EHEPAAR AUS NEUBRANDENBURG

Mord-Angeklagter will Ehefrau in Notwehr erstochen haben

Mit acht Messerstichen soll Volker K. aus Neubrandenburg seine Frau erstochen haben – im Mordprozess gegen ihn hat er sich nun ausführlich zu der Tat geäußert.
Benjamin Reimers Benjamin Reimers
Der Angeklagte (gepixelt) am ersten Prozesstag mit seinen beiden Verteidigern.
Der Angeklagte (gepixelt) am ersten Prozesstag mit seinen beiden Verteidigern.
Lüneburg.

Mit ruhiger Gestik und starrem Blick nach draußen auf das geschäftige Treiben vor dem Gerichtsgebäude erlebten die Prozessbeteiligten und Zuschauer Volker  K. vor dem Landgericht Lüneburg. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 48 Jahre alten Neubrandenburger heimtückischen Mord vor. Sein Opfer war seine Ehefrau Doreen, sie stammt ebenfalls aus Neubrandenburg.

Das Paar lebte damals in Scheidung. Mit acht Messerstichen soll Volker  K. sie am 27. Mai 2018 in ihrer Wohnung im niedersächsischem Winsen/Luhe getötet haben. Die Tat, bei der die damals 12 und 8 Jahre alten Kinder mit in der Wohnung waren, hatte vor einem Jahr auch in der Heimat des Paares für blankes Entsetzen gesorgt.

Überraschende Wortmeldung des Angeklagten

Bereits seit fünf Monaten verhandelt die Vierte Große Strafkammer in Lüneburg nun den Fall. Die Hauptverhandlung entwickelt sich zu einer Indizienschlacht. Die beiden Verteidiger des dringend Tatverdächtigen lassen nichts unversucht, rühren an noch so kleinen Fusseln im strafprozessualen Baukasten, um den Richter dazu zu bewegen, auf ihre Wünsche einzugehen. Die überraschend angekündigte „präzise“ Einlassung des Angeklagten Volker  K. passte genau in dieses Drehbuch.

An jenem Maisonntag vor fast genau einem Jahr rief Volker K. mehrere Male bei seiner Frau an, um mit ihr unter anderem über das Umgangsrecht für die Kinder und den Ablauf der bevorstehenden Scheidung zu sprechen. Doch zunächst telefonierte er am Tag der Tat mit einem Arbeitskollegen seiner Frau. „Warum willst du einen Krieg anzetteln, den du nicht gewinnst“, soll der Kollege zum Angeklagten am Telefon gesagt haben. Die Wut des Angeklagten steigerte sich. Er soll seinen Angaben zufolge danach in einem Imbiss eine Kleinigkeit gegessen und Geld abgehoben haben.

Das Opfer soll ein Messer bei sich gehabt haben

Dann soll K. von hinten das Wohngrundstück seiner Frau betreten und sich zunächst auf die Hollywood-Schaukel gesetzt haben, wo er eine Zigarette rauchte. Ob er da schon die Absicht zu Morden in sich trug? Ein Messer hatte er jedenfalls dabei. Er betrat die Wohnung und traf auf der Treppe zum ersten Stock auf seine Noch-Ehefrau. Er selbst schilderte die Szene so: „Doreen wandte sich mir zu. Sie hatte ein Handy und schrie: ‚Verschwinde!‘ Plötzlich sah ich unter ihrem Pullover ein Messer.“ Sie habe ihm damit in den den Oberschenkel gestochen. „Ich griff jetzt nach dem Messer, wir rangelten und dabei stach ich zu“, so K. Im Klartext heißt seine Darstellung: Er hätte in Notwehr gehandelt. Ob die Darstellung glaubhaft ist, muss das Gericht entscheiden.

In der Verhandlung kam auch der Bruder von Doreen K. zu Wort. Auf die Frage nach seinem Zustand antwortete er: „Mir geht es beschissen“. Der 38-Jährige Neubrandenburger berichtete von einem guten Verhältnis zu seiner Schwester. Ihr plötzlicher Tod warf den Tischler aus der Bahn. Die Geschwister trafen sich mehrfach im Jahr und telefonierten zweimal die Woche rund eine Stunde lang.

Die ganze obere Etage war voller Blut

Als am Tag der Tat ein Streifenwagen gegen 19.30 Uhr eintraf und die Beamten das Haus betraten, kam ihnen aus der Küche bereits der Tatverdächtige entgegen. Er roch nach Alkohol, sein Körper war mit Blut überströmt, so der Polizeibericht. Nur Minuten zuvor hatte Volker K. selbst die 110 gewählt, um die Polizei von seiner Tat zu informieren. Als die Beamten ins Obergeschoss gingen, eröffnete sich ihnen ein Bild des Grauens. Überall Blut, eine Frau lag leblos auf dem Fußboden, ihr Körper war von Messerstichen übersät.

Doreen K. war zu diesem Zeitpunkt trotz der tiefen Wunden nicht tot und wurde unter sofortigen Reanimationsmaßnahmen in ein Krankenhaus gebracht. Doch sie überlebte ihre schweren Verletzungen nicht, starb wenige Stunden nach der Tat.

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