Bundesliga

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Neubrandenburger feiert irres Box-Debüt

Ungewohntes Terrain für Stephan Kreienbrink (blaues Trikot). Der Neubrandenburger Kickboxer traf im Boxring in der Landeshauptstadt auf den Weißrussen Yan Sudzilouski.
Ungewohntes Terrain für Stephan Kreienbrink (blaues Trikot). Der Neubrandenburger Kickboxer traf im Boxring in der Landeshauptstadt auf den Weißrussen Yan Sudzilouski.
Peter Krüger

Ein Neubrandenburger Ex-Kickboxer feierte am Wochenende ein überraschendes Bundesliga-Debüt. „Dafür muss man schon Eier haben”, sagt der Cheftrainer der Schweriner „Traktoristen“.

Die meisten der knapp 1000 Zuschauer in der Schweriner Palmberg-Arena staunten, als zum letzten Kampf des Abends ein Mann namens Stephan Kreienbrink in die blaue Ringeecke gerufen wurde. In jene Ecke, die dem Gastgeber und Zweitplatzierten der Box-Bundesliga (Staffel Nord) BC Traktor Schwerin gehört. Stephan Kreienbrink? An und für sich wandert dort doch immer ein stolzer Ukrainer mit dem wohlklingenden Namen Viktor Vykhryst hin, vermöbelt kurz seine Gegner und verschwindet stetig als Sieger aus dem Ring.

Keine Einigung mit Alternativen

Doch Vykhryst, immerhin Amateur-Europameister im Superschwergewicht und in Fachkreisen als „der neue Klitschko“ gefeiert, war nicht da. „Viktor musste kurzfristig zur ukrainischen Nationalmannschaft“, so Ex-Boxweltmeister Sebastian Zbik – aktuell Cheftrainer der Schweriner „Traktoristen“.

Somit hatten die Landeshauptstädter ein mittelschweres Problem. „Wir haben im Laufe der Saison schon die erlaubte Anzahl von sechs Einfliegern (Boxer, die nicht aus Deutschland kommen/Anm. d. R.) eingesetzt“, so Schwerins Sportdirektor Paul Döring, „daher konnten wir nur noch auf deutsche Boxer zurückgreifen“. Und jene sind gerade in der Gewichtsklasse „Superschwergewicht“ (+91 kg) ziemlich rar.

Und mit den Wenigen, die eventuell für einen Einsatz zur Verfügung hätten stehen können, zerschlugen sich schnell die Verhandlungen. So erinnerte sich der ehemalige Weltklasse-Boxer Zbik an seinen Neubrandenburger Kumpel Stephan Kreienbrink. Das einzige Problem. Kreienbrink ist Kickboxer. Doch eigentlich auch (mittlerweile) wieder nicht.

Knapp 14 Jahre stieg der Inhaber einer Werbe- und Eventagentur als Kampfsportler des First Fight Team Neubrandenburg in den Käfig, wurde mehrfach Deutscher Meister im Kickboxen und K1, ehe er sich Anfang März erstmals beim klassischen Boxen ausprobierte. Mit Erfolg, wie sich beim Debütkampf gegen den ebenfalls ehemaligen Kickboxer Andre Agbobly herausstellen sollte.

Nur zehn Tage Vorbereitung

Nun also kam der Anruf aus der Landeshauptstadt, „ob ich mir einen Bundesligakampf gegen Hertha BSC vorstellen konnte“. Kreienbrink schluckte kurz und antwortete: „Ja, klar!“ Eine Antwort, die fortan einen gewaltigen Wettlauf gegen die Zeit bedeutete. Denn zehn Tage Vorbereitung auf einen kräftezehrenden Bundesliga-Fight sind nicht gerade viel. Im Gegenteil.

„Mir war es aber egal, für mich ist es eine Riesenehre gewesen, für diesen Traditionsverein in den Ring steigen zu dürfen“, so Kreienbrink, der sofort nach dem Anruf mit dem Sparring und somit mit dem gezielten Training auf diesen Kampf begann. Gegner war dann der Weißrusse Yan Sudzilouski, vom Typ her ein britischer Hooligan der 80er-Jahre. Ein unbequemer zudem. „Ich wusste schon, dass es für mich sehr schwer werden würde, doch dieser Kampf war für mich eine geile Erfahrung“, so Kreienbrink, der als Boxer erstmals über drei Runden a drei Minuten gehen musste.

In diesen drei Runden versuchte der Neubrandenburger „so wenig wie möglich einzustecken, aber auch selbst Treffer zu setzen“. Dieses gelang recht gut, auch wenn am Ende des Kampfes der Sieger in der roten Ringecke stehen sollte. „Stephan hat das gut gemacht. Ein Riesendank an ihn. Mit so wenig Erfahrung und so kurzer Vorbereitungszeit in den Ring zu steigen, dafür muss man schon Eier haben“, schwärmte Sebastian Zbik dennoch von seinem Schützling. Und diese Eier hatte Kreienbrink.