HIMMELSPHÄNOMEN

▶ Merkwürdiges Leuchten an Neubrandenburgs Nachthimmel

Ein Nordkurier-Leser beobachtete nachts ein merkwürdiges Flimmern, das beim Betrachten mit der Kamera den Eindruck erweckte, immer größer zu werden. Was war das?
Hans-Ulrich Voß bemerkte das unheimliche Flackern am Neubrandenburger Nachthimmel und filmte das Spektakel (kleines Foto
Hans-Ulrich Voß bemerkte das unheimliche Flackern am Neubrandenburger Nachthimmel und filmte das Spektakel (kleines Foto). Andreas Müller vermutet, dass es der Stern Sirius war, der das merkwürdige Leuchten verursacht. Dies schloss er aus der Sternposition und der Zeit der Beobachtung. Stellarium-web.org/ZVG
Neubrandenburg ·

So etwas hat Rentner Hans-Ulrich Voß noch nie gesehen: Ein flimmernder Stern am Nachthimmel, der bei näherer Betrachtung durch eine Kamera sogar noch seine Größe scheinbar ändert. Der helle Stern fiel dem 81-Jährigen des Nachts auf, als der den Himmel von der Neubrandenburger Südstadt aus beobachtete. „Auf den ersten Blick, wenn man nur ungenau hinschaut, denkt man, dass es die Venus ist. Neugierig wurde ich dadurch, weil diese Erscheinung stark flimmert. Erst mit meiner Kamera stellte ich fest, dass die Größe sich laufend veränderte“, wundert sich Hans-Ulrich Voß.

[Video]

Der Sirius war‘s und nicht die Venus

Und tatsächlich sieht es auf dem Video, das der Rentner mit 72-facher Vergrößerung aufnahm, als würde der Stern ständig seine Größe ändern, während seine äußeren Umrisse stark flackern und Leuchten. Eine sehr seltsame Erscheinung, die fast schon unheimlich wirkt. „Etwas Schlimmes wird es ja hoffentlich nicht sein, denn technisch unmöglich ist ja heute kaum noch etwas, wenn ich nur daran denke, dass vor ein paar Tagen ein tonnenschweres Fahrzeug auf dem Mars gelandet ist“, fragt sich der Neubrandenburger, ob seine Beobachtung vielleicht gar keine natürliche Ursache hat.

Das jedoch glaubt Andreas Müller. Er ist Herausgeber der Internetplattform grenzwissenschaft-aktuell.de und beschäftigt sich mit allerlei Himmelsphänomenen. Die Beschreibung und das Video des Lesers als Grundlage nehmend, vermutet Müller, dass der Rentner tatsächlich einen sehr hellen Stern beobachtet hat. Allerdings soll es sich dabei nicht um die Venus, sondern um den Stern Sirius handeln. „Es könnten aber natürlich auch andere Sterne in Frage kommen, dennoch tippe ich ganz stark auf Sirius“, so Müller.

Autofokus ist schuld an besonderem Effekt

Das vermutet er, weil der Stern wegen seiner Helligkeit auch für den zufälligen Himmelsbetrachter ein sehr auffälliger Stern ist. Sein grelles bläulich-weißes Licht neigt schon bei geringer Luftunruhe zu starkem und oft farbenfrohem Flackern, schreibt das Journal der britischen Astrologen-Gesellschaft in einem 1984 erstmals veröffentlichten Artikel.

Das beschriebene starke Flimmern widerspricht einem Stern also überhaupt nicht. Es ist in diesem speziellen Fall charakteristisch für die Störungen der Erdatmosphäre und kann von jedem Betrachter am Nachthimmel beobachtet werden. Doch wieso scheint es in dem Video so, als ob der Stern seine Größe ständig verändert? Dafür hat Andreas Müller ebenfalls eine einfache Erklärung: „Die im Video doch deutlich sichtbar vermeintliche Größenveränderung ist meiner Meinung nach jedoch nicht echt, sondern ein Effekt des Autofokus-Versuchs der Kamera, sich auf den dann doch recht kleinen, aber herangezoomten Lichtpunkt am großen dunklen Nachthimmel zu fokussieren. Dabei handelt es sich um einen bekannten technisch-optischen Effekt. Für den Laien-Betrachter sieht das dann im fertigen Film aber schnell exotisch aus.“ Wenn man dieses Phänomen also mit einem Fernglas beobachten würde, könnte man keine Größenveränderung wahrnehmen.

Eine Erklärung, mit der auch Hans-Ulrich Voß einverstanden ist. Er konnte den Stern nämlich ein paar Tage später erneut beobachten. Dieses Mal jedoch ohne Kamera und Auto-Fokus. „Bei völlig klarer Sicht konnte ich das Flimmern wieder ausmachen und es gab keine laufende Größenveränderung, wie ich mit dem Fernglas feststellte“, berichtet der Rentner. Er wird auf jeden Fall die Augen offen behalten, ob sich Sirius bei der nächsten klaren Nacht wieder am Neubrandenburger Nachthimmel zeigt.

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