REMONDIS

Müll-Streik an der Seenplatte droht

An der Seenplatte droht offenbar ein Streik der Mitarbeiter von Remondis. Die seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen wurden in dieser Woche abgebrochen.
Ein Remondis-Fahrzeug in Waren an der Müritz.
Ein Remondis-Fahrzeug in Waren an der Müritz. Susann Salzmann (Archiv)
Neubrandenburg.

Als Provokation hat die Gewerkschaft Verdi das neueste Angebot der Firma Remondis Seenplatte in den seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen bezeichnet – und die Verhandlungen abgebrochen. Jetzt droht laut Verdi ein Arbeitskampf in dem Unternehmen mit rund 150 Beschäftigten. Weil die Firma große Teile der Abfallentsorgung an der Seenplatte betreibt, könnten die Auswirkungen bei der Müllabfuhr in der Region deutlich zu spüren sein.

Neues Angebot von Remondis angeblich schlechter als das letzte

In einer aktuellen Pressemitteilung beklagt der Betriebsratsvorsitzende Karsten Köstler: „Wenn das angekündigte neue Angebot des Arbeitgebers nach unserer Prüfung noch schlechter ist als das schon abgelehnte, dann ist das nicht nur ein Schlag ins Gesicht für die Kollegen, sondern dann bricht die Remondis Seenplatte Logistik damit auch ihr Versprechen aus dem Jahr 2016. Eine Lohnsteigerung von 1,2% pro Jahr bei 36 Monaten Laufzeit bedeutet, bei den eh schon geringen Löhnen, angebotene Armut.” Die Verhandlungen laufen laut Verdi bereits seit Anfang des Jahres.

Das Unternehmen wies die Darstellungen der Gewerkschaft scharf zurück: „Von einer „eklatanten” (?) und „provokanten” Verhandlungsführung kann absolut keine Rede sein”, erklärte Remondis-Sprecher Michael Schneider: „Auch das rein sachbezogene und um einen vernünftigen und realistischen Kompromiss bemühte „Verhalten” seitens der verantwortlichen Kollegen ist aus unserer Sicht nicht zu beanstanden.”

Remondis: Wirtschaftskrise wird auch unser Unternehmen treffen

Remondis erklärte, die Gewerkschaft fordere „sage und schreibe über 27% Lohnanpassung und 3€ je Stunde mehr.” Umgerechnet auf die Laufzeit von 24 Monaten würden dem Unternehmen so 1,2 Millionen Euro mehr Personalkosten entstehen: „Selbst ohne die bereits spürbar einsetzende Wirtschaftskrise wäre diese Forderung wirtschaftlich in keinster Weise umsetzbar.” Die Corona-Krise treffe auch die Abfallwirtschaft hart, so Schneider weiter: „Schon jetzt lassen sich eine rückläufige Zahlungsmoral und Finanzkraft bei Kunden feststellen. Vor diesem Hintergrund wäre ein Streik aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar und auch nicht verantwortungsvoll.

Die Gewerkschaft wiederum betont, die Löhne bei Remondis an der Seenplatte seien deutlich niedriger als bei anderen Remondis-Firmen in Mecklenburg-Vorpommern. Köstler ergänzt: „Nach der Übernahme des Betriebs von Tönsmeier durch Remondis vor 4 Jahren blieben viele Entgeltfragen ungeklärt und ein Kompromiss wurde vereinbart. Zugesagt wurde, dass man das Entgegenkommen der Kolleg/innen bei den nächsten Verhandlungen nicht vergessen wird. Dies wird nun eingefordert.

Systemrelevante Berufe dürfen keinen Niedriglohn bekommen

Köstler fordert:„Als Teil der sogenannten kritischen Infrastruktur, die für die Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge in den Gemeinden zuständig ist, steht den Abfallentsorgern (nicht nur bei der Remondis) ein gerechter Lohn zu. Niemand, der von Politik als systemrelevant bezeichnet wird, sollte ein niedriglohnähnliches Entgelt erhalten. Das ist unanständig und muss geändert werden.“

Wann und in welchem Umfang bei der Abfallentsorgung an der Seenplatte die ersten Streiks drohen, wird in der Verdi-Mitteilung nicht deutlich - eine diesbezügliche Rückfrage blieb am Freitag zunächst unbeantwortet.

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Kommentare (1)

Wenn das ganze zu Preiserhöhungen größer 10% führen würden muss die Müllentsorgung neu ausgeschrieben werden, schließlich bekommen alle anderen auch nicht 27% mehr Gehalt. Der Landrat sollte immer auch die kleinen Leute mit geringem Gehalt im Auge haben, schließlich sind die Löhne auf dem Freien Markt in der Seeplatte nicht mit NRW oder SH zu vergleichen. Außerdem müssen alle anderen mit Kündigungen Rechnen, die Müllmänner solange nicht, solange Sie den Auftrag haben!