4 BIS 5 UHR

Mit dem Zusteller auf Tour

Was passiert tagtäglich in Neubrandenburg und Umgebung? In unserer neuen 24-Stunden-Serie zeigen wir jeden Tag eine Stunde im Leben der Region und begleiten Menschen bei der Arbeit.
Norbert Töpfer (59) kümmert sich sechs Tage die Woche darum, dass Nordkurier-Leser im Wohngebiet Am Oberbach morgens pünktlich ihre Zeitung im Briefkasten haben. Dafür begibt er sich um 4 Uhr in die Spur.
Norbert Töpfer (59) kümmert sich sechs Tage die Woche darum, dass Nordkurier-Leser im Wohngebiet Am Oberbach morgens pünktlich ihre Zeitung im Briefkasten haben. Dafür begibt er sich um 4 Uhr in die Spur. Paulina Jasmer
Dieser Briefkasten hat es dem Zusteller besonders angetan. Seine Runde durchs Viertel ist an dieser Stelle schon fast beendet und da freut ihn dieser allmorgendliche Gruß immer wieder aufs Neue: „Danke, lieber Briefträger!“
Dieser Briefkasten hat es dem Zusteller besonders angetan. Seine Runde durchs Viertel ist an dieser Stelle schon fast beendet und da freut ihn dieser allmorgendliche Gruß immer wieder aufs Neue: „Danke, lieber Briefträger!“ Paulina Jasmer
Neubrandenburg.

Als Norbert Töpfer vor gut zehn Jahren einen Herzinfarkt erlitt, hatte er – kurz nachdem er das Bewusstsein wieder erlangte – nur einen Gedanken: Der Nordkurier muss ausgetragen werden! Doch das hat er nur schwer vom Krankenbett aus erledigen können.

Stunden zuvor war er beim Berlin-Marathon zusammen gebrochen. „Ich hatte zu wenig getrunken und war einen Tag zuvor Plasmaspenden, alles Dinge, die man in Vorbereitung eines Marathonlaufs nicht tun sollte“, sagt er zur Erklärung. Und da machte sein Körper schlapp und versagte seinen Dienst. „Aber die Zeitung musste doch in die Kästen“, betont er.

Morgens kurz vor vier Uhr beginnt sein Tag. Das Wohngebiet Am Oberbach ist sein Revier, seit Jahren trägt er hier die Tageszeitung und den Anzeigenkurier aus. Und so griff der 59-Jährige noch aus der Berliner Klinik heraus zum Telefon, erreichte eine Bekannte und gab ihr sämtliche Namen „seiner“ Abonnenten durch, damit sie ihn vertreten kann. „Ich hatte nur zwei Fehler“, sagt er.

Schmale Briefkästen machen Probleme

Denn nach Namen geht der Neubrandenburger eigentlich nicht bei seiner Tour. Gegen 3.30 Uhr in der Frühe kommt der Kurier aus der Druckerei und beliefert ihn mit den frischen Nordkurier-Exemplaren.

Dann ruckelt Norbert Töpfer mit seinem blauen Wägelchen los. Er hat dabei sein System, das sich nicht an Namen orientiert, sondern eher danach, dass der Nordkurier in einem Aufgang zum Beispiel oben links oder im dritten Briefkasten von unten landen soll. Das hat Norbert Töpfer alles im Kopf. „Alles abgespeichert“, sagt er.

So eine Zeitung in den Briefkasten zu stecken, scheint sich allerdings als Kunst zu erweisen. „Manche Kästen sind so schmal, dass ich die Zeitung kniffen muss“, sagt Norbert Töpfer. Und manchmal seien die Kästen schon recht voll, da müsse man Fingerspitzengefühl beweisen, zum einen, um alles reinzubekommen und zum anderen, um die Zeitung nicht zu beschädigen. Opfer muss der Zusteller bringen. „Die Fingernägel brechen dabei regelmäßig ab“, sagt er, und das, obwohl seine Nägel durch den von ihm verwendeten Nagelhärter glänzen. Aber das macht Norbert Töpfer nichts aus.

Nach der Disko Rauch aus den Haaren kämmen

Sein Arbeitsweg führt rund um die Fischerstraße, Fischerbänk und Brodaer Straße. Er weiß zwar, in welchen Kasten der Nordkurier gehört. Nichtsdestotrotz muss er jeden Morgen auf eine Liste schauen, es gibt ja auch Probeleser, deren Namen er dann doch wissen muss.

Für Norbert Töpfer ist diese Nachtarbeit eine Selbstverständlichkeit. Angst hat der zweifache Vater nicht, obwohl er schon einige Kuriositäten erlebt hat. So stand mitten in der Nacht eine junge Frau vor einem Hauseingang und bürstete ausgiebig ihre langen schwarzen Haare. Norbert Töpfer – überhaupt nicht scheu – war neugierig und fragte sie nach dem Grund ihrer nächtlichen Haarpflege auf offener Straße. „Sie kam aus der Disko und hat sich morgens so den Rauch aus den Haaren gekämmt“, erzählt er.

Gerade die Morgenstunden sind es, die den Neubrandenburger Zusteller vor allem im Sommer sehr freuen, wie er meint. Wenn die Sonne über Neubrandenburg aufgeht, gehe ihm auch das Herz auf. Und dann macht Norbert Töpfer die Arbeit gleich noch viel mehr Spaß, wenn alle Abonnenten im Viertel Am Oberbach ihre Zeitung zum Frühstück vor sich liegen haben. Dann legt sich Norbert Töpfer aber oft nochmals aufs Ohr.

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