TAGESMÜTTER SIND SAUER

"Müssen wir erst streiken?"

Wie viel ist die Betreuung von Kindern wert? Wie viel Unterstützung  von Fachleuten brauchen Tagesmütter und -väter? Nach der Kreisgebietsreform fühlen sich die Frauen und Männer allein gelassen mit ihren Problemen.
Bärbel Gudat Bärbel Gudat
Michaela Pelaez (links) und Mandy Schanke arbeiten als Tagesmütter in der Oststadt. 
Michaela Pelaez (links) und Mandy Schanke arbeiten als Tagesmütter in der Oststadt.  Bärbel Gudat
Neubrandenburg.

Julian wird heute erst später abgeholt. Seine Eltern müssen länger arbeiten. Im Zwergenland im Wieselweg in der Neubrandenburger Oststadt ist der Kleine jedoch gut aufgehoben. Eltern schätzen diese individuelle Tagesbetreuung.

Manuela Pelaez und Mandy Schwanke kümmern sich als Tagesmütter um insgesamt zehn Kinder vom Krippen- bis zum Vorschulalter. Von ihren Problemen bekommen die Mädchen und Jungen nichts mit. Mit der Kreisgebietsreform seien die Schwierigkeiten aufgetaucht, sagen die beiden Tagesmütter. Und das würden nicht nur sie so empfinden.

Mit ihren Berufskollegen Renate Beschorner und Michael Waldow verbindet die beiden Frauen eine berufliche Freundschaft. Sie vertreten sich bei Krankheit oder im Urlaub. Natürlich diskutiert die Runde auch Probleme. Alle wandten sich im November und erneut im Dezember 2013 Hilfe suchend an Landrat Heiko Kärger. Auf ihre elektronischen Briefe bekamen sie jedoch trotz Eingangsbestätigung keine Antwort. Was die Gruppe sehr verärgerte. „Vielleicht sollten die über 80 Tagespflegepersonen aus Neubrandenburg einmal streiken, um gehört zu werden?“, heißt es deshalb in einem zweiten Brief, der jetzt folgte.

Kontaktformular mit einer falschen E-Mail-Adresse

Die E-Mails seien leider nicht angekommen, kann Landkreis-Pressesprecherin Haidrun Pergande aufklären. Das von den Absendern verwendete Kontaktformular von der Internetseite der CDU war mit einer falschen E-Mail-Adresse hinterlegt. Dieser Fehler ist nun dank der Anfrage der Tagespflegepersonen entdeckt und behoben worden. Natürlich werde der Landrat nun die Fragen der Tagesmütter beantworten, heißt es.

Veränderungen sind dringend notwendig, sagen die Briefeschreiber. So gibt es zum Beispiel keinen ständigen Ansprechpartner mehr für sie als Tagesmütter in der Stadt. Immer bis zum Jugendamt nach Neustrelitz zu fahren, sei für sie, aber auch für Eltern nicht möglich, erklärt Manuela Pelaez. Zwar gibt es in Neubrandenburg dienstags und donnerstags Sprechstunden. „Aber wer kann zu diesen Zeiten schon. Oft ist auch aufgrund von Krankheiten niemand zu erreichen.“ Die Konsequenz könne nur lauten: „Wir brauchen dringend einen Mitarbeiter des Jugendamtes in Neubrandenburgund zwar dauerhaft.“

„Am Regionalstandort Neubrandenburg in der Hochstraße 1 stehen drei Ansprechpartnerinnen des Sachgebietes Kindertagesförderung für die Tagespflegepersonen zur Verfügung“, kontert Birgitt Müller vom Jugendamt des Landkreises. „Bei Bedarf und besonders bei Problemlagen kommen die Mitarbeiterinnen des Bereiches Fachaufsicht und Fachberatung zu den Tagespflegepersonen in deren eigene Räume“, versichert sie. Es sei natürlich auch möglich, Termine für eine Beratung in den Räumen des Jugendamtes in der Hochstraße zu vereinbaren, so das Angebot.

Müller reagiert auch auf ein zweites Problem, das den Tagesmüttern in den vergangenen Monaten zu schaffen machte. Sie erhielten nur unpünktlich oder erst im Folgemonat ihr Geld. Auf dem Postweg gingen auch schon mal Unterlagen verloren. Die meisten Tagespflegepersonen schicken ihre monatlichen Meldungen jedoch auf dem elektronischen Weg ins Jugendamt. Deshalb ist ein Verlorengehen fast auszuschließen. Trotz dieser Meldungen sind die Zahlungen seit Mai 2013 unpünktlich und inkorrekt. „Wir müssen unsere Familien ernähren und haben Verbindlichkeiten wie Miete und Strom, wir sind auf unser Geld angewiesen“, machen Manuela Pelaez und Mandy Schwanke deutlich. „Leider gab es anfangs Probleme mit der Software und mit Umstrukturierungen“, gibt die Jugendamtsmitarbeiterin zu. Diese seien jetzt behoben.

Zahlungen wurden immer weiter reduziert

Neben diesen unregelmäßigen Zahlungen mussten Tagesmütter in den zurückliegenden Jahren auch eine Reduzierung ihrer monatlichen Zuwendungen hinnehmen. Von diesem Geld wird die Ausstattung finanziert, aber auch die Versorgung der Kinder. „Wir kochen noch selbst hier“, sagt Manuela Pelaez. Außerdem sind davon die Renten- und Krankenversicherung oder die Beiträge für die Berufsgenossenschaft zu bestreiten. In Berlin bekämen Tagesmütter sogar 200 Euro an Ausstattungskosten extra, so Pelaez.

Birgitt Müller bittet die Tagesmütter an dieser Stelle noch um etwas Geduld. Es werde bei den Entgelten in absehbarer Zeit Veränderungen bei der Finanzierung der Kindertagespflege geben. Im Zusammenhang mit Änderungen im Kindertagesförderungsgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern werde an der Neuregelung der Finanzierung im gesamten Land gearbeitet. Sobald hier Klarheit herrsche, würden die Tagespflegepersonen informiert. Allerdings erhielten die Anfang des Jahres einen offiziellen Brief vom Jugendamt. Darin wird ihnen mitgeteilte, dass sich 2014 finanziell nichts ändert.

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