Oberbürgermeister Silvio Witt (3. v. l.), Stadtpräsident Kuhnert (4. v. l.) und AG-Leiterin Rita Lüdtke (links)
Oberbürgermeister Silvio Witt (3. v. l.), Stadtpräsident Kuhnert (4. v. l.) und AG-Leiterin Rita Lüdtke (links) gedachten mit den anderen Gästen den Opfern. Pablo Himmelspach
Mehrere Blumenkränze wurden zum Gedenken an die unschuldigen Opfer niedergelegt.
Mehrere Blumenkränze wurden zum Gedenken an die unschuldigen Opfer niedergelegt. Pablo Himmelspach
Fünf Blumenkränze wurden vor den Kreuzen der Opfer niedergelegt.
Fünf Blumenkränze wurden vor den Kreuzen der Opfer niedergelegt. Pablo Himmelspach
Dieter Dombrowski von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) erinnerte an das aktive Verschw
Dieter Dombrowski von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) erinnerte an das aktive Verschweigen zu DDR-Zeiten. Pablo Himmelspach
Geschichte

Neubrandenburger gedenken Opfern des Lagers Fünfeichen

Eine Gedenkveranstaltung erinnerte an die Verbrechen, für die das Lager Fünfeichen steht. Zunächst nutzen es die Nazis, später die sowjetische Geheimpolizei.
Neubrandenburg

Inmitten raschelnder Blätter und hoher Bäume haben etwa hundert Menschen den Opfern des Lagers Fünfeichen gedacht. Die Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen hatte am Samstag, 17. September, zu einer Gedenkveranstaltung in Neubrandenburg eingeladen.

Leiterin Rita Lüdtke mahnte während ihrer Begrüßungsrede dazu, sich an die Gewalt zu erinnern. Da Gewalt immer noch existiere, bleibe die Aufarbeitung der Vergangenheit eine bedeutungsvolle Aufgabe. „Die Natur deckt liebevoll die Schande des Lagers zu, aber die Menschen dürfen sie nicht vergessen. Es bleibt dabei: Vergeben, ja. Vergessen, niemals”, sagte Rita Lüdtke.

Verbrechen der sowjetischen Geheimpolizei

Neben Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos), Stadtpräsident Jan Kuhnert (Die Linke) sowie Vertretern des Landkreises und der Bundeswehr, war auch Dieter Dombrowski von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) anwesend. Er erinnerte in seiner Rede daran, wie zu DDR-Zeiten niemand über die Verbrechen der sowjetischen Geheimpolizei sprechen durfte. „Das macht mich so betroffen. Heute können und müssen wir darüber reden”, sagte Dombrowski.

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Während der DDR-Zeit sei der Schein gewahrt worden, der ganze Staat habe mit Unrecht nichts zu tun. Man habe habe aus politischen Gründen aktiv verschwiegen. „In der Schule haben wir auch nichts von den jüdischen Opfern in den Konzentrationslagern gehört, weil dem Staat Israel keine Opferrolle zugestanden werden sollte. Ich frage mich oft, warum man die Menschen so belogen hat”, sagte Dieter Dombrowski.

Lager war einst Kriegsgefangenenlager

An der Veranstaltung nahmen zudem vier ehemalige Insassen des Lagers teil. Mit über 90 Jahren reisten sie aus Schleswig Holstein und Mecklenburg-Vorpommern an. Von den Besuchern wurden sie mit Applaus begrüßt. Im Anschluss an die Reden und die Kranzniederlegung vor den Kreuzen der Toten, nahmen etwa 80 Personen an einem Rundgang über das Gelände teil.

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Fünfeichen diente seit 1939 den Nationalsozialisten als Kriegsgefangenenlager. Bis zum Kriegsende wurden rund 120 000 Menschen aus elf Ländern gefangen gehalten – etwa 5000 starben. Nach 1945 wechselten die Befehlshaber und statt ausländischer Soldaten wurden ehemalige Nazi-Funktionäre und mutmaßliche Kriegsverbrecher vom sowjetische Geheimdienst dort eingesperrt. Bis 1948 starben weitere 15 000 Menschen.

Die Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen kümmert sich seit dem Ende der DDR um die Aufarbeitung des Geschehenen. Zum Anlass der 75-jährigen Schließung des Lagers, veranstaltet die AG am 23. September des kommenden Jahres ein Wohltätigkeitskonzert mit der Bundeswehr in der Konzertkirche.

 

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