Der Laden wird im März endgültig seine Türen schließen.
Der Laden wird im März endgültig seine Türen schließen. Natalie Meinert
Alice Niedzwetzki heute, in wenigen Tagen macht sie Schluss mit ihrem Geschäft.
Alice Niedzwetzki heute, in wenigen Tagen macht sie Schluss mit ihrem Geschäft.
Handel

"Music Town" in Neubrandenburg schließt seine Tore

Das größte Musikhaus in Mecklenburg-Vorpommern schließt seine Tore in Neubrandenburg. „Music-Town“ wird seinen treuen Kunden aber auf anderem Wege noch einige Monate erhalten bleiben.
Neubrandenburg

Noch werden in Music-Town Saiten gezupft, in die Tasten gehauen oder getrommelt. Nach fast 30 Jahren ist das Ende der Neubrandenburger Institution jetzt aber nahe. Nächsten Monat endet der Mietvertrag des landesweit größten Fachgeschäfts für Licht- und Tontechnik, Instrumente und Zubehör im Lindetal-Center. Hier betrieben Alice Niedzwetzki und ihr Team nach einem Umzug von der Fritz-Reuter-Straße 18 Jahre lang Versandhandel, Online-Shop und Projektgeschäft in einem. Den Laden verlassen sie am 16. März endgültig.

„Es wurde in der Vergangenheit immer schwieriger, einen so großen Warenbestand zu finanzieren und mit den großen Online-Anbietern zu konkurrieren“, erklärt die Chefin die Schließung. Eigentlich ist sie Musik- und Deutschlehrerin, in diesen Beruf möchte sie nun wieder zurückkehren. „Natürlich bin ich wehmütig. Ich glaube aber, dass es mich erst dann richtig schlimm treffen wird, wenn wir dann spätestens im Sommer tatsächlich Schluss machen“, gibt sie zu.

Ein großes Stück Arbeit

„An erster Stelle steht jetzt aber erst mal unser Umzug“, erklärt die Geschäftsführerin. „Meine acht Angestellten und ich wollen den restlichen Bestand in ein Lager schaffen, um von dort über unseren Online-Shop noch die übriggebliebenen Instrumente, Mischpulte und all die anderen Dinge zu verkaufen.“ Das sei ein großes Stück Arbeit, weil sich die Einrichtung und die gesamte Ware auf rund 1000 Quadratmeter erstrecken. Wenn Kunden persönlich vorbeikommen wollen, ließe sich das laut Alice Niedzwetzki auch einrichten.

Und wie lange wird dieser Lager-Verkauf laufen? „Wir haben etwa den 30. Juni angepeilt. Bis dahin wird auch unser Azubi Philipp seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolviert haben“, antwortet sie. Sollte da aber noch große Nachfrage herrschen, wäre auch eine Verlängerung des Lagerverkaufs denkbar. „Ich stehe unter keinem Zeitdruck“, sagt sie.

Zusammen mit ihrem Mann hatte sie Music-Town 1990 gegründet. „Das war sehr abenteuerlich damals. Jede Woche sind wir gemeinsam mit einem Transporter nach Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen gefahren, um dort Instrumente zu kaufen“, beschreibt sie die Anfangszeit. Innerhalb kurzer Zeit haben Musikliebhaber dem Ehepaar die Instrumente aus der Hand gerissen – im wahrsten Sinne des Wortes: „Unsere Kunden haben irgendwann auf dem Parkplatz gewartet, um die Instrumente direkt aus dem Transporter heraus zu kaufen“, beschreibt Alice Niedzwetzki den damaligen Erfolg von Music-Town.

Ein bisschen Hoffnung

Viele Käufer hätten ihr Bedauern über die Schließung ausgedrückt. Wo sonst könnten sie auf so gute Beratung zählen oder die Instrumente vor dem Kauf testen? „Unsere Stammkunden sprechen uns an und erzählen uns, wie sehr Music-Town sie in ihrer musikalischen Laufbahn geprägt hätte. Viele sagen, dass sie durch uns erst das Spielen für sich entdeckt haben.“ Ein wenig Hoffnung können die Musikliebhaber der Stadt jedoch hegen: „Zwar ist noch nichts dingfest, aber einer meiner Angestellten überlegt gerade, mit zwei anderen Mitarbeitern eine neue Filiale zu eröffnen.“

Eine gebührende Abschiedsfeier wäre aber auf jeden Fall sicher, sagt Alice Niedzwetzki: „Im März werden wir eine ‚Time to say goodbye‘-Party veranstalten, um uns mit musikalischen Beiträgen, Getränken und einer Foto-Ausstellung aus den letzten 29 Jahren Music-Town zu verabschieden.“

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