CORONAVIRUS

Neubrandenburger Fitnessclubs erwarten Klagewelle gegen den Lockdown

Fitnessstudios und Gesundheitszentren müssen wieder schließen, obwohl sie das Immunsystem ihrer Kunden stärken. Nun planen die ersten rechtliche Schritte gegen die Verordnung.
„Durch den Lockdown ist Weihnachten vielleicht gerettet, aber was ist im Januar?“, fragt Rüdiger Otto.
„Durch den Lockdown ist Weihnachten vielleicht gerettet, aber was ist im Januar?“, fragt Rüdiger Otto. André Bleckmann
Johann Dell empfindet den erneuten Lockdown der Fitness-Branche als „unangemessenes Hinterhertreten“.
Johann Dell empfindet den erneuten Lockdown der Fitness-Branche als „unangemessenes Hinterhertreten“. André Bleckmann
Neubrandenburg ·

Angesichts des erneuten Corona-Lockdowns ist Johann Dell vom MaxxGym in Neubrandenburg fassungslos. „Man hat uns nicht nur ein Bein gestellt, sondern auch noch hinterher getreten.“ Das letzte Wort mit Blick auf den Lockdown im November scheint für Dell noch nicht gesprochen: „Das Recht auf Berufsausübung steht über der Verordnung. Aus diesem Grund werden wir alle rechtlichen Schritte in Angriff nehmen, um unseren Mitgliedern das Training so schnell wie möglich zu ermöglichen“, sagt er. Ob die Sporthäuser noch länger geschlossen bleiben müssen, bleibt abzuwarten. Der erneute Lockdown für die gesamte Branche sei derart unbegründet und unverhältnismäßig, dass er vor einem Gericht keinen Bestand haben kann, prophezeit auch Rüdiger Otto, der den gleichnamigen Sportpark in Neubrandenburg betreibt. „Ich erwarte eine Klagewelle.“

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Reha-Sport ist immens wichtig

Im Fitnessclub sei häufiger desinfiziert worden als sonst üblich. Die Abstände zwischen den Geräten wurden vergrößert. Wenn das nicht möglich war, wurden Geräte gesperrt. Über die Zugangskarte sei eine Kontaktnachverfolgung jederzeit gesichert. Zudem wurden die Öffnungszeiten verlängert, damit sich die Kontakte reduzieren. Man habe sogar mehr Maßnahmen umgesetzt, als behördlich verlangt wurde, so Dell. Als Beispiel nennt er das kostenlose Fiebermessen.

Dass ausgerechnet die Fitnesscenter im November erneut schließen müssen, ist für ihn nicht nachvollziehbar. „Unsere Mitglieder fördern ihre Gesundheit und stärken ihr Immunsystem. Ich dachte immer, man würde uns eher unterstützen“, so Dell. Ebenfalls nicht nachvollziehbar sei für ihn, warum etwa Physiotherapeuten weiterarbeiten dürften, während er schließen muss. „Einige Mitglieder kommen hierher zum Reha-Sport. Die müssen regelmäßig ihre Übungen machen, sonst sind die Fortschritte in kurzer Zeit dahin.“

Noch kein einziger Infektionsfall

„Nicht nachvollziehbar.“ Dieses Statement geht auch Rüdiger Otto häufiger über die Lippen, wenn er über den erneuten Lockdown spricht. „Wir haben viele Kunden aus der Risikogruppe, zum Beispiel mit Herzproblemen“, sagt Otto. Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und Abstandhalten sind dann besonders wichtig. „Wir haben ein großes Haus und konnten die Geräte weit auseinanderziehen. Nun sollen wir schließen, aber im Bus stehen die Menschen dann eng auf eng?“ Beim Bekämpfen der Pandemie solle man sich doch besser auf die Infektionsherde konzentrieren. Im Sportpark habe es hingegen noch keinen einzigen Infektionsfall gegeben, sagt er.

Die Sportstudios wollen den Kontakt zu ihren Mitgliedern aber nicht abreißen lassen. „Wir müssen schließen, aber wir sind die ganze Zeit telefonisch erreichbar und informieren weiterhin per Mails und die sozialen Netzwerke.“, so Johann Dell.

Für jene, die das Training in der eigenen Wohnung fortsetzen möchten, werden zudem zahlreiche Übungen online angeboten. Doch aus der jüngsten Erfahrung weiß Rüdiger Otto, dass dies kein wirklicher Ersatz für das Training im Fitnessclub ist: Einige Mitglieder nutzen das Angebot, aber für viele sei das nichts. „Wir haben damals gemerkt, wie glücklich die Menschen waren, wieder richtig Sport treiben zu können.“

 

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