AUFRUHR IN NEUENDORF

Nachbarn laufen Sturm gegen Mehrfamilienhaus

Der geplante „Koloss” passt nicht ins Ortsbild, mahnen viele Neuendorfer. Zudem sehen sie sich bei den Planungen benachteiligt, nachdem die vor Jahresfrist erhobenen Einwände ungehört blieben.
Am Blumenanger soll ein Haus mit fünf Wohnungen entstehen – zum Unmut der Anwohner in dem von Ein- und Zweifamilien
Am Blumenanger soll ein Haus mit fünf Wohnungen entstehen – zum Unmut der Anwohner in dem von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägten Ort. Tim Prahle
Neuendorf.

Es brodelt in Neuendorf. Vehement wehren sich Einwohner gegen ein Bauvorhaben, das längst auch die Gemeindevertretung spaltet – und das nicht nur, weil von den Kommunalpolitikern der Gemeinde Wulkenzin gut die Hälfte selbst in Neuendorf wohnt.

Mittlerweile drängt die Zeit: Fristgemäß muss bis Anfang März entschieden werden über den Bauantrag eines Investors, der am Blumenanger ein Haus mit fünf Wohnungen errichten will: 23 mal 11 Meter groß und nahezu 12 Meter hoch, wie der direkte Nachbar Christian Heidenreich erfahren hat. Von einem „Koloss“ und „Monster“ ist die Rede in dem von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägten Dorf.

Bürgermeister: Antrag laut Bauamt konform

Schon als das Projekt im vorigen Frühjahr ruchbar wurde, hatte sich Anwohner Christian Prchal mit Nachfragen und Einwänden sowohl ans Bürgermeisterbüro als auch ans Amt Neverin gewandt. Eine Antwort blieb zunächst gänzlich aus; auf drängendes Nachfragen im Herbst lautete sie dann, es gebe ja noch keinen Bauantrag. Jetzt gibt es einen, der in besagter Frist bearbeitet sein muss; und es gibt auch eine vom Investor initiierte Änderung im Bebauungsplan der Gemeinde, die eine Verschiebung der Baugrenzen für das umstrittene Grundstück zulässt.

Mit der Übernahme der Planänderungskosten habe sich der Bauherr in den B-Plan „eingekauft“, so Heidenreichs Vorwurf an den Investor und auch an Bürgermeister Sven Blank, der sich energisch dagegen verwahrt, einen „guten Bekannten“ protegiert zu haben. Der nunmehrigen Papierform und Rechtslage zufolge jedoch sei das Projekt zu genehmigen. Sicher, die Dimension des geplanten Mehrfamilienhauses gehe „an die Grenze“. Er könne die Sorgen der Anwohner verstehen und sei „menschlich auf ihrer Seite“, versichert Blank; er verstehe aber auch die Belange des Bauherrn und sehe da eine Patt-Situation. Dessen Antrag – da habe er sich auch im Bauamt des Landkreises vergewissert – sei in der jetzigen Form nicht abzulehnen; anderenfalls wolle der Investor ihn auf dem Rechtsweg durchsetzen.

Noch gibt es keine Baugenehmigung

Das sehen die Neuendorfer Nachbarn anders. Sie verweisen auf Ortsbild und Siedlungscharakter, die bereits durch eine Bausünde an der Ortseinfahrt Gatscher Damm Schaden nahmen. Abgesehen vom Verlust an Immobilien- und Erholungswert für die unmittelbaren Nachbarn, gehe es hier um einen „Dreh- und Angelpunkt“ des Ortes, sagt Heidenreich und appelliert eindringlich an die Kommunalpolitiker, das Wohl der Gemeinde nicht allein wirtschaftlichen Interessen zu opfern.

Schon gar nicht aus Angst vor einer rechtlichen Auseinandersetzung: „Wir sollten nicht den Kopf stecken, nur weil der Bauherr einen Anwalt konsultiert“, fordert Heidenreich, und auch Prchal mahnt die Gemeindevertreter zu mutigem Handeln: „Sie haben jederzeit die Möglichkeit, den B-Plan im Sinne der Einwohner zu korrigieren“, sagt er. Noch gebe es keine Baugenehmigung, noch könne der im Vorjahr begangene Fehler „geheilt“ werden mit der Festlegung, dass in Neuendorf nur Ein- und Zweifamilienhäuser zulässig und die Straßenfluchten einzuhalten seien.

Heilungsbedarf besteht mit Sicherheit auch beim Zorn der Neuendorfer, dass die Öffentlichkeit bei der Vorgeschichte des Konflikts so übergangen wurde. Der Wunsch nach Beteiligung verhallte ungehört; über die im Bürgermeister- und Amtspostfach „versandeten“ Anfragen wundern sich auch Gemeindevertreter, die davon jetzt zum ersten Mal hören. Nachdem sie den betroffenen Neuendorfern Gelegenheit gaben, in der Einwohnerfragestunde einer Dringlichkeitssitzung ihre Argumente darzulegen, wollten sie die zugehörigen Beschlüsse dann aber doch nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandeln.

Investor lehnt angebotene Grundstücksalternativen ab

Vorherige Verhandlungen mit dem Investor nämlich brachten den Konflikt einer Lösung nicht näher. Angebotene Grundstücksalternativen im neuen Baugebiet lehne er ab, heißt es. Auch ein Schlichtungsgespräch brachte „null Einigung“, berichtet Christian Heidenreich.

Er ist jedoch entschlossen, am Ball zu bleiben: Wie viele Menschen gegen das Bauvorhaben sind, könne er notfalls mit einer schnell zu realisierenden Unterschriftensammlung belegen.

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