Kita Leiterin Wenke Stadach in ihrem Büro in der Neubrandenburger Oststadt mit Unterschriften-Listen in der Hand. Fast 70
Kita Leiterin Wenke Stadach in ihrem Büro in der Neubrandenburger Oststadt mit Unterschriften-Listen in der Hand. Fast 70.000 Menschen haben ihre Petition zum Erhalt von Sprach-Kitas unterschrieben. Mirko Hertrich
Für Sprach-Kitas

Neubrandenburger Kita-Leiterin lehrt Berlin das Fürchten

Binnen 18 Tagen hat Kita-Leiterin Wenke Stadach knapp 72.000 Unterschriften für eine Petition zum Erhalt von Sprach-Kitas gesammelt. Damit geht es nach Berlin.
Neubranenburg

Die von einer Neubrandenburger Kita-Leiterin angestoßene bundesweite Kampagne „Sprach-Kitas retten“ hat die wichtige Zielmarke von 50.000 Unterschriften geknackt. Bis Donnerstag dieser Woche hätten über 15.500 Menschen online für die Petition unterschrieben, teilte das Kampagnen-Büro mit. Zusätzlich seien über 56.000 Unterschriften mit Unterschriftenlisten beim Petitionsausschuss eingegangen, der gegenwärtige Gesamtstand betrage über 72.500.

„Große Wertschätzung”

Sie sei „unglaublich stolz darauf, wie wir in den letzten Wochen gemeinsam Unterschriften für die Rettung der Sprach-Kitas gesammelt haben”, sagte Kita-Leiterin Wenke Stadach in ihrem Büro in der Neubrandenburger Oststadt. Allein in Neubrandenburg seien es 1200 gewesen. Das sei auch eine „große Wertschätzung” an die Kitas und Fachkräfte, die in den Sprach-Kitas eine hervorragende Arbeit leisten.

Mit den Listen haben in den vergangenen Tagen Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und Elternvertretungen, Großeltern, Träger, Verbände und Gewerkschaften sowie der Bundestagsabgeordneten Erik von Malottki (SPD), selbst Mitglied im Petitionsausschuss, für eine Unterstützung der Petition geworben.

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Bundesfamilienministerin soll Rede und Antwort stehen

Mit dem Erreichen des Quorums steht nun fest, dass es zeitnah eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages geben wird, in der die Rettung der Sprach-Kitas Thema ist und die zuständigen Ministerin Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen) Rede und Antwort stehen muss.

Die von Wenke Stadach geleitete Kita ist eine von knapp 7000 sogenannten Sprach-Kitas bundesweit, 15 davon gibt es allein in Neubrandenburg. In ihrer Einrichtung in Trägerschaft des Internationalen Bundes wird darüber eine 40-Stunden-Kraft finanziert, die sich gesondert um die Sprachförderung kümmert und so die Kinder sowie die Erzieherinnen unterstützt.

Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas” allerdings läuft am 31. Dezember 2022 aus. Vom Bund gab es dafür bislang jährlich etwa 200 Millionen Euro. Der Bund argumentiert, dass das Programm von Beginn an befristet gewesen sei, weil die Länder für die frühkindliche Bildung verantwortlich sind. Wenke Stadach zufolge würde der Wegfall ein großes Loch in der Sprachförderung bei den Kleinsten reißen. Immerhin laufe das Programm mit seinem Vorgänger bereits seit 2011. „Einige Kitas haben sich noch Anfang des Jahres angemeldet”, zeigt sie sich entrüstet über das unerwartete Aus, zumal die Sprach-Kitas sogar im Koalitionsvertrag von SPD, Grüne und FDP festgeschrieben seien.

Viele Kinde haben Sprachprobleme

Rund ein Viertel der Kinder in ihrer Einrichtung haben Migrationshintergrund, nicht erst seit dem Ukraine-Krieg stehen viele weitere Mädchen und Jungen mit ausländischen Wurzeln auf der Warteliste. Aber auch viele deutsche Kinder hätten Sprachprobleme, argumentiert Wenke Stadach, deren Kita in einem vom industriellen Plattenbau der DDR geprägten Stadtteil mit entsprechenden sozialen Herausforderungen liegt.

Mit ihrem Erfolg verpflichtet die Petition die Gremien des Deutschen Bundestages nun, über die möglichen Wege zur Absicherung der Sprach-Kitas ab 2023 zu debattieren und Lösungen zu finden. Hierzu hofft die Einreicherin der Petition: „Ich bin mir sicher, dass wir die Politik vor der Fortsetzung der Sprach-Kitas überzeugen können und hoffe, dass Ministerin Lisa Paus bei der Anhörung unser Anliegen persönlich aufnimmt.”

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Druck auf Politik noch erhöhen

Um den Druck auf die Politik noch zu erhöhen, wollen Wenke Stadach und ihre Mitstreiter noch bis zum 20. September weiter sammeln. „Jede Unterschrift hilft.” Neben dem Bund hat die Petition auch im Land Wirkung gezeigt. Für kommende Woche ist ihren Worten nach bereits ein Gespräch mit Simone Oldenburg (Die Linke), Landesministerin für Bildung und Kindertagesförderung, geplant. Mit Blick auf ihren Auftritt von dem Petitionsausschuss, voraussichtlich am 17. Oktober, ist es der zupackenden Kita-Leiterin aber doch etwas mulmig. „Aber wenn es hilft, mache ich das”, sagt sie mutig.

Link zur Online-Petition für Sprach-Kitas

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