren kleinen Bruder, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Säugling war. Doch nachdem die Beziehung zwischen E. und Z. in die Brüche ging und Janine Z. mit David H. zusammenkam, veränderte sich alles.

Kinder veränderten sich nach Beziehung zu David H.

Zwar hätte Michelle K. noch fast täglich Kontakt zu Janine Z., doch diese habe von einer schwierigen Beziehung mit H. berichtet. „Die Situation war angespannt. Wenn David H. nicht da war, war das besser für die Kinder”, sagte K. Die Kinder hätten sich verändert, seien schüchtern, zurückgezogen gewesen. Noah-Joel (3) und Leonie (6) sei es zunehmend schlechter gegangen. Der Junge soll auch blaue Flecke im Gesicht gehabt haben. Die sollen aber vom Spielen im Kindergarten entstanden sein.

Janine Z. solle doch endlich die Augen aufmachen, die Beziehung beenden, sagte ihr hingegen K. „Entweder es kam nicht bei ihr an, oder sie wollte es nicht hören”, sagte K. Selbst als Z. ihr erzählt habe, dass Noah-Joel einen komplett grün-blauen Po gehabt habt, weil er von H. geschlagen worden sei, habe sie nicht darauf gehört, doch die Beziehung zu David H. zu beenden.

Schon andere Zeugen berichteten davon, dass der Angeklagte aufbrausend sei, die Kinder angeschrien und brutal behandelt habe. Janine Z. habe zwar mit ihr über sehr viele Dinge gesprochen, berichtete die 20-jährige Michelle K. Doch sie bezweifelt nach dem Erlebten, dass Leonies Mutter ihr von sich aus von Misshandlungen berichtet hätte. Schließlich sei der Kontakt auch abgebrochen kurz bevor Janine Z. Mitte 2018 mit David H. nach Torgelow wegzog.

+++ Alle Nordkurier-Artikel zum Mordfall Leonie finden Sie hier. +++

Freundin belastet auch die Mutter von Leonie

Michelle K. belastete Janine Z. , gegen die in einem anderen Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird. Sie habe Drogen genommen, wenn sie Besuch hatte, sagte K.

Sofia S. hingegen ist eine Freundin, der Janine Z. alles erzählt hätte. Sie kennen sich seit 17 Jahren, seit der Schule, und seien bis heute befreundet. Doch von blauen Flecken, Misshandlungen, Verletzungen an Leonie und Noah-Joel habe sie nicht etwas bemerkt. Vor allem Leonie sei sehr aufgeweckt und offen ihr gegenüber gewesen, sagte Sofia S. Janine Z. beschrieb sie als liebevolle Mutter, auch David H. sei nicht laut oder ausfallend gewesen sein. Er soll allerdings schon eher bestimmend in der Beziehung gewesen sein, sagte S. Sie zog jedoch auch vor fünf Jahren nach Rostock und war eher selten noch in Wolgast. Der Kontakt bestand eher nur noch über Kurznachrichten oder Telefonaten.

Im November 2018 habe Z. ihr von einem Streit mit David H. berichtet, sie hätte eine Beziehungspause gewollt. Wenige Tage vor Leonies Tod am 12. Januar dieses Jahres erkundete sich Z. bei ihrer Freundin nach Quadratmeter-Preisen für Wohnungen in Rostock. Das war am 8. Januar, als es zwischen H. und Z. erneut zu einem heftigen Streit gekommen sein soll.

Der Umzug nach Torgelow habe viel verändert

Der Umzug nach Torgelow schien sehr viel verändert zu haben, sagte Vivien B., ebenfalls eine Freundin von Janine Z. Zuvor, als sie noch in Wolgast gelebt hatte, sei sie eine liebevolle Mutter gewesen, ihre Kinder hätten auch gemeinsam gespielt, erzählte B. Doch auf einmal sei Z. umgezogen, ohne vorher davon erzählt zu haben. Ab dann bestand auch bei dieser Freundschaft nur noch Kontakt per Kurznachrichten.

Im Dezember vergangenen Jahres wollte B. Janine Z. überraschen. Kurz vor Weihnachten fuhr die 26-Jährige nach Torgelow. Mit dabei ein Paket mit Geschenken für die Kinder ihrer Freundin, erzählte B. „Es war, als würden wir uns immer noch jeden Tag sehen”, sagte B. über das Treffen mit Janine Z. Sie hätten in der Küche gestanden, die Kinder hätten in der Wohnung gespielt. Sie hätten sich lange unterhalten. „Aber sie hat nie etwas davon gesagt, dass sie aus der Beziehung raus will.” Auch habe sie nichts von Misshandlungen der Kinder durch den Angeklagten berichtet. „Sie schien sehr glücklich, zumindest in den zwei Stunden, in denen ich da war”, sagte B. Doch schwierig und angespannt sei die Beziehung zu David H. schon gewesen.

Nur kurze Zeit später – es war der 8. Januar -, schrieben sich B. und Janine Z. wieder. Da hatte sich wohl etwas verändert. Z. teilte ihrer Freundin mit, dass die Beziehung mit David H. „den Berg runter geht”. B. wollte sie anrufen, doch David H. ging ran und wimmelte sie ab, berichtete B. Erst am 14. Januar, zwei Tage nach Leonies Tod, gab es wieder Kontakt per Kurznachrichten. Doch da habe David H. mit dem Telefon ihrer Freundin geantwortet. Aber von Leonies Tod erfuhr B. dennoch erst aus Medienberichten.

 

 

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