Nach mehreren Bränden wurden in Neubrandenburg bislang rund 80 Bootsschuppen am Tollensesee zerstört. Und was denken
Nach mehreren Bränden wurden in Neubrandenburg bislang rund 80 Bootsschuppen am Tollensesee zerstört. Und was denken die, deren Schuppen (noch) unversehrt sind? Simon Voigt
Feuer in Bootsschuppen

▶ Neubrandenburg hat ein brennendes Problem

Wie fühlt sich jemand, dessen liebstes Hobby gerade in Rauch aufgegangen ist? Und was denken die, deren Bootsschuppen (noch) unversehrt sind? Eine Betrachtung.
Neubrandenburg

Niemand möchte in deren Haut stecken. Ansehen zu müssen, wie gerade das eigene Bootshaus am Tollensesee, vielleicht schon geerbt vom Vater oder Großvater, nach einem der fürchterlichen Brände in Neubrandenburg in Schutt und Asche liegt – richtig nachfühlen kann das niemand, der nicht selbst betroffen ist.

Knapp 80 Bootshäuser sind seit Ostern in Flammen aufgegangen, der Schaden geht in die Millionen. Denn nicht allein die Schuppen sind vernichtet, auch viele Boote und deren Zubehör wurden dabei zerstört.

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Eine bekannte Flaniermeile wird ihr Gesicht verändern

Und, was vielleicht noch kaum einer auf der Rechnung hat, dieser „Bootsschuppen-Boulevard” in der Stadt Neubrandenburg – eine der attraktivsten Flaniermeilen am Rande des Kulturparks überhaupt – wird sein Gesicht verändern. Soviel steht fest, ganz sicher.

Denn bestimmt nicht jeder der Bootshaus-Besitzer und Wasserflächen-Pächter, die bislang hier in der seit 100 Jahren existierenden Anlage ihrem wunderschönen Hobby nachgingen, fängt noch einmal neu an. Weil der Mut fehlt oder sie zu alt sind oder – weil schlicht das Geld fehlt. Denn was und wie viel die Versicherungen zahlen, steht noch gar nicht überall fest. Und die Ankündigung aus dem Neubrandenburger Rathaus, das noch geklärt werden müsse, wer für die Beräumung aufkomme, macht wenig Mut.

Die Stadt ist Eigentümerin der Wasserflächen, die sie an die Nutzer der Bootsschuppen verpachtet. Die Aufbauten selbst gehörten den Wassersportlern. Eine sechsstellige Summe, so eine vorsichtige Schätzung, koste es, den völlig verdreckten Oberbach wieder in seinen alten Zustand zu versetzen. Welcher Bootsfahrer, dessen Gefährt verbrannt auf dem Grund liegt, kann sich das leisten, wenn die Versicherungen abwinken? Zumal, das ist auch so ein versicherungstechnisches Problem, der Verursacher noch immer nicht dingfest gemacht werden konnte. Denn die Polizei hat keine – selten hat die abgedroschene Redewendung besser gepasst – heiße Spur.

Bildet sich nun eine „Schuppenwehr”?

Dafür ein brennendes Problem. Denn mit jedem Tag, den der (oder die, aber an mehrere Täter glaube ich nicht) Brandstifter frei herumläuft, wächst die Angst am Oberbach. Und Angst ist ein schlechter Ratgeber, sowohl was den kritischen Blick auf die Polizeiarbeit betrifft („Die machen nichts”) als auch was eigenes Handeln betrifft. Denn was kann passieren, wenn sich hier eine eilends aufgebotene „Schuppenwehr” formiert, die sich vielleicht im Eifer des Gefechts und im Falle eines Falles zum Eingreifen provoziert sieht?

Man möchte nicht darüber nachdenken. Am besten also, die Ermittler schnappen den Kerl schnell. Doch vor zu viel Optimismus muss gewarnt werden. Denn auch jener, der im März in sehr kurzer Zeit sehr oft in nur einem Haus in der Neubrandenburger Oststadt gezündelt hat, sitzt noch nicht hinter Schloss und Riegel.

In Neubrandenburg kann es in diesen Wochen sehr hitzig werden.

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