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Mit geborgtem Anzug zum Standesamt

Ernestine und Siegesmund Sobis aus Chemnitz hatten viele Hände zu schütteln. Sie feierten Eiserne Hochzeit. Die Gemeinde hatte einen Empfang für das Jubiläumspaar vorbereitet.  FOTO: Anett Seidel

Chemnitz.Als Siegesmund Sobis vor 65 Jahren mit seiner angehenden Frau vor den Standesbeamten trat, waren lediglich die Schuhe sein Eigentum. „Der Rest war ...

Chemnitz.Als Siegesmund Sobis vor 65 Jahren mit seiner angehenden Frau vor den Standesbeamten trat, waren lediglich die Schuhe sein Eigentum. „Der Rest war geborgt – sogar das Brautkleid meiner Frau“, erzählt der heute 86-Jährige. Am Donnerstag zur Eisernen Hochzeit hatte sich das Ehepaar wieder in Schale geworfen. Jetzt waren es die eigenen Sachen, die Ernestine und Siegesmund trugen.
Zwischen beiden Ereignissen liegen sechseinhalb Jahrzehnte guter und schlechter Zeiten. Nach dem Krieg hat sich das Paar in Sachsen-Anhalt kennen gelernt. „Wir haben auf Nachbarhöfen gearbeitet“, erzählt Ernestine Sobis. „Durch Luftlöcher im Kuhstall haben wir uns verständigt“, verrät ihr Mann augenzwinkernd. Entscheidend sei die Frage ihres Mannes nach der Schmiede gewesen, weiß die „eiserne“ Braut heute. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt ihr Mann. Auch Ernestine gibt zu, dass sie der junge Soldat entzückt hat. 18 Jahre sei sie damals gewesen. Geheiratet wurde zwei Jahre später. „Heute kaufen sich junge Paare zuerst ein Auto, vor 65 Jahren kam zuerst ein Kind“, erzählt der Chemnitzer. Die Sobis haben vier Kinder.
Siegesmund wollte nicht immer im Kuhstall arbeiten und hat 1952 bei der Chemnitzer Maschinen-Traktoren-Station (MTS) als Kulturleiter angefangen zu arbeiten. Ein Staatsexamen für Landwirtschaft und Finanzen absolvierte Siegesmund Sobis. „Ich habe dann 30 Jahre als Hauptbuchhalter bei der LPG gearbeitet“, berichtet er heute. Seine Frau fand die passende Arbeit in der LPG-Küche. Die Chemnitzer sind voller Lobes über ihr eisernes Paar. Engagiert in der Gemeinde und als Helfer für viele, werden die beiden bezeichnet. In den Rommérunden darf Siegesmund Sobis nicht fehlen.
Mit einem Empfang und dem Gesang der Kita-Kinder am Morgen gelang der Gemeinde eine schöne Überraschung und löste bei Siegesmund Sobis Tränen der Rührung aus. „Geht weiter euren Weg Hand in Hand“, wünschten die Gäste dem Paar.an