NAHVERKEHR

MVVG stellt kurzfristig Buslinie nach Neubrandenburg ein

Von einem Tag auf den anderen wurde eine wichtige Buslinie von Friedland nach Neubrandenburg eingestellt. Die Mutter eines Fahrgasts ist verzweifelt.
Die Fahrt der Linie 500 in den frühen Morgenstunden wurde gestrichen.
Die Fahrt der Linie 500 in den frühen Morgenstunden wurde gestrichen. Tim Prahle
Friedland.

Die 5-Uhr-Buslinie von Friedland nach Neubrandenburg ist am Mittwoch kurzfristig eingestellt worden. Die Friedländerin Kathleen Gau macht diese Entscheidung fassungslos. Ihr 16-jähriger Sohn müsse frühmorgens zur Ausbildung in Neubrandenburg sein, ist auf diesen Bus angewiesen. „Auch wenn der Arbeitgeber Verständnis zeigt, bleibt gerade bei jungen Leuten immer ein Makel, wenn diese regelmäßig unpünktlich sind“, sagt Gau. Sie selbst könne ihn nicht bringen, da sie zu gleichen Zeit nach Greifswald zur Arbeit fährt. „Jetzt müssen sich nicht nur Erwachsene in Corona-Zeiten unverschuldet Sorgen um ihre Arbeit machen, sondern auch noch die Kinder“, sagt die Mutter.

Andere Linie fährt ebenfalls um 5 Uhr

Sie hatte sich auch direkt an die verantwortliche Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG) gewandt. Und immerhin: Infolge der kurzfristigen Ankündigung wurde für Donnerstag und Freitag zumindest auch eine kurzfristige Lösung gefunden. Mit einem kleineren Rufbus wurde der Filius an beiden Tagen pünktlich bei der Arbeit abgesetzt. Doch für die Zeit nach Pfingsten wird es diese Möglichkeit nicht mehr geben. Dann wird der erste Bus der Linie 500 ab 5.50 Uhr vom Friedländer Markt starten.

Tatsächlich fährt um 5 Uhr dennoch ein Bus von Friedland nach Neubrandenburg. Die Linie 504. Allerdings nicht auf dem direkten Weg über die Bundesstraße 197, sondern mit viel mehr Zwischenhalten über Brunn, Neverin und weitere Dörfer. Laut Kathleen Gau braucht er damit eine halbe Stunde länger.

Bei der MVVG hat Geschäftsführer Torsten Grahn nach eigener Aussage gewichtige Gründe für die Einsparung der Linie. „Wir hatten durch die Einschränkungen in der Corona-Krise einen Rückgang von bis zu 30 Prozent bei den Fahrgastzahlen“, sagt er. Nun müsse das kommunale Unternehmen sparen. „Ohne dass es den Fahrgästen wehtut“, so Grahn. Die Linie 300 von Demmin nach Neubrandenburg um 5 Uhr sei ebenfalls aus dem Fahrplan genommen worden, weil sie nicht genutzt wurde.

Im Friedländer Fall sei der Sohn von Frau Gau der einzige Fahrgast, der zudem auch nur sporadisch den Bus benutze, so Grahn. „Wir würden sonst ja keine Linie so kurzfristig aus dem Fahrplan nehmen.“ Das Unternehmen führe auf allen Strecken intensiv Fahrgastzählungen durch.

Streit zwischen Mutter und Verkehrsgesellschaft?

Kathleen Gau widerspricht dieser Darstellung vehement. „Da saßen immer mehrere Menschen mit im Bus“.

Möglicherweise kann sie auf Hilfe aus der Politik hoffen. Friedlands Amtsvorsteher und einziger Kreistagsabgeordneter Frank Nieswandt (Linke) sitzt selbst im Aufsichtsrat der MVVG. Grundsätzlich vertraue er auf die Entscheidung des Unternehmens. „Klar ist der öffentliche Nahverkehr ein Teil der Daseinsvorsorge, aber es sind eben auch öffentliche Gelder, mit denen gut umgegangen werden muss“, sagt er. Sollte sich jedoch herausstellen, dass tatsächlich mehrere Fahrgäste von dieser Entscheidung betroffen und benachteiligt sind, werde man im Aufsichtsrat darüber sprechen müssen.

Kurzfristig hilft diese Ankündigung Kathleen Gau und ihrem Sohn aber nicht. Für die Zeit nach Pfingsten wissen sie immer noch nicht, wie er pünktlich zur Arbeit kommen soll. Die Friedländerin denkt bereits daran, der MVVG die Taxifahrten in Rechnung zu stellen.

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Kommentare (3)

Dann muss sich der Sohn in Neubrandenburg ein Zimmer oder eine kleine Wohnung mieten. Unsere Tochter hat auch in Neubrandenburg gelernt und hat die Stelle nur bekommen wenn sie in Neubrandenburg wohnt, damit sie immer erreichbar Ist .
Das Geld für die Miete mussten wir auch aufbringen, da fragt niemand.

Abgesehen davon, dass es deshalb Wohngeld und ggf. BAB o BafoeG gibt oder in 2 Jahren ein Auto ist die obige Aussage für die Katz. Niemand sollte aufgrund der schlechten Pendelbedingungen umziehen müssen, statt dies zu wollen, um eine halbe Stunde länger schlafen zu können.

Damit läuft infrastrukturell etwas grundlegend falsch aber das ist ja nichts neues in MV. Klamme Kassen füllen sich im Gegensatz zur Annahme aber auch nicht durch nichts tun.

Taxifahrten in Rechnung stellen. So schmerzhaft der Verlust einer Busverbindung für Nutzer auch immer ist, ist die Drohung der in Rechnungstellung hilfloses Getöse. Durch den Corona-Wahnsinn wurde in NB der städtische Busverkehr auf Sonntagsfahrplan umgestellt, so dass viele Arbeitnehmer sich wie Heringe wochentags in die Busse morgens und nachmittags drängelten bzw. mit Bus verspätet zur Arbeit kamen. Von einer zur anderen Stadtgrenze sind es ca. 12-15 km. Daraufhin stiegen viele auf Fahrrad und Fahrgemeinschaften um. Wer Angst vor albernen Corona-Verordnungen hatte, nahm keine Fahrgemeinschaft in Anspruch. Die Entscheidung blieb beim Bürger, seltener Bus oder Fahrgemeinschaft. Jeder Arbeitnehmer weiss aus eigener Erfahrung, dass das Arbeitsleben im Unternehmen weiterging. Home Office nur da, wo möglich und sinnvoll.