BASEBALLSCHLÄGERJAHRE

Neubrandenburg tat beim ersten Mal weh

Seinen ersten Aufenthalt in Neubrandenburg wird Nordkurier-Chefredakteur Jürgen Mladek nie vergessen. Hier berichtet er davon.
In Neubrandenburg kam es immer wieder zu rechtsextremen Ausschreitungen – dieses Foto entstand im Oktober 2002.
In Neubrandenburg kam es immer wieder zu rechtsextremen Ausschreitungen – dieses Foto entstand im Oktober 2002. Udo Zander (DPA-Archiv)
Neubrandenburg.

Ich war so Mitte 20 und Reporter in Berlin, als mein Chef mich in eine Stadt namens Neubrandenburg schickte. Dort sollte es angeblich eine Demonstration geben, auf der mit Nazi-Randale gerechnet werden musste. Am Bahnhof dieser für mich damals völlig fremden Stadt wurden mein Fotograf und ich dann Zeuge, wie ein Mann verprügelt wurde. Er sah ostasiatisch aus, und hier sah ich dann also zum ersten Mal das, was damals „Fidschis klatschen“ genannt wurde.

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Plötzlich tauchten Skinheads auf

Wir waren dann später in einem Cafe, den Namen weiß ich nicht mehr, der Laden wirkte irgendwie alternativ, wo man halt so hingeht, wenn man Mitte 20 ist und aus Berlin kommt.

Jedenfalls waren in diesem Cafe in Neubrandenburg Leute, die ebenfalls alternativ aussahen, es waren Einheimische, wie wir im Gespräch erfuhren, die sich entschieden von den rechtsradikalen Gruppen in ihrer Stadt abgrenzten. Und dann tauchten plötzlich Nazi-Glatzen vor dem Laden auf, sie schnappten sich Steine, der erste flog in die Fensterscheibe und wir rannten wie die Hasen, verfolgt von einer wahnsinnig gewordenen Wut-Horde.

Ich war jung, ich war schnell, mir ist damals nichts passiert. Und dann sind wir nach Berlin zurückgefahren und der Albtraum war in dieser wilden, chaotischen Zeit schnell vergessen. Aber ich dachte damals und tue das heute wieder auch an die Leute, die nicht einfach wegfahren konnten. Die Tag für Tag Angst haben mussten, dass so etwas wieder passiert, nicht nur in Neubrandenburg, sondern auch in Prenzlau, Anklam oder Malchin.

Wie denken die Opfer, Angehörigen und Täter von damals heute?

Ich würde auch gerne wissen, wie es für Eltern war, die erleben mussten, wie ihre Kinder zu brutalen rechtsradikalen Schlägern oder deren Opfern wurden. Und es würde mich auch interessieren, was die Leute, die mich damals gejagt haben, heute von der ganzen Sache halten.

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Kommentare (1)

in allen Ehren, Herr Mladek, aber leider haben Sie diese Erfahrungen nicht so geprägt, daß man Sie als einen entschiedenen Kämpfer gegen Rechtsextremisten bezeichnen könnte.
Sonst würden Sie durch ihre Berichterstattung, gerade auch über die Alternative für Dumme, diesen nicht weiter Sprachrohre anbieten.
Der Kampf gegen Rechts, der extrem wichtig und zukunftsweisend für Pommern und MV ist, findet unter Chefredakteur Mladek, leider ohne den Nordkurier statt...