UNGLÜCK AUF TOLLENSESEE

▶ MV-Polizeitaucher fahnden nach abgerissenem Arm

Auch eine Woche nach einem schrecklichen Unfall auf dem Tollensesee lassen die Ordnungshüter nicht locker und drehen auf der Suche nach dem Körperteil unter Wasser jeden Stein um. Der Vater des Opfers hilft dabei nach Kräften.
Vom kleinen Bootssteg in Klein Nemerow brechen die Polizeitaucher aus Schwerin auf zum etwa 200 Meter entfernten Suchgebiet.
Vom kleinen Bootssteg in Klein Nemerow brechen die Polizeitaucher aus Schwerin auf zum etwa 200 Meter entfernten Suchgebiet. Felix Gadewolz
Neubrandenburg.

Das lässt sich Oliver Wiechmann nicht entgehen. Der Neubrandenburger steht am Ufer des Tollensesees in Klein Nemerow und beobachtet die alten Kollegen. Hier machen sich am Mittwoch nach langer Vorbereitung und genauer Markierung der Unfallstelle auf dem See Polizeitaucher bereit, um nach dem bei einem Unfall mit einem Motorboot abgerissenen Arm eines Schwimmers zu suchen. Trotz intensiver Fahndung in den Stunden nach dem Unfall am vergangenen Donnerstag bleibt der Körperteil verschwunden. Eine Sache für die Polizeitaucher Mecklenburg-Vorpommerns.

Zu denen zählte in den 1990-er Jahren auch Oliver Wiechmann, bis gesundheitliche Probleme den anstrengenden Job unmöglich machten. Viel geändert habe sich nichts, sagt der Veteran und begutachtet mit Kennerblick die Ausrüstung. Polizeitaucher gibt es nur noch sechs im ganzen Land – Platz wäre für zehn in der Technischen Gruppe im Landesbereitschaftspolizeiamt, sagt deren Leiter Hartmut Krämer. Der Hauptkommissar kennt den Tollensesee, noch frisch im Gedächtnis sind dem Lehrtaucher die vielen Tauchgänge im Winter 2012, als nach Leichenteilen einer zerstückelten Frau im Wasser gesucht werden musste.

Krämer hat sich die Terrasse der Eltern des Unfallopfers am Ufer als Beobachtungsstelle auserwählt und lässt sich vom Vater die Unfallstelle zeigen. Es hätte nur wenig Sinn, wenn aufs Geratewohl gesucht werde, sagt der Hauptkommissar. Eine Trasse von etwa 200 mal 200 Metern soll abgesteckt werden – immerhin 40 000 Quadratmeter unter Wasser.

Opfer geht es den Umständen entsprechend gut

Der Vater erzählt dem Nordkurier, dass es seinem 48-jährigen Sohn den Umständen entsprechend gut gehe, der aber noch einige Wochen in der Greifswalder Uni-Klinik bleiben müsse, zudem drohen noch einige Operationen. Der Mann zeigt sich bei allem großen Kummer über die Unfallfolgen sehr stolz auf den Sohn. Der habe, als ihn das Ehepaar aus dem Unglücksboot an Bord gezogen hat, noch genaue Anweisungen getroffen, wie ihm Erste Hilfe geleistet werden muss. Andere wären wohl längst ohnmächtig geworden.

[Video]

Etwa 30 Einsätze im Jahr warten auf die Polizeitaucher des Landes. Unter Wasser müssen die abgehärteten Experten nach verschwundenen Personen suchen und mögliche Beweismittel sicherstellen, um die Ermittler an Land zu unterstützen. So auch jetzt: Der bei dem Unfall abgerissene Arm könnte möglicherweise den Unfallhergang besser erklären. Aber, heißt es bei den Polizeitauchern, bevor die sich ihre Taucherbrillen übers Gesicht ziehen, in erster Linie spielen ganz bestimmt Pietätsgründe dafür eine Rolle, auch eine Woche später nach dem Gliedmaß zu suchen. Niemand möchte sich gern vorstellen, wie sich ein anderer Schwimmer fühlen mag, gerät der unfreiwillig mit dem Objekt dieser polizeilichen Suche in Berührung.

Oft genug auch bei Frost und Eis unter Wasser

Höchstens zwei Mal darf ein Polizeitaucher an einem Tag unter Wasser, jeder Tauchgang kann eine gute halbe Stunde dauern. Die äußeren Bedingungen sind gut, heißt es aus dem Schlauchboot, das die fünf Taucher vom Steg in Klein Nemerow raus zum rund 200 Meter entfernten Suchgebiet bringt. Mit dem Schlauchboot gab es Stunden zuvor noch Probleme, eigentlich wollten Krämer und Kollegen das Gefährt in Nonnenhof zu Wasser lassen. Letztendlich wurde das abgeblasen, viel zu flach sei es dort, so die Auskunft. Dass es gerade regnet, wird mit Schulterzucken abgetan. Nass werden sie doch auf alle Fälle und die Temperaturen des Tollensesee-Wassers sind doch mächtig anständig. Die Polizeitaucher können vergleichen, oft genug müssten sie schließlich auch bei Frost und Eis auf und unter das Wasser.

Zwei Tage haben die Männer aus Schwerin Zeit, nach dem beim Unfall abgetrennten Arm zu suchen, nach der ersten Begutachtung des Suchgebietes zeigte sich Polizeihauptkommissar Krämer optimistisch, die Suche erfolgreich beenden zu können. Am Mittwoch erfüllte sich seine Prophezeiung nicht – aber noch ist ein Tag Zeit.

Da drückt ihnen auch der Ex-Kollege Oliver Wiechmann die Daumen. Denn der weiß noch gut, wie man sich nach vergeblichen Suchen fühlt.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

Kommende Events in Neubrandenburg (Anzeige)

zur Homepage