Die Max-Adrion-Straße 45 ist ein großer Wohnkomplex – mit Eigentumsverhältnissen, die jetzt einigen Mie
Die Max-Adrion-Straße 45 ist ein großer Wohnkomplex – mit Eigentumsverhältnissen, die jetzt einigen Mietern arge Probleme bereiteten. Paulina Jasmer
Komplizierte Verhältnisse

Mieter in Neubrandenburg wochenlang ohne Heizung

Seit Anfang November keine Heizung: Ein Wasserschaden und komplizierte Eigentumsverhältnisse sind Mietern in der Neubrandenburger Adrion-Straße zum Verhängnis geworden.
Neubrandenburg

Norbert Grams sagte am vergangenen Freitag: „Der Nordkurier ist mein letzter Ausweg“. Noch nie sei er in die Öffentlichkeit getreten, wolle keine große Welle machen. Doch ihn habe die Hoffnung getrieben: „Ich möchte so gern zu Weihnachten eine warme Wohnung haben“, formulierte der Mann seinen Wunsch.

Als der Nordkurier vorbeikommt, hatte der 71-Jährige noch einmal ordentlich eingeheizt, mit einem mobilen Heizgerät. „Nicht mehr das jüngste“, wie der Rentner bemerkte. Und vor allem nicht das sparsamste, die Heizkosten seien immens. Und das bei einer Mini-Rente.

Norbert Grams wohnt seit 20 Jahren in der Ein-Raum-Wohnung in der Max-Adrion-Straße 45. Er komme gut zurecht, so der Mann, der sich wohl fühlt. Der Ausblick sei fantastisch, der Balkon ist verglast. Besser könne es (fast) gar nicht sein – wären da nicht seine Sorgen mit der Heizung.

Im Haus bestehen komplexe Vertragsverhältnisse

Anfang November hat es seinen Worten nach einen Wasserschaden über ihm gegeben. Braune Flecken an der Decke, ganz in der Nähe der Heizungsleitungen, belegen dies. Er habe seinen Vermieter Grand City Property (GCP) darüber informiert. Allerdings seien die Eigentums- und Verwalterverhältnisse im Haus kompliziert, wie der Rentner herausgefunden hat. So werde seine Wohnung von GCP verwaltet, die Schadenswohnung – mit einem Privateigentümer, der gleichzeitig auch Nutzer der Wohnung sei – von der Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba).

Das Unternehmen GCP bestätigte indes auf Nordkurier-Anfrage, dass es einer von mehreren Wohnungseigentümern in der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) in der Max-Adrion-Straße 45 sei. Die Neuwoba sei der beauftragte WEG-Verwalter, somit zuständig für die Verwaltung des Gemeinschaftseigentums aller Wohnungen im Wohnhaus und damit von allen Wohnungseigentümern gemeinschaftlich beauftragt worden. „Die Neuwoba ist für die Verwaltung der Allgemeinflächen verantwortlich, darunter fallen alle anfallenden Reparaturen an Heizleitungen und Strängen“, teilte das Unternehmen mit.

René Gansewig, Vorstandssprecher der Neuwoba, räumte ein, dass komplexere Vertragsverhältnisse in dem Haus bestünden. Es sei korrekt, dass die Neuwoba für das gemeinschaftlich genutzte Eigentum verantwortlich zeichnet. Dazu gehörten eben auch die Heizungsrohre durch die Wohnungen, selbst bei unterschiedlichen Wohnungseigentümern beziehungsweise deren Verwaltern.

Eigentümer nicht auffindbar

Der Eigentümer der Schadenswohnung sei, trotz intensiver Recherche, nicht auffindbar. „Er hält sich offenbar in der Ukraine auf“, so der Vorstandssprecher. Es gebe wohl auch keinen Nachsendeauftrag. Im Zuge der Gefahrenabwehr sei seine Wohnung nun geöffnet und der Schaden behoben worden. Die rechtlichen Hürden bei Eigentumswohnungen seien nicht unerheblich, so René Gansewig. Das sei nochmals eine andere Situation als wenn es sich um einen Mieter handeln würde. Es solle nun noch einmal zu Absprachen mit den Eigentümern im Haus kommen, wie in solchen Fällen in Zukunft gehandelt werden könne.

Norbert Grams war am Dienstag überglücklich, als er mit dem Nordkurier sprach: „Um acht Uhr morgens hab‘ ich es oben bohren gehört“, berichtete er. Da sei die Tür aufgemacht worden. Um neun Uhr hatte er wieder eine warme Wohnung – zu Weihnachten.

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