Wenn die Tür verschlossen und nicht nur rangezogen ist, dann muss Udo Krämer auch mit Technik ran: Der Bohrer muss helfen, in die Wohnung zu kommen.
Wenn die Tür verschlossen und nicht nur rangezogen ist, dann muss Udo Krämer auch mit Technik ran: Der Bohrer muss helfen, in die Wohnung zu kommen. Paulina Jasmer
Der ganz große Auftritt der "roten Berta", wie sie Udo Krämer nennt: Mit einem Bolzenschneider muss sich der 45-Jährige oftmals den Weg in die Kellerräume ebnen.
Der ganz große Auftritt der "roten Berta", wie sie Udo Krämer nennt: Mit einem Bolzenschneider muss sich der 45-Jährige oftmals den Weg in die Kellerräume ebnen. Paulina Jasmer
Udo Krämer hat vielerlei Werkzeug dabei. So hat er bisher schon jedes Schloss öffnen können.
Udo Krämer hat vielerlei Werkzeug dabei. So hat er bisher schon jedes Schloss öffnen können. Paulina Jasmer
In der Werkstatt in der Neutorstraße baut Udo Krämer einen Zylinder zusammen, der aus vielen Stiften und Plättchen besteht – eine echte Sisyphus-Arbeit.
In der Werkstatt in der Neutorstraße baut Udo Krämer einen Zylinder zusammen, der aus vielen Stiften und Plättchen besteht – eine echte Sisyphus-Arbeit. Paulina Jasmer
12 bis 13 Uhr

Mit dem Schlüsseldienst unterwegs

Was passiert tagtäglich in Neubrandenburg und Umgebung? In unserer 24-Stunden-Serie zeigen wir jeden Tag eine Stunde im Leben der Region und begleiten Menschen bei der Arbeit.
Neubrandenburg

Klack, die Tür geht auf. Ein paar Fruchtfliegen schwirren umher. Es riecht muffig, eben wie seit Tagen nicht gelüftet. Die Wände sind blau und gelb gemalert. Die Zeichentrickfigur „Bob der Baumeister“ prangt an der Wand. Das Nebenzimmer ist mit rosa Wolkentapeten verschönert.

Udo Krämer hat die Tür zwar geöffnet, aber als Erster reingehen darf er nicht. Dieser Schritt obliegt dem Gerichtsvollzieher, der noch draußen im Treppenflur wartet. So ist das bei Zwangsöffnungen, von denen der Schlüsseldienst Mildebrath in der Woche auch schon mal elf Stück haben kann. Dieses Mal wurde Udo Krämer in die Oststadt gerufen.

<cite class="icon-camera">Paulina Jasmer</cite> Udo Krämer hat vielerlei Werkzeug dabei. So hat er bisher schon jedes Schloss öffnen können.<br />

Er auf alles vorbereitet

Es ist kurz vor 12 Uhr, als er von der Hochstraße in Neubrandenburgs größtes Wohngebiet abbiegt. Der gebürtige Neubrandenburger weiß, wo er hin muss. Er kennt sich aus. Und sein Ziel ist auch nicht zu übersehen: Auf dem Parkplatz warten bereits zwei riesige Umzugs-Lkw. Die besagte Wohnung soll gleich leergeräumt werden. Aber dieser Weg führt zunächst über Udo Krämer, der seinen schwarzen Werkzeugkoffer, den roten Akkubohrer sowie die kleinen blauen Handfeger samt Schippe mitnimmt.

"Ich weiß ja nicht, welche Tür mich erwartet“, erklärt er sein Großaufgebot an Equipment. Er ist auf alles vorbereitet, nicht nur was das Schloss betrifft, sondern auch was den Inhalt der Wohnung angeht. Bis zu drei Leichen pro Jahr findet Udo Krämer in Wohnungen.

Horror-Szenario: Mietnomaden

Doch nach dem Öffnen der Wohnungstür erwartet ihn, seinen Begleiter vom Amtsgericht und den Vertreter des Vermieters kein solches Horror-Szenario. Die Wohnung ist leer. Ausgeräumt. "Die Mieter haben das mitgenommen, was sie noch brauchen konnten und den Rest hier gelassen“, sagt Udo Krämer mit Blick auf einen alten Fernseher, Stehlampen und eine kaputte Kinderbadewanne. Auf dem Fußboden im Wohnzimmer liegt ein Cent-Stück. Viel mehr ist in der Wohnung nicht groß zu finden.

Mietnomaden scheinen am Werk gewesen zu sein. Das ist an diesem Tag schon die zweite Zwangsöffnung in dem Block. Dass die Wohnung nahezu leer ist und nicht in Unrat und alten Möbeln versinkt, freut wiederum die Mitarbeiter des Neubrandenburger Umzugsunternehmens. So müssen sie nicht viel raustragen und wegschaffen. Von den Mietprellern, die mit ihrer Miete in Rückstand geraten waren und trotz mehrerer Mahnungen nicht zahlten, gibt es keine Spur.

"Es gibt immer etwas zu tun"

"Das ist ein ganz normales Bild“, sagt Udo Krämer, der schon seit 19 Jahren für die Firma Mildebrath arbeitet. Er trägt eine runde Brille und kann sich sehr für das Handwerkliche begeistern. Diese Affinität sollte ein Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes durchaus mitbringen.

Doch nicht nur Türen und Tresore öffnet der 45-Jährige, sondern er stellt in der Werkstatt der Firma in der Neutorstraße auch neue Schließzylinder her. An diese Arbeit will er sich jetzt auch machen, denn die Zwangsöffnung samt Einbau eines neuen Schließzylinders dauert nur ganze 30 Minuten, inklusive Kelleröffnung. "Aber zu tun gibt es ja immer etwas“, sagt Udo Krämer und meint die Werkstattaufgaben.

Insbesondere die Sicherheit von Häusern hat sich der Schlüsseldienst Mildebrath auf seine Fahnen geschrieben. Diese Techniken werden immer weiter verfeinert und in die Häuser Neubrandenburgs und des Umlands installiert. Doch sobald ein Kunde anruft, macht Udo Krämer sich auf die Socken. Schnell muss ja heutzutage alles gehen. Insbesondere in den Mittagsstunden sei immer viel zu tun, wie Udo Krämer erklärt. Da kann sich die Mittagspause schon bis halb drei nachmittags verschieben. "Aber das ist dann so“, betont der Neubrandenburger, der eben auch das sportlich sieht.

zur Homepage