Bei Majorel in Neubrandenburg gehen zum Jahresende die letzten Lichter aus.
Bei Majorel in Neubrandenburg gehen zum Jahresende die letzten Lichter aus. Tim Prahle
Call-Center

Majorel-Standort Neubrandenburg endgültig geschlossen

Der Letzte macht das Licht aus. Die Geschichte des Callcenters Majorel in Neubrandenburg ist endgültig zu Ende.
Neubrandenburg

Die Räume in dem großen Bürogebäude auf dem Datzeberg sind bereits wie leer gefegt. Nur noch ein paar „letzte administrative Prozesse würden stattfinden“, teilt das Unternehmen Majorel mit. Die Produktion sei bereits zum 23. Dezember eingestellt worden.

Mit dem Jahreswechsel endet die Zeit des Majorel-Standortes in Neubrandenburg endgültig. Einst beschäftigte der Callcenter-Betreiber mit Sitz in Luxemburg hier 800 Mitarbeiter. Als Ende 2020 die Schließung bekannt gegeben wurde, war es bereits nur noch die Hälfte. Doch selbst damit gehörte das Unternehmen noch zu den mitarbeiterstärksten Betrieben der Kreisstadt. Jeder fünfte Beschäftigte galt als schwerbehindert.

Rote Zahlen als Grund angegeben

Entsprechend sorgte die Ankündigung der Schließung landesweit für Wirbel. Nicht etwa die Corona-Pandemie, sondern die roten Zahlen einzelner Standorte wurden vom Unternehmen als Grund für die Schließung angegeben. Denn neben Neubrandenburg waren in Mecklenburg-Vorpommern auch die Standorte in Stralsund und Schwerin betroffen, insgesamt standen 1000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Und das, obwohl das Land zwischen 1997 und 2007 mehr als sechs Millionen Euro an Investitionsförderung auszahlte, wie eine Anfrage der Linken an die Landesregierung ergab. Die Gewerkschaft Verdi verurteilte den Kahlschlag im Osten Deutschlands.

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Schon in den Jahren zuvor waren vornehmlich in den sogenannten neuen Bundesländern Standorte geschlossen worden. Der Bertelsmann-Konzern hatte die ehemaligen Telekom-Standorte einst über seine Tochter Arvato gekauft, 50 Prozent an Majorel hält zudem die marokkanische Saham-Group. Majorel selbst gab jedoch an, dass die Schließungsstandorte nicht nach regionalen Schwerpunkten ausgewählt wurden. Die Befürchtung von Parteien, Mitarbeitern und Gewerkschaften, der Callcenter-Betreiber wolle sich mehr in den „billigeren“ osteuropäischen Raum zurückziehen, bekam jüngst erst neues Futter. Am 8. Dezember 2021, mehr als ein Jahr nach der Schließungsankündigung für Neubrandenburg, teilte Majorel mit, im kroatischen Zagreb einen neuen Standort zu eröffnen und mehrere hundert Arbeitsplätze zu schaffen.

Für etliche Beschäftigte gab es neue Chancen

Die Beschäftigten im Nordosten sahen 2021 hingegen der Arbeitslosigkeit entgegen. Wirtschaftsförderer und Ministerium in Schwerin rotierten, Majorel selbst versprach sozialverträgliche Lösungen – mit Erfolg, auch weil die Callcenter-Branche nach Einschätzung der Arbeitsagentur weiter Zukunft in der Region hat. Der Standort in Stralsund wurde komplett vom Mitbewerber Regiocom übernommen, in Neubrandenburg und Schwerin meldeten andere Unternehmen ebenfalls Bedarf an Mitarbeitern an.

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Selbst der Neubrandenburger Betriebsrat zeigte sich kurz vor dem Ende des Standortes zufrieden mit den gezahlten Abfindungen und dem Bemühen Majorels, die Beschäftigten in neue Jobs zu vermitteln. Als Anfang Dezember 2021 mit dem Unternehmen Capita das nächste Callcenter seine Ansiedlung in Neubrandenburg verkündete und neue Mitarbeiter suchte, wardie Zahl der Beschäftigten bei Majorel schon auf unter 200 geschrumpft.

Eine Antwort steht noch aus

So scheint die Schließung mehr als ein Jahr nach der Ankündigung für die meisten tatsächlich glimpflich ausgegangen zu sein. Wenngleich in Wirtschaftskreisen bezweifelt wird, dass es alle in gleichwertige Arbeitsverhältnisse geschafft haben. Wie viele Mitarbeiter bis Ende Dezember noch nicht in neue Arbeit gebracht werden konnten, vermochte das Unternehmen auf Anfrage nicht zu sagen. Die personellen Situation zwischen den Jahren lasse das nicht zu, begründete eine Sprecherin und bat um Verständnis. Die Antwort soll aber im neuen Jahr kommen – wenn Majorel Neubrandenburg bereits endgültig verlassen hat.

 

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