STADTENTWICKLUNG

Wachstum in Neubrandenburg gerät ins Stocken

Drei Jahre in Folge konnte das Oberzentrum Neubrandenburg einen kontinuierlichen Einwohnerzuwachs verzeichnen. Dieser positive Trend ist jetzt gebrochen.
Tobias Holtz Tobias Holtz
Das Straßenbild verrät manchmal schon, was die Statistiker erst später merken. Die Neubrandenburger werden weniger und sie werden älter.  
Das Straßenbild verrät manchmal schon, was die Statistiker erst später merken. Die Neubrandenburger werden weniger und sie werden älter. Matthias Lanin
Neubrandenburg.

Es ist ein kleiner Wermutstropfen, der die Stadtverwaltung zum Jahresbeginn beschäftigt: Nach drei Jahren kontinuierlichen Einwohnerwachstums hat Neubrandenburg 2018 im Saldo nun wieder Bewohner verloren. „Derzeit leben 65.015 Frauen, Männer und Kinder in der Viertorestadt“, teilt Stadtsprecherin Anett Seidel am Dienstag auf Nordkurier-Anfrage mit. Das seien 160 Menschen weniger als noch im Vorjahr. Hauptgrund für diese Entwicklung sei die durch Überalterung gestiegene Zahl an Sterbefällen, die deutlich über der Geburtenzahl liege. So kamen im vergangenen Jahr in Neubrandenburg 503 Babys aus dem Stadtgebiet zur Welt. Demgegenüber belief sich die Zahl der Verstorbenen auf 783. Obwohl seit 2015 jährlich zwischen 3000 und 4000 Menschen, darunter viele ehemalige Dorfbewohner und Migranten, in der drittgrößten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns ihre neue Heimat finden, konnte der „Sterbeüberschuss“ von 280 durch diesen starken Zuzug nicht ganz ausgeglichen werden.

Um das etwas schwächelnde Bevölkerungswachstum wieder anzukurbeln und somit mehr Menschen nach Neubrandenburg zu locken, schafft die Stadt derzeit verstärkt Baugebiete, wie Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) erklärte. „Neubrandenburg soll weiter wachsen. Mein Ziel sind 70.000 Einwohner bis zum Jahr 2030“, hatte Witt bereits im Oktober vergangenen Jahres in einer „Bilanz zur Halbzeit“ seiner Amtsperiode gesagt. Unter dem Motto „Mehr Bühne fürs Leben“ sollen künftig nicht nur viele neue Wohnungen gebaut, sondern auch Spiel- und Freizeitplätze geschaffen werden. Zudem wolle man weitere Gewerbeflächen zur Ansiedlung von Betrieben erschließen und die Modernisierung der städtischen Schulen in Angriff nehmen, hieß es in der Neujahrsansprache des Oberbürgermeisters.

Stadt trotzt den Prognosen

Im Stadtgebiet Ost leben nach aktueller statistischer Erhebung mit 15  372  Einwohnern die meisten Neubrandenburger. Im Katharinenviertel sind es mit 3283 Menschen die wenigsten. Die Bevölkerungszahl in Neubrandenburg war lange Zeit rückläufig. In der ehemaligen DDR-Bezirksstadt lebten kurz nach der Wende rund 90.000 Einwohner. Dann setzte ein wahrhafter Abwanderungsstrom ein, der bis Ende 2014 nicht durchbrochen werden konnte. Rund 26.700 Menschen kehrten in diesem Zeitraum der Stadt den Rücken. Nach dem großen Aderlass entspannte sich die Situation allmählich. „Die Stadt hat in der Zwischenzeit an vielen Stellen ihr Gesicht verändert und ist schöner geworden“, weiß Oberbürgermeister Witt.

Obwohl es derzeit leichte Einbußen bei der Einwohnerzahl zu verzeichnen gibt, trotzt die Stadt den letztmalig im Jahr 2005 aufgestellten Prognosen des Landes zur Bevölkerungsentwicklung eindeutig. Damals wurde geschätzt, dass bis 2020 nur noch 53. 379  Menschen in Neubrandenburg leben. Angesichts des generellen Aufwärtstrends ist so ein drastischer Bewohnerrückgang innerhalb eines Jahres aber mehr als unwahrscheinlich.

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Kommentare (3)

mit dementsprechender Deutschen freundlichen Politik ließe sich dieser Trend ganz schnell umwenden - ist wohl nicht gewollt - - andere Länder verstehen es besser für ihre einheimische Bevölkerung zu sorgen !

Danke für die Info. Und was ergibt sich Ihrer Meinung daraus? Ein bisschen investigativer darf es schon sein. Diese Info kann ich mir auch ganz leicht aus dem I-net ziehen. Und was ganz schlimm ist, diese leicht zugänglichen Infos werden auch noch auf Papier gedruckt und dieses damit verschwendet. Danke Herr Holtz.

Welchen praktischen Gewinn hatte denn unsere Stadt durch den Zuwachs von einigen Tausend Auswärtigen in den vergangenen Jahren? Das kann mir niemand erklären. Es waren doch, wie jeder weiß, ganz überwiegend Leistungs e m p f ä g e r ! Sind denn spürbar mehr Arbeitsplätze und somit Leistungen für das Gemeinwohl entstanden? Was soll das Berauschen an Einwohnerzahlen? Wichtig ist doch, die Abwanderung der Leistungsträger zu verhindern und dafür tut die Stadt und die städtischen Einrichtungen unbestritten ja auch Einiges, siehe Wohnungsneubau, siehe Unterstützung von Kinderfreundlichkeit, Bildungslandschaft, Unternehmenspflege. Zahlen bedeuten da wenig.