MORDPROZESS LEONIE

Mordangeklagter sollte „kalt gemacht“ werden

Zeugenaussagen im Prozess um die Tötung der kleinen Leonie belasten nun auch sehr konkret deren Mutter. Sie soll gegenüber ihren Kindern ebenfalls gewalttätig geworden sein. Und noch etwas kam ans Tageslicht.
Andreas Becker Andreas Becker
Gerald Bahr Gerald Bahr
Mit einem Kuscheltier war Leonies Mutter zu ihrer Vernehmung im Landgericht erschienen.
Mit einem Kuscheltier war Leonies Mutter zu ihrer Vernehmung im Landgericht erschienen. Andreas Becker
Neubrandenburg.

Bisher steht nur David H. vor Gericht. Der Stiefvater soll die sechsjährige Leonie laut Anklage der Staatsanwaltschaft bis in den Tod geprügelt und auch den dreijährigen Noah-Joel schwer misshandelt haben. Gegen Leonies leibliche Mutter laufen aktuell Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung – Anklage gegen Janine Z. wurde noch nicht erhoben.

Ob das so bleibt, ist seit den Zeugenaussagen am Freitag vor dem Landgericht Neubrandenburg zumindest fraglich. Sowohl der Verlobte einer Schwester des Mordangeklagten David H. als auch eine weitere Schwester haben Leonies leibliche Mutter schwer belastet. „Sie soll die nach einem Treppensturz am 12. Januar auf dem Boden liegende Leonie in die Rippen getreten haben“, sagte Randy  R. und berief sich dabei auf Aussagen, die David  H. am Abend seiner Flucht aus dem Polizeihauptrevier Pasewalk gegenüber seiner Schwester Maria  H. gemacht habe. Der Mordangeklagte war nach seiner Flucht zu Fuß die 20 Kilometer von Pasewalk bis in die Torgelower Wohnung seiner Schwester gehetzt.

Dort soll er laut Randy R. rund 15 Minuten gewesen sein, um anschließend seine insgesamt acht Tage andauernde Flucht fortzusetzen. Weitere Einzelheiten dieser Flucht sind noch nicht bekannt.

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Richter und Staatsanwälte werden als „Dreckspack” beschimpft

Laut einer weiteren Schwester von David  H. soll Leonie von ihrer Mutter Janine Z. bereits im Sommer 2018 geschlagen worden sein. „Sie hat Leonie mit der flachen Hand gegen den Kopf gehauen“, behauptete Claudia H. im Zeugenstand. Und noch etwas verriet die Schwester des Mordangeklagten: „David hat sich immer um die Kinder gekümmert. Janine Z. hat sich nach meinen Beobachtungen geweigert, dies zu tun.“ Nachfrage des Vorsitzenden Richters Jochen Unterlöhner: „Warum haben Sie den Schlag an Leonies Kopf nicht bereits in ihrer polizeilichen Vernehmung vor Monaten erwähnt?“ Antwort von Claudia H.: „Weil der Polizist einfach meine Vernehmung abgebrochen hat.“ Als der Richter wenige Augenblicke später ihre Zeugenvernehmung im Landgericht beendete, verließ Claudia H. wutentbrannt den Saal. Beim Rausgehen schleuderte sie Gericht und Staatsanwaltschaft noch eine lautstarke Beschimpfung hinterher: „Dreckspack“, rief sie.

Mordangeklagter sollte „kalt gemacht“ werden

Dass die Atmosphäre während des Verhandlungstages an diesem Freitag durchaus angespannt und teilweise feindselig war, zeigte auch eine Frage von Randy R. zu Beginn seiner Vernehmung: „Wer garantiert meinen Schutz, wenn ich hier aussage? Schließlich hat Oliver E. als leiblicher Vater bereits Leute gegen mich angeheuert.“ „Sollte es eine Bedrohungslage geben, müssten Sie sich an Polizei und Staatsanwaltschaft wenden“, riet Richter Unterlöhner. Im Verlauf seiner Vernehmung machte Randy R. deutlich, dass Oliver E. in der Vergangenheit mehrfach angedroht habe, „David kaltzumachen“. Warum? „Weil er wieder mit Janine zusammen sein wollte.“

Damit nicht genug der schwer wiegenden Aussagen von Randy R. „Am Tag nach Leonies Tod haben David und Janine bei uns nachgefragt, ob wir Wandfarbe hätten, um Leonies Zimmer zu streichen.“ Offensichtlich sollten Blutspritzer überpinselt werden.

Dass nicht nur Zeugen in diesem Mordprozess Angst verspüren, sondern auch Richter sich nicht von gewissen Furcht einflößenden Situationen frei machen können, räumte ein weiterer Prozessbeteiligter ein – Gerald F. Er hatte als Richter des Amtsgerichts Pasewalk am 21.  Januar David H. unmittelbar nach seiner Festnahme vernommen und ihm den Haftbefehl verkündet. „Der Anklagte war latent aggressiv. Ich hatte zwischenzeitlich Angst, dass er aufspringt und auf mich losgeht.“ Weiter geht es im Prozess am Montag mit der Vernehmung von weiteren Zeugen aus dem Umfeld des Mordangeklagten.

 

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