Reinhard Marschner hat 27 Jahre lang als Gewalt-Berater in Neubrandenburg gearbeitet und hält es für nötig, das
Reinhard Marschner hat 27 Jahre lang als Gewalt-Berater in Neubrandenburg gearbeitet und hält es für nötig, dass es künftig wieder eine Finanzierung für ein solches Angebot in der Stadt gibt. Pablo Himmelspach
Frauenhaus

Männer, die prügeln, benötigen Hilfe

Häusliche Gewalt geht zum Großteil von Männern aus. Damit diese ihr erlerntes Verhalten ändern können, brauchen sie Hilfe. In Neubrandenburg bekommen sie die nicht.
Neubrandenburg

Männer sind gewalttätig. Sie prügeln sich, unterdrücken einander und schlagen ihre Frauen. Reinhard Marschner weiß das nur zu gut. 27 Jahre lang hat er als Gewaltberater in Neubrandenburg gearbeitet und etwa 13.000 Beratungsgespräche geführt. „Ein Gewalt-Verursacher braucht Hilfe von außen, um sein Verhalten abzulegen. Alleine kann er das nicht“, sagt Marschner.

Lesen Sie auch: Kinder in MV werden täglich Opfer von Gewaltverbrechen

Vor 30 Jahren hat seine Frau das Neubrandenburger Frauenhaus gegründet, als Erstes in den neuen Bundesländern. Wie in den meisten anderen Einrichtungen dieser Art, wurde sich dort anfangs nur um weibliche Gewaltopfer gekümmert. Doch im Frauenhaus sei bald die Frage aufgekommen, was mit den Männern anzufangen sei – auch, um die Frauen langfristig schützen zu können. „Ich kann häusliche Gewalt nur dann verhindern, wenn ich mit den Verursachern arbeite“, sagt Marschner.

Häusliche Gewalt nur mit Täter-Beratung zu bekämpfen

Aus diesem Grund habe er sich vor knapp 30 Jahren entschlossen, eine Ausbildung zum Gewalt-Berater zu machen. Vier Jahre lernte er in Hamburg, gewalttätige Männer dazu zu bringen, ihr Verhalten zu ändern. „Wir sind der Ansicht, dass jedes Frauenhaus eine Täter-Beratung anbieten muss. Nur so können wir häusliche Gewalt auf Dauer bekämpfen“, meint Marschner.

Lesen Sie auch: Martyrium in der Ehe – eine Frau packt aus

Doch so wichtig dieses Angebot ihm zufolge auch sei – in Neubrandenburg gibt es seit drei Jahren keine Täter-Beratung mehr. Hilfesuchende Männer aus Neubrandenburg müssen heute nach Greifswald, Stralsund oder Güstrow fahren. Auf diese Standorte habe das Land Mecklenburg-Vorpommern die Gelder aufgeteilt, die Stelle in Neubrandenburg wurde gestrichen. Zudem ist Reinhard Marschner mittlerweile Rentner – und für einen Nachfolger habe der Verein selbst kein Geld.

Neben Mitteln von Land und Landkreis bekommt der Verein Quo Vadis als Betreiber des Frauenhauses seit 2014 eine Zuwendung von der Stadt. „Es wurde jeweils die beantragte Fördersumme bewilligt“, teilt ein Rathaus-Sprecher mit.

Verein und Stadt sehen das Land in der Pflicht

Konkret für die Gewalt-Beratung sei seit 2020 jedoch kein Antrag zur Finanzierung einer Stelle eingegangen. „Sollte sich der Verein wieder dazu entscheiden, dieses Angebot aufzunehmen, würde sich die Stadt Neubrandenburg im Rahmen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit wieder an der Förderung beteiligen“, heißt es aus dem Rathaus weiter.

Marschner zufolge scheitere die Finanzierung der Stelle jedoch an fehlenden Mitteln vom Landkreis. Dieser habe 2019 mitgeteilt, dass für eine Finanzierung 15 Prozent an Eigenmitteln aufgebracht werden müssten – Geld, das der Verein nicht hat. „Für uns ist das nicht möglich und deshalb stellen wir auch keinen Antrag an die Stadt“, erklärt Reinhard Marschner. Jedoch wisse er auch, dass der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte nicht genügend Mittel hat, um die Stelle zu finanzieren.

Er wünsche sich sehr, dass Gelder für eine neue Beratungsstelle wieder vom Land bereitgestellt werden – auch um seiner Kolleginnen Willen. „Die haben permanent damit zu kämpfen, dass sich niemand um die Täter kümmert. Sie selbst können ja nur die Folgen der Gewalt lindern“, sagt Marschner. Auch die Stadt Neubrandenburg sieht vor allem das Land Mecklenburg-Vorpommern in der Verantwortung. „Das Land muss die grundlegende Finanzierung leisten. Diese wird allerdings seit Jahren nicht an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst“, sagte ein Sprecher.

zur Homepage

Kommentare (1)

Stichwort erlernte Gewalt!
Wissen die da Oben eigentlich, was nach ihren Corona-Maßnahmen in unseren Schulen und Horten los ist?