Nach einer jahrelangen Bandpause kehrt Sängerin Jana Halbritter für einen Auftritt mit der Neubrandenburger Band One
Nach einer jahrelangen Bandpause kehrt Sängerin Jana Halbritter für einen Auftritt mit der Neubrandenburger Band One Trick Pony auf die Bühne zurück. Steffen Peter
Jana Halbritter musste nicht lange darüber nachdenken, ob sie wieder in Neubrandenburg singt.
Jana Halbritter musste nicht lange darüber nachdenken, ob sie wieder in Neubrandenburg singt. Frank Wilhelm
Kometenhafter Aufstieg von Mohnblau: Jana Halbritter, Robert Reich (links) und Sebastian Nicklas gewannen 2004 den F6 Music Aw
Kometenhafter Aufstieg von Mohnblau: Jana Halbritter, Robert Reich (links) und Sebastian Nicklas gewannen 2004 den F6 Music Award. Dirk Mathesius
Jana Halbritter fühlt sich wohl in ihrer Heimatstadt Neubrandenburg.
Jana Halbritter fühlt sich wohl in ihrer Heimatstadt Neubrandenburg. Frank Wilhelm
Mohnblau bei einem Auftritt 2006 im Rahmen des ZiSCH-Projektes des Nordkurier.
Mohnblau bei einem Auftritt 2006 im Rahmen des ZiSCH-Projektes des Nordkurier. Heiko Brosin
Konzertankündigung

Mohnblau-Sängerin Jana Halbritter kehrt zurück auf die Bühne

Jana Halbritter war Sängerin der Neubrandenburger Band „Mohnblau“. Nach einer jahrelangen Pause ist sie in ihrer Heimat mit der Band „One Trick Pony“ wieder live zu erleben.
Neubrandenburg

Wenn man mit Jana Halbritter durch Neubrandenburg geht, ist zu spüren, dass das immer noch ihre Heimatstadt ist. „Dort in der Apotheke arbeitet Inge, dort Dana“, sagt sie, während sie schnellen Schrittes durch die Fußgängerzone geht. „Und da“, sie zeigt auf das Rathaus, „arbeitet Kati, eine langjährige Freundin.“ Jana Halbritter strahlt. Sie fühlt sich wohl in Neubrandenburg, obwohl sie seit vielen Jahren in Magdeburg wohnt. „Es ist unglaublich, wie viele Bekannte und Freunde ich getroffen habe, als ich abends auf dem Weberglockenmarkt war.“

Mehr lesen: ▶️ Ein Song über die Lebensfreude am Tollensesee

Bis 2004 war Jana Halbritter einfach „nur“ Jana Halbritter, eine junge Frau, die 1974 in Neubrandenburg geboren und am Tollensesee aufgewachsen ist. „Wir waren viel freier als die Kinder heute, hatten kein Handy. Wir haben uns einfach nach der Schule verabredet und draußen getroffen“, erzählt sie beim Tee im Boulevardcafé. Sie sind die „Wendekinder“, ein Begriff, der für sie positiv besetzt ist. Viele seien nach 1990 keinen geraden Weg gegangen. „Wir sind geschwommen als Generation.“

Zur Schallplatte mit dem Bruder Band gespielt

Jana Halbritter besuchte drei Jahre lang das Neubrandenburger Fachgymnasium für Wirtschaft und Verwaltung und studierte an der Uni Rostock, unter anderem Medienpädagogik, Soziologie und Psychologie. Danach arbeitete sie unter anderem als Journalistin.

Auch interessant: ▶ Neubrandenburger Lokalmatadoren von „One Trick Pony” sorgten für Stimmung auf Vier-Tore-Fest

Abwechslung suchte sie in der Musik. „Mit meinem Bruder habe ich als kleines Mädchen Schallplatten aufgelegt und wir haben dann Band gespielt“, erinnert sie sich. Blockflöte habe sie gespielt und später autodidaktisch Gitarre gelernt. Und sie hat als junge Frau eine einprägsame Stimme bekommen, die sie in den 1990er-Jahren ausbilden ließ. Drei Jahre lang mit Unterricht an der Musikschule bei Regina Tauer, der sie heute noch dankbar ist.

Angefangen hat alles im Mosaik-Jugendclub

Es gab erste Auftritte mit jungen Bands, von denen es seinerzeit viele in Neubrandenburg gab. Die Szene war wie ein Netzwerk, in dem jeder jeden kannte. Jana Halbritter sammelte mit dem Gitarristen Sebastian Nicklas erste Band-Erfahrungen, vorerst nur in einem Proberaum des Jugendclubs Mosaik in der Oststadt. Später kamen der Bassist Robert Reich und der Schlagzeuger Michael Schult dazu, die „schon Erfahrung mit dem Band-Geschäft“ hatten.

Aus dem Quartett formierte sich die Gruppe „Mohnblau“, die noch im gleichen Jahr beim F6 Music Award gewann, seinerzeit der größte Wettbewerb für Nachwuchsbands in Ostdeutschland. Immerhin setzte sich das Trio aus Neubrandenburg gegen 800 Konkurrenten durch. Mittlerweile war auch Keyboarder Bert Eugén Wenndorff mit an Bord.

Als Vorband für Söhne Mannheims und Udo Lindenberg

Jana Halbritter war plötzlich nicht mehr „nur“ Jana Halbritter. Sie war jetzt die Sängerin von „Mohnblau“, Sängerin einer Band, die kometenhaft aufstieg. Die Musiker tourten mit Promis wie „Söhne Mannheims“, „Wir sind Helden“, „Wolfsheim“ oder „2raumwohnung“. Sie traten als Vorband für Udo Lindenberg auf, der ein Faible für die Musiker vom Tollensesee entwickelte. „Er hat uns mal in Neubrandenburg besucht. Wir saßen zusammen, sprachen über Musikideen“, erinnert sich Jana Halbritter.

Mehr lesen: ▶ Neubrandenburg hat jetzt einen eigenen Weihnachtssong

Und wie war der große Lindenberg? Sie überlegt kurz: „So wie er ist. Er hat sich nicht versteckt.“ „Mohnblau“ schrieb sogar die Musik für Lindenbergs Lied „Das Merkel ich mir“, das zur Bundestagswahl 2005 herausgebracht wurde. „Mohnblau“ spielte im Ausland, auf dem Christopher Street Day in Köln und der Musikmesse Popkomm. In der Zeit veröffentlichte die Band mehrere Alben und Singles, für die Jana Halbritter auch Texte schrieb.

„Das war eine grandiose Zeit”

An einen Auftritt mit der Band „Wir sind Helden“ in Dresden erinnert sie sich besonders gerne. „Die Leute wollten plötzlich uns hören. Über 80 wollten unsere CD haben. Das war schon eine grandiose Zeit.“ In einem Mohnblau-Song singt sie über „Erinnerungen“: „Erinnerungen werden blasser, lass sie ziehen. Manchmal kommen sie dann wieder, das ist selten abzusehn. Sie spiegeln sich im Spiegel wider, trau Dich, sie anzusehen.“ Hat sie seinerzeit, in diesem „Mohnblau“-Leben, von einer Karriere als Sängerin geträumt? Sie überlegt etwas länger: „Ich glaube, geträumt haben wir vielleicht alle von einer Musiker-Karriere. Aber wir sind auch damals schön auf dem Boden geblieben. Typisch Mecklenburger eben.“

Ein überraschender Anruf

Am 10. Dezember 2010 gab es das letzte eigene „Mohnblau“-Konzert im Güterbahnhof Neubrandenburg. Am 30. Dezember 2010 traten sie ein letztes Mal als Vorband auf, für Matthias Reim. Danach war „Mohnblau“ Geschichte, nur noch Erinnerungen. Jana Halbritter zog es damals der Liebe wegen nach Magdeburg. Sie arbeitete wieder als Journalistin, seit einigen Jahren ist sie bei der Architektenkammer Sachsen-Anhalt angestellt. Ab und an singt sie noch, für ihre kleinen Kinder natürlich, aber auch mal auf einer Hochzeit oder anderen Feierlichkeiten. Zudem nimmt sie Gitarrenunterricht am Telemann-Konservatorium in Magdeburg.

An Auftritte mit einer Band hatte sie schon lange nicht mehr gedacht. Bis sie vor einigen Wochen einen überraschenden Anruf von Marcel „Marshall“ Beuter, einem dieser vielen Neubrandenburger Netzwerk-Musiker, bekam. Ob sie sich vorstellen könne, zusammen mit One Trick Pony im Neubrandenburger Güterbahnhof zu singen. „Natürlich, ich habe gar nicht lange überlegt.“ Jana Halbritters Augen funkeln noch ein bisschen mehr.

Bei der ersten Probe war es sofort wie früher

Als sie dann, nach vielen Jahren Band-Pause, das erste Mal wieder das Mikro in der Hand hatte, sei es augenblicklich wie früher gewesen. „Das war eine schöne Verbindung zwischen uns.“ Als später One Trick Pony geprobt haben, sei ihr klar geworden, dass eine Band ein unglaubliches Gefüge sei, „als würden alle miteinander tanzen, erst holpern die Schritte, dann werden sie sicherer, um sich am Ende zu einem wunderbaren Miteinander zu vereinen. Großartig! Die Energie der Jungs ist ansteckend und ich freue mich, für diesen Abend daran teilzuhaben.“ Und wie wird es nach dem Konzert weitergehen mit ihr und der Bühne? „Ich habe diese Sehnsucht nie verloren. Es schlummert in mir, gemeinsam mit anderen Musik zu machen.“

 

Das Konzert mit „One Trick Pony und Jana Mohnblau“, so die Konzertankündigung beginnt am 17. Dezember um 21 Uhr im Güterbahnhof Neubrandenburg.
Karten im Vorverkauf im Güterbahnhof sowie beim Ticketservice im HKB.

zur Homepage