Mobiler Blitzer in Neubrandenburg getestet

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Mit Tempo 126 durch die Demminer Straße

Zu Testbeginn stand der Blitzeranhänger stadtauswärts an der B104 in Richtung Weitin. Gerade nachts sollte er Autofahrer dazu bringen, sich überall in Neubrandenburg ans Tempolimit zu halten.
Zu Testbeginn stand der Blitzeranhänger stadtauswärts an der B104 in Richtung Weitin. Gerade nachts sollte er Autofahrer dazu bringen, sich überall in Neubrandenburg ans Tempolimit zu halten.
Mirko Hertrich

Das Gerät trägt den martialischen Namen „Enforcement Trailer“. Einen Monat hat die Stadt den mobilen Blitzer getestet: mit einer erschreckenden Bilanz. Zu viele Menschen sind teils deutlich zu schnell in Neubrandenburg unterwegs.

Der Führerschein ist wohl ein ganze Weile weg. Fast 80 Kilometer zu schnell donnerte ein Auto auf der Demminer Straße in Richtung Altentreptow, als es blitzte. Offenbar hatte sich der Fahrer oder die Fahrerin in dem Tempo-50-Bereich auf der Höhe eines Baumarktes sicher gewähnt, als das Gaspedal innerorts kräftig durchgedrückt wurde. Schließlich gibt es da eigentlich keinen Blitzer. Ein Irrtum, der nun richtig teuer wird – 680 Euro Geldbuße, zwei Punkte und drei Monate Führerscheinentzug.

„Vollstreckungsanhänger“ im Stadtgebiet platziert

Erwischt wurde der Temposünder mithilfe eines mobilen Blitzeranhängers mit dem Namen „Enforcement Trailer“ (deutsch: Vollstreckungsanhänger), den die Stadt einen Monat lang getestet hat. Die markante graue Box, die wie ein Anhänger bewegt werden kann, sollte an Unfallschwerpunkten – gerade nachts – im Stadtgebiet aufgestellt werden. Oder dort, wo es regelmäßig zu laut ist. So die Ankündigung der Stadt zu Beginn des Einsatzes.

Die Stadt teilte dem Nordkurier auf Anfrage nun eine erste Bilanz mit. Über 3500 Mal hat es während der Testphase vom 4. Oktober bis zum 5. November geblitzt. Die Kontrollen wurden an vier Standorten im Stadtgebiet durchgeführt. Am längsten stand das Gerät in der Neustrelitzer Straße hinter der Abfahrt Platanenstraße, wo der Verkehr stadtauswärts überwacht wurde. Dort gingen auch die meisten Raser in die Radarfalle. Binnen elf Tagen wurden dort 1644 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Das sind fast 150 Knöllchen am Tag.

Ähnlich hoch war die Ausbeute in der Demminer Straße, wo mit 126 Stundenkilometern auch der traurige Negativrekord während der Testphase gemessen wurde. Dort erfasste die Stadt innerhalb von sieben Tagen 947 Geschwindigkeitsverstöße. Gesitteter geht es offenbar in der Weitiner Straße zu, wo der Blitzeranhänger stadtauswärts hinter der Y-Kreuzung platziert wurde. Oder die Autofahrer waren durch die Berichterstattung des Nordkurier zum Anfang der Testphase gewarnt. Hier gab es im Zeitraum von acht Tagen 379 Geschwindigkeitsverstöße.

Als vierten temporären Blitzerstandort hatte das Ordnungsamt sich die Stavenhagener Straße stadtauswärts in Weitin ausgeschaut. Hier besteht eine Besonderheit. Für Lkw liegt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 20 bis 7 Uhr bei Tempo 30. Die Bilanz: 627 Geschwindigkeitsverstöße in sieben Tagen.

Die Stadt will nun nach einer „intensiven Ergebnisauswertung“ darüber entschieden, ob der Blitzeranhänger weiterhin temporär im Stadtgebiet zum Einsatz kommt, hieß es. In einer Umfrage zu Anfang des Tests hatten viele Nordkurier-Leser Standorte für den Blitzer vorgeschlagen, darunter vor Schulen und Kindergärten. In der ersten Phase wurde aber lediglich auf den großen Straßen geblitzt.

Eine Million Euro für den Haushalt aus Bußgeldern

Zur Höhe der Miete während der Testphase für den Blitzeranhänger wollte die Stadt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Angaben machen. In Medien wird von einer Monatsmiete in Höhe von mehreren Tausend Euro berichtet. Dem stehen aber auch Einnahmen gegenüber. 2017 registrierten Polizei und Ordnungsamt in Neubrandenburg über 16 000 Geschwindigkeitsverstöße. Die jetzt erfassten knapp 3600 Fälle werden sowohl die Zahl als auch die Einnahmen für 2018 aber wohl deutlich in die Höhe schnellen lassen, was angesichts der noch klaffenden Lücke bei der Haushaltskonsolidierung hilfreich sein könnte. Im aktuellen Haushalt rechnet die Stadt mit Einnahmen aus Bußgeldern in Höhe von rund einer Million Euro. Der Betrag umfasst allerdings alle Bußgelder, nicht nur die für Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Kommentare (1)

Gehe gerade die Baumärkte in der Demminer Straße durch. Auf Höhe Obi ist 50 km/h ... Welchen Baumarkt gibt es da noch?