LÄRMPEGEL

Neubrandenburger kämpfen für mehr Ruhe an der Ortsumgehung

Wenn Lkw über die Ortsumgehung rollen, dann komme dies geräuschtechnisch einer Flugzeuglandung gleich, klagen Anwohner. Jetzt wurden Unterschriften gesammelt.
Die Neubrandenburger Ortsumgehung erhitzt die Gemüter, wegen Lärms und Geschwindigkeit. Jetzt setzen sich Einwohner
Die Neubrandenburger Ortsumgehung erhitzt die Gemüter, wegen Lärms und Geschwindigkeit. Jetzt setzen sich Einwohner mit Behördenvertreter zusammen. Felix Gadewolz
Neubrandenburg.

Das Thema Lärm im Neubrandenburger Katharinenviertel ist noch längst nicht vom Tisch. Im Gegenteil. Der Unmut der Anwohner schwelt offenbar schon seit der Eröffnung der Ortsumgehung im Oktober. Davon zeugt jetzt eine Unterschriftensammlung.

Anwohner Dietrich Brockmann hatte sich jüngst über den Lärm beklagt. Der Mann wohnt in der Ziegelbergstraße. Doch seitdem die Ortsumgehung in Betrieb ist, sei an Ruhe auf dem Balkon oder im angrenzenden Schlafzimmer nicht mehr zu denken. Die bundeseigene Projektmanagementgesellschaft Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) hatte erklärt, dass aufgrund von Messungen ein Bedarf für eine Lärmschutzwand in diesem Bereich nicht ermittelt werden konnte. Lediglich an drei anderen Punkten der Ortsumgehung – Bergstraße, im Bereich Stadtwerke und Mühlenholzstraße – sind solche Wände gebaut worden.

Unterschriften gesammelt

Eine Neubrandenburgerin aus dem Katharinenviertel hat sich nun auf dem Weg gemacht, um Unterschriften zu sammeln. Doch in der Presse möchte sie nicht ihren Namen lesen. „Ich habe einfach damit angefangen und merkte, dass viele Anwohner fast erleichtert darüber waren, dass sich jemand darum kümmert“, sagt sie. Sie wolle sich keineswegs als Kopf von irgendeiner großen Aktion sehen. Bisher hat sie gut 80 Unterschriften beisammen und schon im vergangenen Jahr hat sie eine Eingabe bei der Stadt gemacht. „Wenn man nichts sagt, dass einen etwas stört, kann sich auch nichts ändern“, begründet sie.

Für den Bau einer Lärmschutzwand

Die Unterschriftengeber fordern, dass die Geschwindigkeit auf der Ortsumgehung gedrosselt und eine angemessen hohe und ununterbrochene Lärmschutzand gebaut wird. „In der Nachbarschaft kamen wir darauf, warum es denn an einigen Stellen eine Wand gibt und woanders nicht“, gibt sie die Verwunderung wieder. Manche Einwohner berichteten, dass sie manchmal nicht wüssten, ob Lkw über die Umgebung rollen oder ob ein Flugzeug landet. So laut sei es. Dass es Schutzzäune für Fledermäuse auf Höhe der Ziegelbergstraße gibt, hält die Frau zwar für richtig. „Aber ich als Mensch betrachte mich da auch als schützenswerte Art“, gibt sie zu bedenken.

Zusammenkunft von Betroffenen, Stadt und Straßenbauamt geplant

Von Seiten der Deges heißt es auf Nordkurier-Nachfrage, warum denn der Bereich Stadtwerke eine Lärmschutzwand bekommen, allerdings das Gebiet Feuerwehr in der Ziegelbergstraße nicht: „Im Bereich der Stadtwerke handelt es sich um Lärmvorsorge für das westlich der Stadtwerke befindliche Wohngebiet an der John-Schehr-Straße und Clara-Zetkin-Straße.“ Für die Stadtwerke selbst sei kein Anspruch auf Lärmschutz festgestellt worden. Hier seien die alle Grenzwerte eingehalten.

Die Stadt Neubrandenburg hat auf die Eingabe der Einwohner aus dem November 2019 im Übrigen reagiert, wie eine Nordkurier-Nachfrage im Rathaus ergibt. In Kürze soll es einen Zusammenkunft zwischen Betroffenen, Stadt und Straßenbauamt – als Baulastträger – geben.

Laut Rathaussprecherin Anett Seidel seien Geschwindigkeitserfassungen durchgeführt, Verkehrsaufkommen geprüft und Lärmberechnungen erstellt worden.

Behörde weist auf zahlreiche Berechnungen hin

Das Straßenbauamt Neustrelitz verweist in einer Antwort auf die zahlreichen Berechnungen zum Thema Lärm, die durch die Deges in Auftrag gegeben worden sind, und schließt sich nach eigener Prüfung dem Ergebnis „auf der Basis statistisch gesicherter Berechnungsverfahren, auf der Grundlage von Gesetzen, Richtlinien und Vorschriften sowie projektspezifischer Vorgaben und örtlicher Gegebenheiten“ an. Hinsichtlich der Forderung nach einer reduzierten Geschwindigkeit, heißt es, das „dies im Ermessen der zuständigen Verkehrsbehörde liegt eine solche Entscheidung zu treffen“. Das wäre die Stadt Neubrandenburg.

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Kommentare (6)

Wie wäre es mit einer weiteren Ortsumgehung für die Ortsumgehung?

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Jetzt hört man mal was die Anderen seit Jahrzehnten ertragen müssen. Beispiel Kreuzung Demminer Str. - Ponnyweg (Arbeitsamt) - Usedomer Straße, schön laut in unseren Schlaf.- und Kinderzimmern !!!

Leider gehören die Meckerer nicht zur geschützten Spezies Fledermaus. Den Verkehr von 60 noch weiter runter zu drosseln wäre ein Katastrophe.Vielleicht sollte man alle da langfahrenden Fahrzeuge mal durch die Anliegrstraße laut hupend Tag und Nacht fahren lassen um zu zeigen was Lärm ist, keiner wird gezwungen in der Sadt zu wohnen. Die Bauaausführenden haben alles genau bemessen und sogar Radfahrer verbannt. Man lebt nun mal in einer Stadt da ist Lärm normal, wem es zu laut ist, soll auf die umliegenden Dörfer ziehen, da sind sicher noch ein paar Altbauernstellen frei und man hat dann Ruhe sich über den Lärm der Landmaschinen und des Vogelzuges oder dem krähenden Hahn aufzuregen. Irgendwie geht die Zeit an diesen Gehirnen vorbei.Andere wären froh in der Stadt zentrumsnah wohnen zu dürfen.

Sicher haben die Anwohner ein Recht auf ihr Problem hinzuweisen.
Netto076 sollte bevor er hier Leute beleidigt sein Kopf einschalten.
Alle Lärm Messungen wurden nur Rechnerisch von der Deges ermittelt.
Eine Prüfung wurde im Feststellung Verfahren zugesichert falls es zu Beeinträchtigung kommt.
Die Deges macht auch Fehler siehe Eiche die wurde auch übersehen.
Für die ist das Projekt abgeschlossen und jetzt soll die Stadt die Kosten tragen.
Außerdem haben sich auch die Grenzen Betreff der Lärm Belästigung inzwischen geändert.
So haben die Leute das Recht sich zu Bechweren auch wenn es Netto076 nicht gefällt.
Mfg

Ich wohne in der Katharinenstraße und bin froh, dass die Ortsumgehung frei ist und der Verkehr nicht mehr vor meinem Fenster über das Kopfsteinpflaster klappert. Von der Ortsumgehung kann ich nichts hören, da finde ich die Woldegker Straße weitaus lauter. Oder die Fahrer von der örtlichen Pizzeria und Pflegedienstes die mit viel zu hohen Tempo durch das Wohngebiet donnern, keine Vorfahrtsregeln kennen und Privatparkplätze zuparken. Gegen diese sollten (meiner Meinung nach) eher Unterschriften gesammelt werden.

Nun ist es für deutschtypisches Gejammer zu spät.