MORDPROZESS

Leonies Mutter zum dritten Mal im Zeugenstand

Schafft sie Klarheit oder verstrickt sie sich in Widersprüche? Bereits zum dritten Mal muss Janine Z., die Mutter der getöteten Leonie, im Mordprozess in den Zeugenstand.
Andreas Becker Andreas Becker
In Neubrandenburg wird der Mordprozesses um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow verhandelt (Archivbild).
In Neubrandenburg wird der Mordprozesses um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow verhandelt (Archivbild). Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Es sind zähe und langwierige Vernehmungen, heißt es von Prozessbeteiligten. Bereits zwei Mal ist Janine Z. vor dem Landgericht Neubrandenburg vom Vorsitzenden Richter Jochen Unterlöhner vernommen worden – jeweils unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die 25-jährige Mutter der am 12. Januar getöteten Leonie gilt als psychisch angeschlagen, die junge Mutter soll durch die nicht öffentlichen Vernehmungen in diesem emotional aufgeladenen Prozess geschützt werden. Allerdings blieben die bisherigen Vernehmungen vor Gericht offenbar ohne belast- und greifbares Ergebnis.

+++Alle Artikel zum Todesfall Leonie finden Sie hier+++

In Widersprüche verstrickt

Nach Informationen des Nordkurier soll sich die Mutter im Laufe der Vernehmungen – inklusive der bereits im Vorfeld des Prozesses stattgefundenen polizeilichen Zeugenverhöre – in Widersprüche verstrickt haben. So ist trotz der mittlerweile 14 Verhandlungstage immer noch unklar, wie das sechsjährige Mädchen zu Tode gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wirft dem Stiefvater Leonies, David H., Mord durch Unterlassen sowie Misshandlungen von Schutzbefohlenen in sieben Fällen vor.

Der Angeklagte schweigt zwar bisher vor Gericht, hatte die Vorwürfe aber in polizeilichen Vernehmungen stets bestritten. Laut seiner Aussage sei Leonie an ihrem Todestag eine Treppe im Hausflur der gemeinsamen Wohnung in Torgelow heruntergestürzt und später an den Folgen verstorben.

Mehr lesen: David H. versteckte sich tagelang bei Schwester.

Während David H. unter Mordanklage steht, ermittelt die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg gegen die Mutter Janine Z. wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Anklage wurde gegen sie aber noch nicht erhoben.

Anwälte werfen Polizei „einseitige Ermittlungen“ vor

Erschwerend kommt in dem Prozess hinzu, dass die Anwälte des Angeklagten, Bernd Raitor und Jörg Fenger, der Polizei „einseitige Ermittlungen“ vorwerfen. Die Beamten hätten die Aufgabe, sowohl be- als auch entlastendes Material zu sammeln. Letzteres sei definitiv versäumt worden, sagten die Anwälte gegeüber dem Nordkurier.

Dass beispielsweise eine Einkaufskiste, die in der Wohnung der Patchwork-Familie mit David H. und Leonies leiblicher Mutter Janine Z. gefunden worden war, nicht ausreichend von der Polizei geprüft worden sei, könne man nur als „Versagen der Polizei“ bewerten, kritisieren die Verteidiger.

Mehr lesen: Starb Leonie durch einen Sturz? Gutachter sagt aus.

Eine detaillierte Überprüfung der Einkaufskiste inklusive Kassenzettel hätte laut Raitor und Fenger unter anderem klären können, ob Janine Z. wirklich am Todestag Leonies einkaufen gewesen sei und somit mögliche Misshandlungen, Verletzungen oder gar einen Treppensturz wirklich nicht habe mitbekommen können.

Insofern kommen der Aussagen der Mutter am Freitag große Bedeutung bei der Urteilsfindung zu. Da das Gericht davon ausgeht, dass der Zeugentermin am Freitag erneut nicht ausreicht, ist für den kommenden Mittwoch, 4. Dezember, ein zusätzlicher festgelegt worden.

Erst wenn die Vernehmung von Janine Z. abgeschlossen sei, werde David H. sein bisheriges Schweigen vor Gericht brechen und seine Sicht der Geschehnisse schildern, haben die Anwälte des Angeklagten angekündigt. Nach dem bisherigen Zeitplan soll David H. am 9. Dezember in öffentlicher Sitzung aussagen.

 

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Das DDR Witzbuch

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage