Das Hochhaus-Ensemble Neustrelitzer Straße 49 bis 109 steht jetzt in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz.
Das Hochhaus-Ensemble Neustrelitzer Straße 49 bis 109 steht jetzt in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz. Susanne Schulz
Wohnungsbau

Neubrandenburger DDR-Plattenbauten unter Denkmalschutz

Neubrandenburg war eine „sozialistische Musterstadt”, also seien die Plattenbauten auch schutzwürdig, heißt es in der Begründung. Wie gefährdet sind geplante Modernisierungen?
Neubrandenburg

Ein ganzer Gebäudekomplex in der Neubrandenburger Südstadt steht künftig unter Denkmalschutz. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege habe dem Komplex Neustrelitzer Straße 49 bis 109 sowie Geschwister-Scholl-Straße 1a den Status eins Denkmals zugebilligt, bestätigte Oberbürgermeister Silvio Witt am Donnerstag. Gewürdigt werde damit die weitgehend unverändert erhaltene Anlage von Elf- bis Vierzehngeschossern samt Kaufhalle und Kindereinrichtung als exemplarisch für die Bauweise in den letzten beiden Jahrzehnten der DDR.

„Besondere städtebauliche Qualität”

Bereits seit 2017 hatten Stadtplaner und Denkmalschutzbehörden diskutiert, wie dieses in seiner Gesamtheit besondere Ensemble mit rund 1100 Wohnungen geschützt werden könne. Auch eine Erhaltungssatzung war erwogen worden, weil das große Wort Denkmalschutz heftige Debatten und Besorgnisse ausgelöst hatte. Das Votum der Landesbehörde bescheinigt dem Straßenzug indessen „besondere städtebauliche Qualität” sowie „hohen baugeschichtlichen und künstlerischen Wert” – bezogen auf die prägenden Elemente der Wohnungsbauserie (WBS) 70 sowie die Fassadengestaltung durch großflächige Wandbilder.

Die formatfüllenden Ornamente sind denn auch der „Knackpunkt” für die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft Neuwoba, die in der Neustrelitzer Straße noch umfassende Sanierungsarbeiten plant. Denn um die Wandbilder unangetastet zu lassen, müssen kluge Lösungen für die Fassadendämmung gefunden werden, sagte Witt. Bis Ende März wolle die Neuwoba ein Sanierungskonzept vorlegen, dass dann mit den Denkmalschutz-Auflagen abgestimmt werden könne.

Neubrandenburg als „sozialistische Musterstadt”

Die von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft Neuwoges bereits vorgenommenen Modernisierungen werden durch den Denkmalstatus nicht in Frage gestellt, so der OB weiter. „Nicht muss zurückgebaut werden.”

Angesichts vieler emotionaler Diskussion um den Frage, was denn an DDR-Plattenbauten denkmalwürdig sei, verweist Witt auf die einstige Rolle Neubrandenburgs als „sozialistische Musterstadt”. Im Unterschied zu Städten mit gut erhaltener historischer Bausubstanz machten Wohngebäude aus DDR-Zeiten zu Wendezeiten rund 90 Prozent des gesamten Bestandes aus, heute noch 60 Prozent. Jene Jahre seien somit die städtebaulich prägendste Zeit. „Das rasante Wachstum zu dokumentieren, hat nichts mit Ideologie zu tun”, findet der OB.

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