Einrichtungsleiterin Diana Schülke (l.) und Caritas-Regionalleiterin Petra Straßler-Wonn sehen sich und die Mitarbe
Einrichtungsleiterin Diana Schülke (l.) und Caritas-Regionalleiterin Petra Straßler-Wonn sehen sich und die Mitarbeiter derzeit vor der wohl schwierigsten Situation seit Pandemiebeginn. Tim Prahle
Weit mehr als die Hälfte der knapp 60 Mitarbeiter fallen hier derzeit aus.
Weit mehr als die Hälfte der knapp 60 Mitarbeiter fallen hier derzeit aus. Tim Prahle
Im Altenpflegeheim der Caritas im Neubrandenburger Katharinenviertel werden 68 Menschen gepflegt und betreut.
Im Altenpflegeheim der Caritas im Neubrandenburger Katharinenviertel werden 68 Menschen gepflegt und betreut. Tim Prahle
Corona

Nächstes Pflegeheim schlägt Alarm beim Krankenstand

Im Neubrandenburger Altenpflegeheim der Caritas fällt mehr als die Hälfte des Personals aus. Wacker schlagen sich jene, die noch da sind. Doch auch ihr Durchhaltevermögen hat Grenzen.
Neubrandenburg

Ganz zum Schluss kann Petra Straßler-Wonn ihre Tränen dann doch nicht mehr zurückhalten. Es sind Tränen der Erschöpfung, aber auch der Rührung. Gerade hat die Leiterin der Caritas-Region Neubrandenburg erneut betont, mit welchem Einsatz die Dienstgemeinschaft sich gerade gegenseitig hilft. In einem Berufsfeld, bei dem Mitarbeiter ohnehin schon überlastet sind und immer weiter funktionieren müssen.

Es ist das Engagement aller Verbliebenen, das den Betrieb im Altenpflegeheim „Schwester Elisabeth Rivet“ im Katharinenviertel überhaupt noch am Laufen hält. Etwa 60 Prozent der 58 Mitarbeiter fallen derzeit krankheitsbedingt aus. Der Rest hält irgendwie die Stellung, 68 Klienten wollen im Heim gepflegt und umsorgt werden. „Wir erleben gerade einen Höhepunkt der Pandemie“, sagt Einrichtungsleiterin Diana Schülke erschöpft. Die Stadt Neubrandenburg kratzt derzeit an einer Sieben-Tage-Inzidenz von 2000 Neuinfektionen.

Längst würde im Heim jeder überall aushelfen, in ihrer Freizeit kämen Caritas-Mitarbeiter von anderen Einrichtungen und opfern Feierband und Wochenende. Rund 400 Beschäftigte gebe es unter anderem in Neubrandenburg, Burg Stargard, Friedland und Demmin. Überall sei der Krankenstand hoch, dennoch werde sich gegenseitig unterstützt, wie die Regionalleiterin sagt. Sie helfen unter anderem in der Küche, aber auch, um Besuche samt Corona-Test und Co. zu ermöglichen. Was die Bewohner freut, ist für die Mitarbeiter nur eine zusätzliche Belastung. „Aber wir müssen den Besuch nach neuer Verordnung zulassen“, sagt Petra Straßler-Wonn.

Pflegeeinrichtungen müssen Besuche zulassen

Ja, das sei Ministerin Stefanie Drese (SPD) auch sehr wichtig gewesen, bestätigt Ministeriumssprecher Alexander Kujat. Schon seit einem Jahr müssen Pflegeeinrichtungen Besuche ermöglichen. Er wisse aber auch um die landesweiten Personalausfälle. Inwiefern die Besuche eingeschränkt werden, müsse mit dem Gesundheitsamt geklärt werden. „Doch das sollte sorgsam abgewägt werden, da die Einschnitte sehr groß sind“, sagt der Sprecher.

Es könnte den tapferen Pflegern der Caritas helfen, die sich zudem schon an das Angebot der „Helfenden Hände“ vom Landkreis gewandt haben und in der Hochschule nach weiteren Freiwilligen suchten.

Doch selbst wenn es diese Erleichterung neben jener aus der eigenen Dienstgemeinschaft gibt: „Es kann kein Dauerzustand sein“, befindet Diana Schülke, die vor einem halben Jahr die Einrichtungsleitung übernommen hat.

Wunsch nach klarem Bekenntnis aus der Politik

Die Not ist groß. Doch statt wirklicher Unterstützung erreichen die Mitarbeiter nur Stigmatisierungen, etwa durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die gerade vor der Tür steht. Obwohl hier im Heim alle Mitarbeiter geimpft seien, drücke auch das auf die Stimmung, sagt die 35-Jährige. Der Verwaltungsaufwand sei ja trotzdem da und die Menschen im Gesundheitswesen stünden plötzlich im Fokus der Gesellschaft. Nicht, weil sie seit zwei Jahren irgendwie funktionieren, sondern einzig wegen der Impf-Frage.

Sie und Regionalleiterin Petra Straßler-Wonn wünschen sich für die Pflege endlich ein klares Bekenntnis der Politik, eine echte Verbesserung. „Das gibt zumindest eine Perspektive“, sagt die Regionalleiterin. Niemand gehe in die Pflege, weil er dort reich wird, aber es mangele an echter Anerkennung. Derzeit fangen sich die Menschen, die sich um andere kümmern müssen und wollen, nur gegenseitig auf.

Wer dem Altenpflegeheim „Schwester Elisabeth Rivet“ helfen möchte, kann sich bei Diana Schülke unter 0395 5631120 oder bei der Referentin für stationäre Altenpflege, Steffi Beyer, unter 0385 5917928 melden.

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