CORONA UND DIE KINDER

Neubrandenburger Chefarzt kritisiert Corona-Regeln in Schule und Kita

Verbreiten Kinder das Coronavirus besonders stark oder sind sie der beste Puffer? Der Chefarzt der Kinderklinik in Neubrandenburg gibt eine klare Antwort – und sagt, was Kinder in der Corona-Krise wirklich belastet.
Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Neubrandenburger Kinderklinik, fordert, die Corona-Regeln an Schulen zu lockern.
Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Neubrandenburger Kinderklinik, fordert, die Corona-Regeln an Schulen zu lockern. Andreas Becker
Neubrandenburg ·

Es ist das Reizthema in diesen Tagen und Wochen. Die Diskussion zu den Öffnungen der Schulen und Kitas sowie die Wiedereinführung des Regelbetriebs – Mamas, Papas, Omas, Opas, Lehrer, Erzieher, Mediziner und natürlich Politiker debattieren sich die Köpfe heiß. Kontrovers, emotional – immer wieder. Sven Armbrust, langjähriger Chef der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum, mahnt zur Besonnenheit und fürchtet zugleich, dass „uns in der Corona-Krise die Diskursfähigkeit ein wenig abhandengekommen ist. Der Absolutheitsanspruch, den manche für sich reklamieren, schadet der Diskussion“.

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Armbrust hält sich an die aktuellen Fakten – und die sind aus seiner Expertensicht bisher eindeutig. In etlichen Studien und Untersuchungen habe sich länderübergreifend gezeigt, dass es kein Problem ist, Schulen und Kitas komplett und weitgehend normal im Regelbetrieb laufen zu lassen. Ohne jede Maskenpflicht. Seit März hätten sich lediglich 0,018 Prozent der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Coronavirus infiziert. „Kein Kind musste in MV in einem Krankenhaus behandelt werden“, macht der 50-Jährige deutlich. Armbrust lehnt auch das oft zitierte Argument ab, Kinder seien sogenannte „Superspreader” – also Katalysatoren bei der Verbreitung des Virus. „Nein“, sagt Armbrust unmissverständlich. „Kinder sind der beste Puffer, um Corona zu vermeiden.“

Unreifes Immunsystem ist bestens gerüstet für Bekämpfung von Corona

Der Arzt erklärt: „Das Immunsystem der Kinder ist noch unreif – es muss permanent lernen und ist unspezifisch und extrem breit aufgestellt. Und damit offensichtlich bestens gerüstet, um das Coronavirus erfolgreich zu bekämpfen.“ Dagegen sei das Immunsystem der Erwachsenen wesentlich sortierter und spezialisierter entwickelt. Mit der Folge, dass das neue Coronavirus eine Überreaktion des Immunsystems auslösen könne – und das ganze Milieu attackiert werde. Das wiederum könnte eine Spur der Verwüstung im Körper hinterlassen. „Das Coronavirus wird vom Kind aus nicht relevant übertragen – die Erwachsenen sind die potenziellen Überträger. Und deshalb sollten die Lehrer und andere Mitarbeiter in Schulen und Kindergärten einmal die Woche getestet werden“, schlägt Armbrust vor. Dabei erwähnt er auch einen wichtigen Unterschied zwischen Corona- und Grippeviren. Denn bei Letztgenannten seien die Kinder wirklich die Superspreader.

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Machen den Kindern die Coronaviren rein körperlich zumeist nicht viel aus, so befürchtet Armbrust eventuelle Folgen für die Kinder-Seelen. „Die Mädchen und Jungen bekommen natürlich mehr oder weniger bewusst mit, dass sich im Umgang in der Familie, mit Freunden und Bekannten etwas ändert. Plötzlich sollen die Kinder eine Maske tragen, plötzlich darf die Omi nicht mehr besucht, geschweige denn gedrückt werden, plötzlich sehen Kinder Angst, Sorgen, Nöte in den Augen der Eltern – Kinder spüren dies alles, und es belastet ihre Psyche.“

„Die Schulen offen lassen – und wenn Fälle auftauchen, punktuell reagieren”

Parallel seien die Kinder wütend und traurig, dass sie nach und nach aufgrund von Corona-Regeln soziale Kontakte verlieren könnten. Deshalb sagt der Kinderarzt: „Lasst unsere Kinder ganz normal ihr Leben leben. Die Normalität ist ihr bester Schutz.“ Armbrusts Appell: „Die Schulen offen lassen – und wenn Fälle auftauchen, punktuell reagieren.“

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Noch nicht abschließend bewerten möchte der Arzt die möglichen Missbrauchsfälle, die sich in den Corona-Monaten hinter so mancher Familientür abgespielt haben könnten. Keine Kita, keine Schule, häusliche Quarantäne – „es gibt noch keine belastbaren Zahlen, was das Thema Gewalt in Familien angeht“, sagt Armbrust. Es sei natürlich aber höchst problematisch, wenn gerade in eher bildungsfernen Schichten die Glotze in dieser Zeit die einzige Bildung darstelle.

Beobachtet haben die Mediziner in der jüngeren Vergangenheit auch, dass sich viele potenzielle Patienten nicht mehr zum Arzt trauen – aus Angst vor einer möglichen Ansteckung. „Viele haben durchaus Beschwerden, warten dann aber zu lange – das kann gefährlich sein“, warnt Armbrust.

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Kommentare (13)

👍 Sehr vernünftiger Mann! Hoffentlich findet er bei Queen Schwesig und ihrem Gefolge mal Gehör!

Keine Theateraufführung zu Lasten unserer Kinder.

Bei den geringen Fallzahlen können wir uns das derzeit ohne Probleme leisten. Schweden beweist es uns jeden Tag das es funktioniert. Der Schaden durch Maskenpflicht ist bei weitem größer als ohne Maske. [Frage d. Red.: Hätten Sie da eine Quelle für Ihre Behauptung für die Leserschaft und uns? Vielen Dank]
Zumal das Coronavirus auch mit Maske verbreitet wird.
2009 hat diese Bundesregierung nichts unternommen, als 25.000 Bürger im Land einfach vor unseren Augen weggestorben sind. [Frage d. Red.: Wo sind 2009 "vor unseren Augen" Menschen weggestorben?]
Auch bei Jugendlichen gab es damals schwere Verläufe auf den Intensivstationen. Eine Nachuntersuchung so wie in anderen Ländern findet dazu bis heute nicht statt. Noch nicht einmal das Wort Pandemie und Schweinegrippe wurde damals verwendet. Heute leben wir in einer Corona-Diktatur, die nach Planung von Herrn Gates noch bis Ende des nächsten Jahres fortgesetzt werden soll. [Diese "Diktatur-Planung" muss wohl leider in der Corona-Berichterstattung untergegangen sein. Hätten Sie da eine Quelle für Ihre Behauptung für uns? Die Redaktion dankt]
Ein Impfstoff ist bereits vorhanden, Russland hat ihn aber der Westen will davon nichts hören. Der Bürger wird im kommenden Jahr keine andere Wahl haben, als wie den toxischen Gen-Impfstoff von Herrn Gates zu nehmen.
[Wären Sie so freundlich und könnten Sie uns bitte Ihre Informationen für diesen vermeintlichen "Gates"-Impstoff schicken? Vielen Dank – die Red.]
Im diesen Sinn kommt am 29. August mit nach Berlin und fordert dort eure Freiheit ein!

Sich bitte Hilfe

Wir sehen uns✌

Hier wird aber auch viel als Unsinn angesehen, weil den Leuten nicht die nötige Kompetenz zur Beurteilung zugesprochen wird. Wodurch hat ein Bill Gates denn diese Kompetenz? Ihm wird aber Werbezeit während der Tagesschau gewährleistet. Er spricht von 7 Milliarden Impfdosen, die benötigt werden. Es gibt kaum ein Pharmaunternehmen, an dem Bill Gates nicht beteiligt ist. Wer ist der größte Spender der WHO? Wer hat den Einsatz des Drosten PCR-Tests empfohlen? Klar ist alles was man daraus folgert Theorie. Muss man auf den Beweis warten, bis man das hinterfragen darf?

Top Kommentar..
Nur der NK nervt mit dem dazwischen geschrieben ..

Finde ich nicht. Ganz im Gegenteil!

Bitte nur soweit aus dem Fenster lehnen das man nicht fällt - In gewissem Sinne gebe ich Ihnen aber Recht und zwar auf Basis der Gelder welche wir für andere Nationen, Wirtschaftsflüchtlinge, politische Organisationen, Arbeitsplätze + Ämter für gelungene Migration/Integration von Landes bis in Regierungsebenen usw. sinnlos verballern - incl. unsere überzogenen Steuern und Abgaben - ich bin überzeugt das Problem Corona könnte längst gelöst sein - durch Zeit gemäße Investitionen

Die Ausländer sind schuld!!!

Sie sind Schuld...

fast überall auf der Erde.
Außer man kommt von Vulkan oder Neu-Vulkan, dann ist man sogar außerirdisch.

Auch der Chefvirologe der Uni Bonn fordert ein Strategiewechsel. Der Grund liegt auch auf der Hand. Falls überhaupt mal ein Impfstoff gefunden wird, ist er wahrscheinlich so zuverlässig wie der Grippe-Impfstoff. Das heisst die Einschränkungen die wir zurzeit haben, werden eine Dauereinrichtung.

Hier der link zum Bericht :

https://www.welt.de/gesundheit/article215584276/Hendrik-Streeck-Bei-der-Bewertung-nicht-auf-Infektionszahlen-beschraenken.html