NEUWOGES

Untreue-Vorwürfe gegen Neubrandenburgs Wohnungschef

Die Stadtvertreter sollen Neubrandenburgs Oberbürgermeister grünes Licht geben, um die Entlassung des Neuwoges-Chefs durchzusetzen. Es geht um Untreue, fehlendes Vertrauen – und letztlich 758 Euro.
Der Riss zwischen Oberbürgermeister Silvio Witt (rechts) und dem beurlaubten Geschäftsführer der städtischen Tochter Neuwoges, Frank Benischke, scheint tiefer denn je.
Der Riss zwischen Oberbürgermeister Silvio Witt (rechts) und dem beurlaubten Geschäftsführer der städtischen Tochter Neuwoges, Frank Benischke, scheint tiefer denn je. Nordkurier
Neubrandenburg.

Dem derzeit beurlaubten Chef der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges), Frank Benischke, droht eine außerordentliche, fristlose Kündigung und die unmittelbare Abberufung als Geschäftsführer. Dies sind zwei Forderungen von Oberbürgermeister Silvio Witt für die Sondersitzung der Neubrandenburger Stadtvertreter am kommenden Donnerstag, bei der als einziger (nichtöffentlicher) Tagesordnungspunkt eine „Geschäftsführerangelegenheit der Neuwoges“ auf dem Plan steht. Die Stadtvertreter sollen dem Oberbürgermeister zudem freie Hand geben, um diese Konsequenzen umzusetzen, geht aus der Vorlage der Verwaltung für die Ratsmitglieder hervor.

Vertrauen sei zerstört

Um sich zu diesem Thema eine Meinung zu bilden, können und müssen sich die Neubrandenburger Stadtvertreter also umgehend in die Vorwürfe einlesen, die der Oberbürgermeister als Vertreter des Neuwoges-Gesellschafters, der Stadt Neubrandenburg, aufführt. Benischke als Chef der städtischen Tochtergesellschaft werden Ungereimtheiten bei der Anmietung eines Konferenzraums des HKB-Turms angelastet. Der Verdacht der Untreue steht im Raum, zudem wird dem 56-Jährigen von Bürgermeister Witt Vertrauensbruch vorgeworfen.

Von 2016 bis 2019 soll der Raum in der siebten Etage des Kulturfingers mehrfach vom Stadtverband der Neubrandenburger CDU, dessen Vorsitzender Frank Benischke ist, angemietet worden sein – allerdings ohne dafür eine Nutzungsgebühr zu bezahlen. Dem Neuwoges-Chef wird vorgeworfen, diese Termine als Eigennutzung der Wohnungsgesellschaft deklariert zu haben. Allein für die Jahre 2018 und 2019 wird auf eine Mieteinnahme von 758 Euro verwiesen, die der städtischen Tochter so entgangen sein soll.

Die zur Disposition stehende Summe sei nicht als geringfügig anzusehen, macht Witt in dem Schreiben an alle Ratsfrauen und -herren deutlich. Zudem sei das Vertrauensverhältnis des Gesellschafters, also der Stadt, zum Vorsitzenden der Neuwoges-Geschäftsführung, nachhaltig gestört.

Beteiligte wollen sich nicht zu den Vorgängen äußern

Die Nachfrage einer SPD-Ratsfrau Anfang des Jahres nach einer Vermietungsstatistik für den HKB-Raum brachte offenbar den Stein ins Rollen. Das veranlasste auch die Stadtverwaltung, genauer hinzuschauen. Benischke habe jedoch zögerlich, erst nach mehrmaliger Aufforderung bis hin zur Klage-Androhung und bis heute nicht vollständig aufgeklärt, wann der Raum in den vergangenen Jahren von der Neuwoges an die örtliche CDU vergeben wurde, wird ihm vorgeworfen.

Am kommenden Mittwoch wird sich erst einmal der Aufsichtsrat der städtischen Wohnungsgesellschaft ein weiteres Mal mit den Vorwürfen beschäftigen, nach Nordkurier-Informationen prüft das Gremium derzeit die aufgeführten Verfehlungen.

Die Stadt gab auf Anfrage keine Auskunft zu dem Thema. Sprecherin Anett Seidel teilte mit, Inhalte aus nichtöffentlichen Vorlagen würden erst nach Beschlusslage öffentlich bekannt gegeben, soweit nicht das öffentliche Wohl oder berechtigte Interessen Einzelner dem entgegenstünden. „Wir werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Aussagen zu dem beschriebenen Sachverhalt machen.“

Frank Benischke als Betroffener verwies auf Nordkurier-Anfrage darauf, dass ihm diese nichtöffentliche Vorlage nicht vorliege und er deshalb zum Inhalt keinen Kommentar abgeben könne.

Egal, wie das Votum der Stadtvertreter am kommenden Donnerstag ausfällt – das Rathaus hält zur weiteren Aufklärung auch ein Einschalten der Staatsanwaltschaft für erforderlich. Bisher allerdings, so ergab eine Nordkurier-Nachfrage bei Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler, liegt bei der Ermittlungsbehörde noch keine Strafanzeige vor.

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Kommentare (9)

Das soll doch wohl ein schlechter Scherz sein ?? Da kauft dieser Bürgermeister für 100000 Euro einen Baum der völlig sinnlos im Gelände steht und will nun wegen fehlender Mieteinnahmen jemand entlassen ?? Wie krank ist das denn ?? Ich empfehle er sollte sofort seinen Koffer nehmen und gehen, tut er der Stadt auch einen gefallen und es besteht die Möglichkeit, dass es bei uns dann auch etwas voran geht. Ich habe zu diesem Mann nämlich auch kein Vertrauen.

Das Sie den Vorwurf nicht verstehen wundert mich nicht.

kann der Betrag nicht entscheidend sein. Es ist dann nicht mehr tragbar und muss entlassen werden.

Die 758 Euro sind in diesem Fall wahrscheinlich nur ein Vorwand.Der Bürgermeister wollte Benische loswerden und nun hat er einen Grund gefunden.

... ist doch egal. Das Vertrauen ist zerstört, ich finde die Reaktion etwas überzogen mit der sofortigen Beurlaubung, eine dauerhafte weitere Beschäftigung würde für mich, sollte sich der Vorwurf alles richtig herausstellen, auch nicht mehr in Frage kommen. Das ist Vetternwirtschaft und das geht nicht, aus.

kann ich den jetzt eigentlich zurückfordern? Weil ich das Geld ganz gut gebrauchen könnte, um ausreichend Masken von Trigema für uns zu kaufen. Müsste nicht eigentlich jeder Mieter der neuwoges diesen Betrag zurück bekommen, schließlich sind es ja fehlende Mieteinnahmen.
Was macht ihr eigentlich bis Trigema liefert, bei meiner Bestellung wurde ein Liefertermin im Juli angezeigt? Ich frage mich, ob ich bei einer Kontrolle im Bus auch den Bestellschein vorzeigen kann. Dann müsste ich den noch 6-mal kopieren.

Sie sollten besser zu Fuß gehen.

Auch für ihre Tiere gesünder. Spart ausserdem Kopierpapier 👍

wenn ich die Prinzessin in der Tasche trage, dann ist es ganz schön anstrengend, zu Fuß zu gehen und außerdem wie sieht das denn aus, wenn ich schwitzend durch die Straßen laufen muss. Kopierpapier hatte ich noch rechtzeitig mitgenommen, dass ist eigentlich kein Problem.

nicht unser Problem.