NEUER MOBILFUNKSTANDARD

Neubrandenburg wird erste „Open RAN City” Deutschlands

Offene Funkzugangsnetze sollen die Abhängigkeit Deutschlands von Huawei, Nokia und Ericsson mindern helfen. Neubrandenburg wird dabei bundesweiter Vorreiter.
Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern. Mit Open Ran wären die Schnittstellen zu weiteren Technik-Kom
Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern. Mit Open Ran wären die Schnittstellen zu weiteren Technik-Komponenten offen für andere Hersteller. Jens Büttner
Die Deutsche Telekom ist bei dem geplanten Modellprojekt in Neubrandenburg federführend.
Die Deutsche Telekom ist bei dem geplanten Modellprojekt in Neubrandenburg federführend. Oliver Berg
Neubrandenburg ·

Der neue Mobilfunkstandard Open RAN befindet sich derzeit noch im Frühstadium der Entwicklung. Doch die Stadt Neubrandenburg soll für ein Pilotprojekt noch in diesem Jahr zur „O-RAN-Town” ausgebaut werden. Das teilte die Deutsche Telekom mit, die als Iniatiatorin des Projekts noch in diesem Jahr die nötigen technischen Komponenten parallel zum bestehenden Hauptfunknetz errichten will.

Aber was genau ist Open RAN? Bestehende Funkzugangsnetze (Radio Access Network, RAN) sind immer direkt an die Technik der verschiedenen Hersteller gekoppelt. Das Fehlen von offenen und standardisierten Schnittstellen macht es schwer, Anbieter für die Software, die Antenne und die Basisstation des Funkzugangsnetzes zu mischen. Bei Open RAN soll das künftig anders sein, mehr Wettbewerb und eine schnellere Entwicklung im Mobilfunk wäre die Folge.

Deutsche Telekom arbeitet mit Nokia zusammen

Wie wichtig das auch für die Telekom wäre, zeigt sich daran, wie sehr der deutsche Kommunikations-Riese derzeit vom chinesischen Ausrüsters Huawei abhängig ist. Laut der auf die Mobilfunkbranche spezialisierten dänischen Beraterfirma Strand Consult besteht das Telekom-Netz in Österreich, Tschechien und den Niederlanden zu 100 Prozent aus Huawei-Komponenten, in Polen immerhin noch zu 70 Prozent, in Deutschland zu 65 Prozent.

„Open RAN hat erheblich an Dynamik gewonnen” sagt Telekom-Technikvorstand Claudia Nemat. „Die technischen Standards und Schnittstellen zielen auf ein offenes und vollständig interoperables RAN – für noch bessere Kundenerlebnisse in unseren Netzen. Ich freue mich insbesondere, dass wir mit Nokia auch einen starken europäischen Partner für unsere Zusammenarbeit bei O-RAN gewinnen konnten.“

Auch Fujitsu, NEC, Dell und Mavenir mit im Boot

Neben Nokia sind für das Modellprojekt am Tollensesee auch japanische (Fujitsu, NEC) und amerikanische Unternehmen (Dell, Mavenir) mit im Boot, die die nötige Technik liefern sollen. Das Neubrandenburger Open-RAN-Netz soll bis zu 150 Zellen umfassen und offenes RAN in eine echte 4G- und 5G-Netzwerkumgebung bringen, hieß es von einem Telekom-Sprecher.

Das Modellprojekt soll bis 2022 laufen. Ist es erfolgreich, könnte der flächendeckende Ausbau in Deutschland folgen. Die Open-Ran-basierten 5G-Netze würden dann parallel entstehen, mit dem Hauptnetz verbunden werden und es nach und nach ersetzen. Flächendeckend kann mit Open Ran außerhalb von Neubrandenburg also erst in ein paar Jahren gerechnet werden.

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Kommentare (2)

Netter Pitch aber wer 30 Jahre den Wettbewerb um die Postleitungen verzerrt hat, der greift auch ohne Probleme die Staatsknete für F&E ab, um einen neuen, proprietären Standard zu entwickeln. Die Telekom und Opensource, das ist wie FC Bayern und Sternburg trinken.

das Europa mal bei der Technik mitspielt.