20 Prozent mehr müssen Mieter bei den Heizkosten vorauszahlen. Einige aber wesentlich mehr – 150 Prozent.
20 Prozent mehr müssen Mieter bei den Heizkosten vorauszahlen. Einige aber wesentlich mehr – 150 Prozent. Jens Büttner
Preisschock

Mieter entsetzt über kräftig steigende Heizkosten

Die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft hat eine Kostensteigerung um 20 Prozent bei der Heizkostenvorauszahlung angekündigt. Doch manche Mieter müssen 150 Prozent mehr zahlen.
Neubrandenburg

„So viel kann man ja gar nicht verbrauchen“, „Das ist Wahnsinn“ oder gar von „Wucher“ ist bei zahlreichen Mietern der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) die Rede. Sie beziehen sich auf die Pressemitteilung des größten Wohnungsvermieters Neubrandenburgs, in der eine 20-prozentige Erhöhung der Heizkostenvorauszahlung ab 2022 angekündigt worden war. Mieter, die sich daraufhin beim Nordkurier gemeldet haben, hatten allerdings Post bekommen, in der ein Preisschock mit einer Steigerung um 150 Prozent mitgeteilt wurde – pro Monat.

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150 Prozent mehr für Haushalte mit Gas

Die Mieter-Beschwerden verteilten sich dabei übers gesamte Stadtgebiet. Allen gemeinsam war dabei die Fassungslosigkeit ob der angekündigten Höhe. Bei vielen spielte die Angst eine Rolle, dies finanziell nicht stemmen zu können. „Bisher haben wir 71 Euro bezahlt, jetzt sollen es 177 Euro sein“, klagte eine Mieterin. Auch einige Anwohner aus der Ahornstraße in der Südstadt hatten zum Hörer gegriffen. Eine Dame sprach von 96 betroffenen Haushalten. Sie selbst soll statt 55 Euro plötzlich 137 Euro zahlen. „Das macht fast 1000 Euro mehr im Jahr“, rechnete sie vor. Ein Mann, selbst Heizungsmeister, meinte, dass das eigene Heizverhalten in keinem Verhältnis zu den Berechnungen stehe, die die Neuwoges plötzlich anstelle. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, äußerte eine Neubrandenburgerin ihre Verzweiflung.

Die Neuwoges bemüht sich auf Nordkurier-Nachfrage um Aufklärung: „Unsere Mitteilung bezieht sich ausschließlich auf die Folgen der Preiserhöhungen für den Fernwärmebezug“, räumt sie ein. Denn die Versorgung der Objekte mit Fernwärme betreffe den überwiegenden Teil der Mieter – mehr als 96 Prozent. Insgesamt 366 Haushalte hätten hingegen ein Schreiben erhalten, in dem die Erhöhung der Vorauszahlungen für Heizung und Warmwasser um 150 Prozent angekündigt werde, so ein Neuwoges-Sprecher. Die betreffenden Haushalte würden ausschließlich mit dem Energieträger Gas versorgt und bezögen demzufolge keine Fernwärme.

Hohe Kosten durch Lieferanteninsolvenz

Doch woher kommt die Kostenexplosion um 150 Prozent? „Sie resultiert neben der allgemeinen Preiserhöhung am Gasmarkt aus einem Insolvenzfall eines unserer Vertragspartner für Gaslieferungen“, lautet die Neuwoges-Erklärung. Eine Lieferanteninsolvenz sei bislang im Bestand der Neuwoges nicht aufgetreten und „als unglücklicher Einzelfall zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt zu betrachten“. Die Versorgung habe „kurzfristig in einer Situation hoher Bezugspreise alternativ“ abgesichert werden müssen – „bedauerlicherweise mit deutlichen Kostensteigerungen verbunden“. Der vorherige vergleichsweise geringe Gaslieferpreis sei durch eine öffentliche Ausschreibung vertraglich vereinbart worden. „Für 2023 wird eine solche auch wieder erfolgen, was dann hoffentlich zu einer Entspannung des derzeitigen Kostengefüges führt“, so der Sprecher.

Die Mieter der Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba) müssen sich derweil auf steigende Nebenkosten einstellen. „Uns trifft das genau so wie die Neuwoges“, sagte Vorstandssprecher René Gansewig dem Nordkurier. Es gebe noch keinen „abschließenden Fahrplan“ wie und in welcher Höhe die Heizkostenvorauszahlungen angehoben würden. Die Neuwoba werde aber noch vor Weihnachten gemeinschaftlich eine Entscheidung treffen und diese den Mitgliedern kommunizieren.

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