STREIT UM BETRIEBSKOSTEN

Mieter erneut in Angst vor Wasser-Abschaltung

Nicht der lachende, sondern der leidtragende Dritte sind Mieter einer betreuten Wohnanlage im Konflikt zwischen Vermieterin und Stadtwerken. Der Streit um offene Forderungen mündete erneut in eine drohende Versorgungssperre.
Neubrandenburg ·

Was die Mieter einer betreuten Wohnanlage in der Neubrandenburger Innenstadt schon mit unschöner Regelmäßigkeit in Sorge versetzte, bereitete ihnen am Dienstagmorgen erneut eine angstvolle Zeit: Wieder drohte eine Sperrung der Wasser- und Wärmeversorgung, bedingt durch Konflikte über unbeglichene Forderungen zwischen der Vermieterin, der Gesellschaft „Betreutes Leben und Wohnen“ (BLW), und den Stadtwerken.

Durch eine Erklärung zur „Schuldenübernahme“ könnten sie die Sperre abwenden, entnahmen die Mieter dem Schreiben der Stadtwerke – und waren fassungslos: Schließlich haben sie die Vorauszahlung der Betriebskosten vertragsgemäß geleistet. Und nun sollten sie noch draufzahlen, völlig unschuldig an der Auseinandersetzung zwischen Vermieterin und Versorgungsunternehmen?

Als Mieter der Wohnanlage im Mehrgenerationenhaus in der Poststraße von der heiklen Situation erzählten, traute Britta Gottschling, Leiterin des dortigen Seniorenbüros, ihren Ohren kaum: „Dieser Konflikt darf doch nicht auf dem Rücken älterer und behinderter Menschen ausgetragen werden, die für die Situation in keiner Weise verantwortlich sind“, fordert die Stadtvertreterin und langjährige Verbraucherschützerin.

Sperre zunächst abgewendet

Schon mehrere Male hatte sich der Streit um Forderungen der Stadtwerke, die von der BLW nicht in voller Höhe akzeptiert werden, zugespitzt und teilweise sogar bis zu gerichtlichen Auseinandersetzungen geführt. Umso unverständlicher für die Bewohner, dass die Folgen an ihnen „hängen“ bleiben. „Sollte der Verbrauch höher sein als durch die Vorauszahlung abgedeckt, wird doch üblicherweise die Vorauszahlung erhöht“, machen Angehörige einer Mieterin geltend. Offenbar liege das Problem woanders.

Die Leidtragenden jedoch sind auch im jüngsten Fall die Mieter der 34 Wohnungen, denen vor wenigen Tagen die Abschaltung von Wasser und Wärme für den Dienstagmorgen angekündigt wurde. Am späten Montagnachmittag immerhin hatten die Stadtwerke angesichts eines „Teilzahlungseingangs“ und in Anbetracht des Wetters zugesichert, die Trinkwasserversorgung aufrechtzuerhalten. Die Fernwärme- und somit Warmwasserversorgung jedoch werde unterbrochen. Erst am Dienstagvormittag, in allerletzter Minute, wurde durch eine Zahlung auch diese Sperre abgewendet.

Ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Bewohner erneut in solch schlimme Situation gebracht werden? „Diese Vorgehensweise trifft die Falschen“, mahnen die Betroffenen. Dringend müssten die Konfliktparteien andere Lösungen finden.

Unternehmen: Wasser- und Wärmesperre ist die letzte Konsequenz

Der schon bei früheren Vorfällen geäußerte Mieter-Vorschlag, direkt Vertragspartner der Stadtwerke zu werden, wird von dem Unternehmen indessen nach wie vor als nicht praktikabel erachtet. Bei den betroffenen Adressen handle es sich um Kundenanlagen, bei denen die grundsätzliche Zuständigkeit der Stadtwerke am Hausanschluss ende: „Vertragspartner ist und bleibt daher BLW.“

Dabei sei das Unternehmen „stets um einen konstruktiven Austausch bemüht“, als wirtschaftlich orientierter Betrieb aber auch auf pünktliche Zahlungen angewiesen. Blieben sie aus oder unzureichend, würden dem vertraglich festgelegten Prozedere zufolge zunächst Mahnschreiben versendet und Fristen gesetzt, um auf offene Forderungen aufmerksam zu machen. Eine Sperrung sei nur die letzte Konsequenz „unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit“.

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