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Mit Begleitung von Sterbenden fürs Leben lernen

Arite Arndt engagiert sich ehrenamtlich im Hospiz. Zusammen mit elf anderen Helfern hat sie einen Vorbereitungskurs gemacht und dabei auch viel für das eigene Leben gelernt. [KT_CREDIT] FOTO: I. Nehls

VonIngmar NehlsIn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Hospiz begegnet sie oft dem Tod. Arite Arndt lernt dadurch aber viel über das ...

VonIngmar Nehls

In ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Hospiz begegnet sie oft dem Tod. Arite Arndt lernt dadurch aber viel über das Leben.

Neubrandenburg.„Das könnte ich nicht“, hört Arite Arndt immer wieder, wenn sie erzählt, dass sie sich ehrenamtlich im Hospiz engagiert. Ob sie es kann, wusste sie vor dem Ausbildungskurs auch nicht, gibt die 46-jährige Neubrandenburgerin ehrlich zu.
Ihre Kinder sind jetzt aus dem Haus. Die neu gewonnene Zeit wollte die Stationsmanagerin einer Autovermietung für eine ehrenamtliche Tätigkeit nutzen. „Ich bin durch einen Zeitungsartikel auf den Kurs aufmerksam geworden. Zuvor hatte ich keinerlei Berührungspunkte zum Hospiz“, sagt Arite Arndt. Jetzt, nach einem halbjährigen Vorbereitungskurs, weiß sie, dass sie hier richtig ist. „Man beschäftigt sich mit dem Tod, lernt aber etwas fürs Leben“, erzählt Arite Arndt. Der Leitspruch des Hospiz lautet: „Nicht dem Leben mehr Stunden, sondern den Stunden mehr Leben geben“. Das hat sich auch Arite Arndt zu Herzen genommen. „Die Erlebnisse verändern den Blick auf die Dinge. Man verschiebt Prioritäten“, sagt die Helferin.
Mit ihr haben sich elf Menschen, quer durch die Gesellschaft von der Rechtsanwältin zum Dachdecker, auf die Arbeit im Hospiz vorbereiten lassen. Einige unterstützen das Hospiz ein Jahr lang, andere ihr Leben lang, sagt Regina Prachtl. Aktuell seien es etwa 30 ehrenamtliche Helfer, die zumeist im ambulanten Dienst im Einsatz sind. Auch Arite Arndt hat schon eine Familie zugeteilt bekommen, die sie besucht. Wie oft und was sie dann bespricht oder wie sie hilft, das geben die Kranken selbst vor. „Am Bett sitzen, Hand halten, zuhören, da sein, das hilft oft schon“, sagt Arite Arndt.
Viele Familienangehörige würden sich schwer tun, über Themen zu reden wie Bestattung oder Patientenverfügung. Ein Außenstehender könne dabei helfen. Was Arite Arndt auch gelernt hat, ist, Entscheidungen oder Vorhaben nicht aufzuschieben. „Später kann oft zu spät sein. Darum sollte man Dinge jetzt tun und auch unangenehme Gespräche rechtzeitig führen“, sagt Arite Arndt.

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i.nehls@nordkurier.de