WENN ECHTE NOTFÄLLE WARTEN MÜSSEN

Missbrauch des Notrufs kann verheerend sein

Rettungskräfte, die zu einem Unfall eilen - und nichts vorfinden. Und das alles nur, weil sich jemand einen ganz üblen Scherz erlaubt hat. Dabei ist der Missbrauch des Notrufs beileibe kein Kavaliersdelikt.
Der Notruf sollte nur genutzt werden, wenn ein Notfall vorliegt. Das ist leider nicht immer so. Foto: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Der Notruf sollte nur genutzt werden, wenn ein Notfall vorliegt. Das ist leider nicht immer so. Foto: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Deutsche Schlaganfall-Hilfe
Andreas Zeuner, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Mecklenburgische Seenplatte Foto: P. Jasmer
Andreas Zeuner, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Kreis Mecklenburgische Seenplatte Foto: P. Jasmer
Neubrandenburg.

Stellen Sie sich vor, ein Angehöriger erleidet einen Schlaganfall. Sie wählen geistesgegenwärtig den Notruf unter 112. Sie brauchen Hilfe. Und dann kommen Sie nicht zur Leitstelle durch. Sie hängen tatsächlich in der Warteschleife. Der Grund: Kinder, die eine Pizza bestellen wollen, oder Jugendliche, die die Mitarbeiter der Leitstelle beschimpfen oder Witze erzählen, blockieren die Leitung. Sechs Leitungen gibt es für den Notruf in der Rettungsleitstelle des Landkreises mit Sitz in Neubrandenburg. Maximal vier Disponenten sitzen am Telefon, um Hilfe zu vermitteln.

Mit derart unvernünftigen Leuten haben die Mitarbeiter der Leitstelle täglich zu kämpfen. Die Konsequenzen können verheerend sein: Wirkliche Notfälle müssen ausharren. „Das ärgert uns massiv“, sagt Andreas Zeuner, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes des Landkreises. Die Zahl dieser dubiosen Anrufe sei zum Teil alarmierend. 

So laufen pro Tag durchschnittlich 430 Anrufe in der Leitstelle auf. Nur bei knapp 160 handelt es sich um Anrufer, die tatsächlich Hilfe benötigen. Allein 120 Anrufe am Tag kommen von Menschen, die einfach die 112 wählen, ohne dass sie im Geringsten in Not sind. „Wenn wir die Nummer zum wiederholten Mal sehen und wissen, dass der Anrufer keinen Notfall hat, dann drücken wir weg, manchmal zehnmal hintereinander“, sagt Andreas Zeuner. Fakt sei, dass die Leitstellen-Mitarbeiter wüssten, wer da am anderen Ende ist. Telefonnummern könnten ausgelesen und der Teilnehmer identifiziert werden, selbst von einer Telefonzelle aus. Sollte sie für solche Anrufe missbraucht werden, „dann schicken wir auch die Polizei hin, um zu ermitteln“, so der Ärztliche Leiter.

Besonders schlimm seien diejenigen, die einen Notfall vortäuschen. Sie melden beispielsweise einen Verkehrsunfall. „Dann fahren wir hin und nichts ist da“, so Andreas Zeuner, der auch Notarzt ist. Eine ganze Kette von Rettungskräften – Polizei, Rettungswagen, Feuerwehr – ist dann umsonst vor Ort. Allein diese Einsaktzkosten liegen bei mehr als 2000 Euro. Und noch schlimmer: Irgendwo könnte tatsächlich jemand dringend Hilfe brauchen.

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