Knast geschlossen
Letzte Insassen aus Gefängnis verlegt

Die Pforte der Justitzvollzugsanstalt (JVA) Neubrandenburg.
Die Pforte der Justitzvollzugsanstalt (JVA) Neubrandenburg.
Mirko Hertrich

Im Kittchen sind jetzt ganz viele Zimmer frei. Die letzten Gefangenen haben die Justizvollzugsanstalt Neubrandenburg verlassen. Ende 2018 wird der Komplex dann „besenrein übergeben”. Für die weitere Nutzung gibt's Ideen.

Nach dem letzten Aufschluss in der Justizvollzugsanstalt (JVA) liegt über dem Komplex am Rande Neubrandenburgs am Dienstag noch mehr Ruhe als sonst. Dabei ist es durchaus ein zeithistorischer Moment. Aus der JVA sind die letzten vier von ehemals 128 Insassen in andere Anstalten des Landes verlegt worden, wie das Justizministerium in Schwerin mitteilte.

Der Grund dafür, dass der Knast bald schließt: Er wird schlicht nicht mehr gebraucht. Seit Jahren ist die Zahl der Insassen in Mecklenburg-Vorpommern rückläufig, auch eine Folge der Demografie. Im Land gibt es laut Justizministerium aktuell rund 900 Gefangene. Für die sind die derzeit rund 1500  Haftplätze schlicht zu viel. Das Neubrandenbrug Gefängnis hatte zuletzt zudem mit Drogen-Geschichten und einem mysteriösen Todesfall für Schlagzeilen gesorgt.

Kauf für die Stadt kein Thema

Zudem ist der aus DDR-Zeiten stammende Komplex auf dem Neubrandenburger Lindenberg deutlich in die Jahre gekommen. Der Entschluss für das Aus der JVA Neubrandenburg fiel im November 2017. Seit Sommer nahm die Anstalt keine Häftlinge mehr auf. Die noch verbliebenen Insassen wurde auf die restlichen vier Haftanstalten in Waldeck, Bützow, Stralsund und Neustrelitz verlegt. 

Unklar ist noch, was künftig mit dem landeseigenen Objekt geschieht. Die chronisch klamme Stadt Neubrandenburg wünscht sich angesichts der Knappheit an Baugrundstücken eine Wohnbebauung. Allerdings kann und will Neubrandenburg den Kauf des über 40  000  Quadratmeter großen Geländes finanziell nicht stemmen.

AfD will Erhalt als Abschiebegefängnis

Möglich, aber tendenziell eher unwahrscheinlich ist, dass andere Landesdienststellen Anspruch auf den Knastkomplex erheben. Das würde sich allerdings der Landesverband der AfD wünschen. Dessen Vorsitzender Nikolaus Kramer forderte am Dienstag die Nutzung des Areals als Abschiebegefängnis. Eine solche Einrichtung gibt es bislang in MV noch nicht.