An die Schicksale tausender Zwangsarbeiterinnen im einstigen KZ-Außenlager Waldbau erinnert das Zeitlupe-Engagement mit
An die Schicksale tausender Zwangsarbeiterinnen im einstigen KZ-Außenlager Waldbau erinnert das Zeitlupe-Engagement mit diesen Land-Art-Skulpturen der Künstlerin Imke Rust. zeitlupe
Jüdische Geschichte

Neubrandenburger Geschichts-Projekt ausgezeichnet

Die Geschichtswerkstatt ist einer von sechs Preisträgern aus ganz Deutschland. Angetan zeigte sich die Jury vor allem von der Vielfalt der Angebote für junge Leute.
Neubrandenburg

Die Neubrandenburger Geschichtswerkstatt „Zeitlupe” erhält in diesem Jahr den Obermayer Award, der für herausragendes Engagement zur Bewahrung jüdischer Geschichte und zur Bekämpfung von Vorurteilen in der heutigen Zeit vergeben wird. Das Projekt aus der Vier-Tore-Stadt ist einer von sechs Preisträgern aus ganz Deutschland, teilten die Ausrichter am Mittwoch mit. Die Preisverleihung wird am 25. Januar – gewidmet dem Internationalen Holocaust-Gedenktag – aus dem Berliner Abgeordnetenhaus übertragen.

Die Lupe auf die Vergangenheit zu richten, ist Anliegen des Projekts „Zeitlupe – Stadt, Geschichte & Erinnerung”, das sich in Angeboten für junge Leute vor allem mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Gegründet vor fünf Jahren, sei es im Vergleich zu anderen Preisträgern ein noch junges Format, weiß Projektleiterin Constanze Jaiser. Die Jury habe sich jedoch beeindruckt gezeigt von der Vielfalt der Ideen.

So verweist die Begründung der Juroren etwa Veranstaltungen und Unterrichtsformate mit Fokus auf jüdischer Geschichte und der Geschichte anderer verfolgter Gruppen in der Region; auf Programme zum Neubrandenburger Außen- und Zwangsarbeitslager des KZ Ravensbrück oder auf eine Projektwoche mit Auszubildenden aus Gesundheitsberufen über die medizinischen Experimente an Häftlingen. Zu den „Zeitlupe”-Initiativen gehören auch Bemühungen um die Gestaltung des einstigen KZ-Außenlagers Waldbau als Gedenkort oder thematische Stadt-Touren mit der App Actionbound.

Weiterlesen: Waldbaulager in Neubrandenburg – Erinnerung an Häftlingsfrauen

Preis gibt es seit dem Jahr 2000

„Zeitlupe setzt auf Geschichtsvermittlung durch Projekte, die einen direkten Bezug zur Lebenserfahrung der teilnehmenden Jugendlichen und Erwachsenen herstellen”, resümiert die Jury. Ein Preisgeld ist mit der Auszeichnung nicht verbunden, jedoch die Produktion eines professionellen Kurzfilms über die Arbeit der Initiative. Zudem freuen sich die Neubrandenburger, dass die Ehrung auf Mecklenburg-Vorpommern ausstrahlt und das Projekt überregionale Aufmerksamkeit finde.

Weitere Obermayer Awards gehen in diesem Jahr an den Erinnerungsort Badehaus in Wolfratshausen (Bayern), den pensionierten Lehrer Josef Wißkirchen aus Pulheim (Nordrhein-Westfalen), Shlomit Tripp und ihr mobiles Puppentheater Bubales aus Berlin, den Förderkreis Synagoge Laufersweiler (Rheinland-Pfalz) sowie den Verein Treibhaus aus Döbeln (Sachsen) vergibt. Sie alle seien „Vorbilder – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, in denen man sich bemüht, ein Vermächtnis von brutalem Rassismus und Diskriminierung zu überwinden“, so Joel Obermayer, Geschäftsführer der Organisation Widen the Circle, die die Awards verwaltet. Besonders freue er sich, dass so viele der Preisträger mit jungen Menschen arbeiten: „Denn wir brauchen das Engagement einer neuen Generation, um eine bessere Zukunft zu schaffen.“

Die Obermayer Awards – ins Leben gerufen im Jahr 2000 von dem amerikanischen Unternehmer Dr. Arthur S. Obermayer (1931-2016) und seiner Frau Dr. Judith H. Obermayer – würdigen deutsche Bürger und Organisationen, die sich für die Erinnerung einsetzen an die wichtige Rolle, die die jüdische Bevölkerung vor der Zeit des Nationalsozialismus über Hunderte von Jahren für die deutsche Gesellschaft spielte. Ausgezeichnet werden auch Menschen, die sich der Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus widmen.

 

 

zur Homepage