Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
Neubrandenburg ist bei Muttermilch Vorbild für West-Kliniken

Die Spenden an Frauenmilch werden von Mitarbeiterinnen der Milchküche am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum nach strengen Kriterien geprüft.
Die Spenden an Frauenmilch werden von Mitarbeiterinnen der Milchküche am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum nach strengen Kriterien geprüft.
Mirko Hertrich

Gerade für Frühchen ist Muttermilch der beste Start ins Leben. In Neubrandenburg sorgt eine Sammelstelle dafür, dass für Säuglinge genügend Milch vorhanden ist.

Für die Kleinen in den Brutkästen ist bei ihrem verfrühten Start ins Leben jedes Gramm wichtig. Dass die Frühchen oder andere junge Patienten schnell an Gewicht zulegen und alles für ein Leben in Gesundheit bekommen, dabei hilft Milch von Mama oder notfalls von anderen Frauen. Dafür betreibt das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg eine im Nordosten noch weitgehend einzigartige Einrichtung.

„In unserer Frauenmilchsammelstelle wird im Bedarfsfall die Muttermilch von gesunden Müttern aus Neubrandenburg und der näheren Umgebung gesammelt“, sagt Dr. Sven Armbrust. Der Arzt leitet seit Anfang 2012 die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, zu der die Frauenmilchsammelstelle gehört. Die Spenden gehen in erster Linie an Frühgeborene, operierte Babys oder Säuglinge mit speziellen Formen einer Eiweißunverträglichkeit.

Muttermilch wirkt auch antibakteriell

Die Ernährung mit Muttermilch bringt viele Vorteile. „Da hat sich die Natur was ausgedacht“, betont der Kinderarzt zur Weltstillwoche 2018, die noch bis Sonntag läuft. Zwar werde mittlerweile auch „tolle Industrienahrung“ hergestellt, aber es gebe einfach Substanzen in der Milch, die sich nicht produzieren ließen. Als ein Beispiel für die anti-entzündliche und anti-bakterielle Wirkung von Muttermilch führt der Experte den Rückgang von Darmerkrankungen bei Frühchen an. In der Vergangenheit sei daran jedes fünfte zu früh Geborene erkrankt, mittlerweile liege der Anteil in einem niedrigen einstelligen Bereich.

Die Milch und auch andere Kindernahrung wird in Neubrandenburg von speziell geschulten Mitarbeiterinnen in der klinikeigenen Milchküche aufbereitet, in der strengste Anforderungen an Hygiene herrschen. „In anderen Häusern wird das teils in einer Ecke der Zentralküche gemacht“, gibt Armbrust zu bedenken. Auch die Gesundheit der Spenderinnen wird vorab genauestens geprüft. „Die Anforderungen sind genau so hoch wie bei Blutspenderinnen“, unterstreicht der Chefarzt.

Sammelstelle ist ein exklusives Ost-Produkt

„Spenden können Frauen, die täglich einen Milchüberschuss von 200 Milliliter und mehr haben“, erklärt Schwester Andrea aus der Milchküche. Die Spenden bekommt die Sammelstelle von Frühchenmuttis, aber auch von Frauen, die von den speziellen Stillberaterinnen gewonnen werden. „Mache lehnen bei Anfrage ab, andere sagen, ja gerne“, sagt Armbrust. Sind die Bestände knapp, wird teils auch Werbung gemacht. Für die Spende bekommen Frauen eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro pro Liter und auch Milchpumpen sowie Flaschen gestellt.

„Die Frauenmilchsammelstellen sind eigentlich ein exklusives Ost-Produkt“, sagt der Leiter der Kinder- und Jugendmedizin. Die Sammelstelle in Neubrandenburg ist seinen Angaben nach die größte in Nordostdeutschland. Mittlerweile erkenne man auch im Westen der Republik, dass das „eine tolle Sache ist“. Derzeit seien Sammelstellen in Dortmund, Passau und München in Betrieb. „Ein funktionierendes System wie in Neubrandenburg entwickelt sich dort aber nur langsam.“

Kommentare (1)

Bitte erklären sie mir was ist der unterschied von Muttermilch & Frauenmilch ????? [Anm.d.Red.: "Das Wort Muttermilch (lac maternum) ist recht neu und kam erst im Zusammenhang mit Stillkampagnen des 18. Jahrhunderts allgemein in Gebrauch, um die Mütter anzuregen, ihre Kinder selbst zu stillen, statt sie einer Amme zu übergeben. Muttermilch ist dem Begriff Frauenmilch untergeordnet, der auch für die Milch fremder Mütter steht. Früher wurde das Wort Weibermilch (lac muliebre) verwendet." (Quelle: Wikipedia, da grad kein Muttermilchexperte Dienst hat).