NEUN TOTE

Gehäufte Krebs-Fälle bei der Feuerwehr Neubrandenburg

Retter der Feuerwehr leben gefährlich – nicht zuletzt wegen der Schadstoffe, denen sie ausgesetzt sind. Angesichts erschütternder Zahlen in Bezug auf die Krebs-Fälle bei der Berufsfeuerwehr will Neubrandenburg jetzt investieren.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Jeder Brand setze Stoffe frei, „die der Gesundheit nicht gut tun”, sagt Kreisbrandmeister Norbert Rieger.
Jeder Brand setze Stoffe frei, „die der Gesundheit nicht gut tun”, sagt Kreisbrandmeister Norbert Rieger. Felix Gadewolz
Neubrandenburg.

Die Stadt Neubrandenburg will im nächsten Jahr 200.000 Euro in die Ausrüstung der Berufsfeuerwehr investieren. Der Haushaltsposten sei damit gut doppelt so hoch wie in den vergangenen Jahren, bestätigte Rathaus-Sprecherin Anett Seidel auf Nordkurier-Nachfrage. Vorgesehen ist das Geld unter anderem für Reserve-Einsatzkleidung der rund 90 Berufsfeuerwehrleute sowie ein Fahrzeug für deren Transport.

Hintergrund sind erschütternde Zahlen: Seit 2003 seien insgesamt neun Feuerwehrleute der Berufswehr im Alter zwischen 50 und 60 Jahren an Krebs gestorben; drei weitere konnten nach langwierigen Erkrankungen wieder in den aktiven Dienst zurückkehren, weiß Oberbürgermeister Silvio Witt. Studien zufolge sind Krebserkrankungen die mit Abstand häufigste Todesursache von Feuerwehrleuten, weil die Einsatzkräfte häufig Schadstoffen ausgesetzt seien, die über die Kleidung durch die Haut in den Körper gelangen.

Erhöhte Schadstoffbelastungen bei Bränden

Nicht zuletzt die Entwicklung der Baustoffe führe zu erhöhten Schadstoffbelastungen bei Bränden. In Neubrandenburg und Umgebung hatten in den vergangenen Monaten mehrfach Brände auf Firmengeländen und Recyclinghöfen zu Gefährdungen geführt.

Ungeachtet dessen setze jeder Brand Stoffe frei, „die der Gesundheit nicht gut tun”, sagt Kreisbrandmeister Norbert Rieger. Brandrauch, Gase und Gifte könnten somit Ursache für die gehäuften Erkrankungen sein, auch wenn dies nicht wissenschaftlich nachweisbar sei. Auch Rieger kennt die Studien, in denen etwa vor allem Todesfälle bei Berufsfeuerwehrleuten kurz vor oder nach der Pensionierung untersucht wurden.

Reserve-Pool an Schutzkleidung

Die „Einsatzhygiene” bei der Konfrontation mit gefährlichen Stoffen werde daher auch regelmäßig in Schulungen des Kreisfeuerwehrverbandes besprochen. Das gelte für die Berufsfeuerwehr ebenso wie für die Freiwilligen Feuerwehren: Die Kommunen, denen die Verantwortung für den Brandschutz obliegt, seien aufgefordert, die Rettungskräfte in höchstmöglichem Maß zu schützen.

Dass bedeute nicht, dass für jeden Einzelnen zwei – jeweils mindestens 1000 Euro teure – Einsatzuniformen bereitgehalten werden müssen. Zur Verfügung stehen sollten dann aber zum Beispiel Trainingsanzüge, damit schadstoffbelastete Kleidung noch am Einsatzort gewechselt werden kann und nicht noch Fahrzeuge und Wache kontaminiert.

Daher werden Witt zufolge derzeit in Neubrandenburg der Reserve-Pool an Schutzkleidung und die entsprechende Lagerhaltung aufgebaut und die Reinigung der Schutzkleidung an der Wache im Ablauf verbessert. Zudem sollen selbstauflösende Einmal-Waschsäcke angeschafft werden, die schon an der Einsatzstelle die Schutzkleidung aufnehmen und mit in die Reinigung gehen. Bei der Beschaffung von Schutzkleidung sei darauf zu achten, dass sie auch Schutz vor krebserregenden Stoffen bietet.

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Kommentare (1)

Die Feuerwehr hat doch genügend Löschwasser im Tank. Warum wird nicht nach jedem Einsatz das Löschwasser kurz eingesetzt um die Sachen abzuspritzen? Neben der Bekleidung ist dann auch noch das Fahrzeug kontaminiert. Ihr solltet euch mal bei den Kameraden der Bundeswehr informieren, was da alles noch zu beachten ist!