MORDPROZESS IN NEUBRANDENBURG

Leonies Stiefvater versuchte sich umzubringen

Am Freitag sagte im Mordprozess Leonie auch ein psychiatrischer Gutachter aus. Ihm zufolge soll der angeklagte David H. versucht haben, sich in seiner Zelle zu töten.
Der angeklagte Stiefvater im Gerichtssaal von Neubrandenburg (Archivbild).
Der angeklagte Stiefvater im Gerichtssaal von Neubrandenburg (Archivbild). Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Der mordverdächtige David H. soll versucht haben, sich in seiner Zelle in Untersuchungshaft zu erhängen. Die Anklage wegen Mordes durch Unterlassen an der kleinen Leonie (6) aus Torgelow und die Anfeindungen durch Mithäftlinge hätten ihn zu einem Selbstmordversuch bewogen, schilderte ein psychologischer Gutachter am Freitag vor dem Landgericht in Neubrandenburg.

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JVA-Mitarbeiter fanden David H.

Demnach erfolgte der Selbstmordversuch am 15. Februar in der Haftanstalt Bützow. JVA-Mitarbeiter hätten David H. auf dem Boden liegend mit Spuren einer Strangulation am Hals in seiner Zelle entdeckt. Leonies Stiefvater kam in psychiatrische Behandlung und erhielt Antidepressiva.

Am 9. Januar hat das Landgericht Neubrandenburg ein Urteil in dem Mordprozess um die kleine Leonie gefällt. Sie starb am 12. Januar 2019 in der Wohnung ihrer Mutter und ihres Stiefvaters in Torgelow. 

Vor der Anklage wegen Mordes und der psychiatrischen Behandlung in der Untersuchungshaft sei David H. psychisch aber nicht auffällig gewesen, so der Gutachter. Ebenfalls seien auch keine Entzugserscheinungen in Haft festgestellt worden. Im Mordprozess war unter anderem von Zeugen von Drogenkonsum in der Vergangenheit berichtet worden.

Leonie hatte zu ihrem Todeszeitpunkt zahlreiche großflächige Verletzungen, die ihr durch stumpfe Gewalt zugefügt worden sein müssen – und das über einen langen Zeitraum. Als am Freitag beim Prozess in Neubrandenburg die Verletzungen gezeigt wurden, an denen Leonie starb, ist ihr leiblicher Vater zusammengebrochen und musste von mehreren Helfern aus dem Saal gebracht werden.

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