Unsere Themenseiten

Übergriff in Neubrandenburg

:

Mopedfahrer tritt Radler, weil der nicht den Radweg nutzt

Über die Nutzung von Radwegen gibt es regelmäßig Streit zwischen Auto- und Fahrradfahrern.
Über die Nutzung von Radwegen gibt es regelmäßig Streit zwischen Auto- und Fahrradfahrern.
Sina Schuldt

Die anhaltenden Diskussionen über die Nutzung von Radwegen sind in Neubrandenburg in einem gewaltsamen Übergriff auf einen Radfahrer eskaliert.

Ein Mopedfahrer hat am Mittwoch Abend im Industrieviertel einen Rennradfahrer in den Straßengraben getreten. Hintergrund war offenbar der Ärger des Täters, dass der Radler nicht den neben der Straße verlaufenden Radweg benutzt hat. Nach dem Mann wird derzeit noch gesucht

Gegen halb sechs war der 40 Jahre alte Fahrradfahrer auf der Ihlenfelder Straße in hohem Tempo in Richtung Stadtzentrum gefahren. Etwa auf Höhe der Abfahrt nach Monckeshof setzte ein hinter ihm fahrender Mann auf einer Schwalbe zum Überholen an. Laut Polizei und Zeugenberichten soll der Mopedfahrer den Radler laut gefragt haben, warum er nicht auf dem Radweg fahre. Doch der Radfahrer wollte keine Diskussion und strampelte noch schneller.

Dann passierte es: Der Mann auf der Schwalbe trat den Radler, der ins Straucheln kam, sich mehrfach überschlug und verletzt auf dem Grünstreifen zum Liegen kam. Er musste anschließend ins Krankenhaus gebracht werden. Der Mopedfahrer kümmerte das nicht weiter, er fuhr einfach weiter.

Wer kann Angaben zum Täter machen?

Wie ein Augenzeuge berichtete, stoppten nachfolgende Autos hingegen, die Insassen halfen dem Opfer. Die Schwalbe soll demnach eine grüne oder blaue Farbe gehabt haben. Zu dem tatverdächtigen Mopedfahrer ist laut Polizei bekannt, dass er etwa 30 bis 40 Jahre alt war, einen Vollbart hatte und einen alten DDR-Helm auf dem Kopf trug.

Die Themen „Radfahrer im Straßenverkehr” und auch die „Beziehungen zwischen Radfahrern und Autofahrern im Alltag” bewegen die Neubrandenburger Bürger seit geraumer Zeit. So gibt es immer wieder Beschwerden der Radfahrer über die Autofahrer und der Autofahrer und Fußgänger über die Radfahrer. Für die Nutzung von Radwegen gibt es dabei besondere Regeln.

Die Ermittlungen wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie der gefährlichen Körperverletzung wurden im Kriminalkommissariat Neubrandenburg aufgenommen. Zeugen, die Angaben zu dem tatverdächtigen Fahrer des Kleinkraftrades oder andere Hinweise geben können, richten diese bitte an die Polizei in Neubrandenburg unter 0395 5582-5224.

Kommentare (2)

Es hätte gereicht, den Radfahrer aufmerksam zu machen, den Radweg zu nutzen - wenn es denn wirklich so dringend und verkehrsberuhigend nötig gewesen wäre. Dass eine Schwalbe nicht genug Platz hätte ein Fahrrad zu überholen, wäre keine gute Ausrede. Hier muss der Schwalbenfahrer in seiner sozialen Kommunikation nachbessern sonst gerät er eines Tages in schwierigere Situationen als wen in den Straßengraben zu schubsen. Ich vermute, er hat diese persönliche Verkehrssicherheits-Maßnahme nicht in der Führerscheinprüfung gelernt.

Am 5. September attackiert also ein Mopedfahrer einen Radfahrer, weil dieser auf der Fahrbahn unterwegs ist und der Mopedfahrer meint, der Radler gehöre auf den Radweg. Zwei Tage vorher verbreitete die Polizei Neubrandenburg im Nordkurier die falsche Behauptung, jeder Radweg müsse benutzt werden. Könnte es sein, dass der Mopedfahrer bei seiner kriminellen Aktion von der Falschbehauptung der Polizei »beflügelt« würde? Hier sollten Sie mal nachhaken. Es wäre sicherlich hilfreich, in Artikeln wie dem vom 3.9. darauf aufmerksam zu machen, dass das Radfahren auf der Fahrbahn der seit 1997 vom Gesetzgeber vorgesehene Normalfall ist und das Benutzen von Radwegen nur in Ausnahmefällen vorgeschrieben werden darf. Ausführungen mit dem Tenor, der Radweg sei die Norm und die Fahrbahn sei die Ausnahme, sind nicht hilfreich, sondern verfestigen das irrige Weltbild mancher Rambo-Kraftfahrer, die zur Selbstjustiz greifen.