Trotz elterlicher Befreiung soll eine 15-Jährige von der Schule zu einem Selbsttest genötigt worden sein. (Symbolfoto)
Trotz elterlicher Befreiung soll eine 15-Jährige von der Schule zu einem Selbsttest genötigt worden sein. (Symbolfoto) Sebastian Gollnow
Corona-Tests

Mutter zeigt zwei Lehrer wegen Nötigung an

Weil ihre beiden Töchter zum Corona-Test in der Schule gezwungen worden sein sollen, hat eine Mutter zwei Lehrer wegen Nötigung angezeigt. Jetzt wird das geprüft.
Neubrandenburg

Zwei Schwestern aus der Region sind nach eigenen Angaben zu einem Corona-Test in der Schule gezwungen worden. So berichtet es deren Mutter dem Nordkurier. Der Name ist der Redaktion bekannt. Die Familie möchte anonym bleiben, um nicht noch mehr an den Pranger gestellt zu werden, erklärt die Mutter weiter.

Sie ist immer noch fassungslos darüber, was sich in der Schule ihrer beiden Mädchen abgespielt haben soll. Trotz des Verbots durch die Eltern haben die 12- und 15-Jährige einen Selbsttest machen sollen. „Die Kleine hat sich noch wehren können, aber die Große ist eher zurückhaltend und hat ihn gemacht“, schimpft die Mutter, die sich dann wohl auch einen heftigen verbalen Schlagabtausch mit der Schulleitung geliefert hat. „Wir haben extra auf dem Zettel, den wir für den Test ausfüllen sollten, ‚kein Test‘ geschrieben“, beschwört die Frau.

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Polizei will zunächst die betroffenen Kinder befragen

Von der Teststrategie des Landes, die auf freiwillige Tests in Schulen beruht, hält die Familie nach eigenen Angaben recht wenig. Erst recht, als die Mädchen nun von Zwang sprachen.

Daher war für die Mutter der Gang zur Polizei klar: „Ich habe gegen zwei Lehrer Anzeige wegen Nötigung erstattet“, berichtet sie. Eigentlich sollte der Vorwurf gar bis zur Körperverletzung ausgeweitet werden, aber das sei rechtlich nicht möglich gewesen, gibt die Frau Worte der Polizei wieder. Da ihre Tochter letztlich den Test selbst an sich ausgeführt hat, könne von Körperverletzung keine Rede sein.

Die Polizeiinspektion Neubrandenburg bestätigte auf Anfrage die Anzeige gegen zwei Lehrer wegen Nötigung. „Wir haben das aufgenommen und werden dazu erst einmal die Kinder selbst befragen müssen“, sagt Sprecherin Diana Mehlberg.

Eine Testpflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht, wie sie bereits in den meisten anderen Bundesländern besteht, würde die Mutter übrigens begrüßen. Nur wer sich testen lässt und selbstredend negativ ist, dürfe dann in die Schule. Wer dies ablehnt, muss zu Hause bleiben.

„Homeschooling ist gar kein Problem“, beteuert die Mutter, die ihre Töchter dann daheim lassen würde. Von der Schule, auf der sich die Vorfälle ereignet haben sollen, gibt es zu den besagten Vorwürfen kein offizielles Statement, wie eine Nordkurier-Nachfrage ergab. Aus mehreren Schulen ist allerdings zu vernehmen, dass kein Schüler gezwungen werde, einen Test durchzuführen, wenn sie oder er dies nicht möchte.

Bildungsministerium geht von Einzelfall aus

Dass nun Eltern zur drastischen Maßnahme greifen, die Lehrer wegen vermeintlich aufgezwungener Tests anzuzeigen, scheint zumindest ein Einzelfall zu sein. Bei der Polizei sind nach Aussage der Sprecherin seit Beginn der Teststrategie keine weiteren Anzeigen eingegangen.

Auch dem Bildungsministerium in Schwerin seien bislang keine vergleichbaren Vorfälle bekannt, heißt es von dort auf Nordkurier-Anfrage. Zu dem hiesigen Fall könnten keine Äußerungen gemacht werden, da man die Details nicht kenne.

Einer Änderung hin zu einer verpflichtenden Teststrategie, um möglicherweise künftig auch Lehrer vor vergleichbaren Fällen zu schützen, erteilt das Bildungsministerium eine deutliche Absage. „Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt. Aufgrund eines solchen Einzelfalls ist keine Änderung der bestehenden Teststrategie geplant.“

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