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Gespannt lauschten die ehrenamtlichen Nachbarschaftshelfer Pfleger Jens Moreika im Altenhilfezentrum auf dem Lindenberg bei seinem Vortrag zum Thema Demenz. Henning Stallmeyer
Ehrenamt

Nachbarschaftshelfer sagen Demenz den Kampf an

Woran man die tückische Krankheit Demenz erkennt und wie man damit umgeht, dazu wurden ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer jetzt in Neubrandenburg geschult.
Neubrandenburg

Wie erkenne ich, ob Opa dement wird oder einfach nur ein bisschen tüttelig und vergesslich ist? Genau auf die feinen Unterschiede hat ein erfahrener Pfleger jetzt in Neubrandenburg rund 30 ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer hingewiesen. Nachbarschaftshelfer sind keine ausgebildeten Pflegekräfte, doch sie helfen älteren und behinderten Menschen in ihrem Alltag. Erledigen den Haushalt, machen Besorgungen, begleiten die Senioren zum Arzt – Nachbarschaftshilfe eben.

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Mittlerweile gibt es schon über 1000 zertifizierte Nachbarschaftshelfer in Mecklenburg-Vorpommern, davon rund 100 in Neubrandenburg und Umgebung, weiß Cornelia Blatt vom Pflegestützpunkt Neubrandenburg. „Es gab von allen Seiten immer wieder mal den Wunsch, dass man sich auch mal trifft, kennenlernt und Erfahrungen austauscht“, sagt die Sozialberaterin. Deshalb organisierte sie das erste Treffen im Altenhilfezentrum auf dem Lindenberg für alle ehrenamtlichen Nachbarschaftshelfer.

Wenn die Pantoffeln im Kühlschrank landen

Dabei war ihr wichtig, dass es auch einen inhaltlichen Impuls gibt. Umso mehr freuten sich Cornelia Blatt und Einrichtungsleiter Lars Krychowski über Pfleger Jens Moreika, der einen Vortrag zum Thema „Was mache ich, wenn es schwierig wird? – Umgang mit Demenz, Parkinson und anderen chronischen Erkrankungen“ hielt.

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„Der Klassiker ist immer, wenn jemand seine Pantoffeln auf einmal in den Kühlschrank räumt, das habe ich schon hunderte Male erlebt“, erzählt der erfahrene Pfleger vom Dietrich-Bonhoeffer Klinikum und erntet dafür die Lacher der Nachbarschaftshelfer. Doch hinter der flapsigen Anekdote verbirgt sich bitterer Ernst. Denn Demenz wird immer häufiger und immer früher bei vielen Menschen diagnostiziert. „Allgemein sagt man, Demenz kann ab 60 Jahren vorkommen. Doch aus Erfahrung passiert das heute auch Menschen Mitte 50“, sagt der Pfleger.

Mal was vergessen ist okay, wiederholte Aussetzer nicht

Den Nachbarschaftshelfern gibt er mit auf den Weg, immer aufmerksam zu sein. Wenn jemand häufiger etwas vergisst, anfängt an sich herum zu nesteln, Sachen aufhebt, die gar nicht da sind oder ständig nach etwas sucht, dann können das alles Anzeichen für eine Demenz sein. Aber Vorsicht: Demenz darf man nicht mit normaler oder mit Altersvergesslichkeit verwechseln. „Jeder Mensch vergisst mal Sachen oder fängt an zu stottern, weil einem die Worte fehlen, das ist aber nicht immer eine Demenz“, warnt der Pfleger. Kritisch wird es, wenn die betroffene Person immer wieder solche Aussetzer hat, mindestens über ein halbes Jahr.

Genauso wichtig wie die Betreuung von Demenzkranken sei allerdings auch die Betreuung der Betreuer, meint Jens Moreika. Man muss als Pfleger, Angehöriger oder Nachbarschaftshelfer auf sich selbst aufpassen, auch wenn das schwerfalle, spricht der Pfleger aus Erfahrung.

Geduld ist das wichtigste Mittel

Im weiteren Vortrag ging er dann detailliert auf den sogenannten Teufelskreis bei demenzkranken ein, und wie man als Betreuer damit umgehen kann. Die Zauberformel lautet fast immer: Geduld, Geduld und noch mal Geduld. Der Vortrag kam bei den Nachbarschaftshelfern gut an. Cornelia Blatt verspricht, das soll nicht das letzte Treffen gewesen sein.

Wer sich auch als Nachbarschaftshelfer engagieren möchte, kann sich an den Pflegestützpunkt in der Woldegker Straße 6 wenden.

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